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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und..., 08.06.07

Tumor-Nekrose-Faktor alpha ermöglicht Vorhersage von Gefäßverkalkungen

Wenn Herzpatienten zur Erweiterung verengter Blutgefäße ein "Stent" gesetzt werden muss, lassen sich dabei durch die Analyse der Ablagerungen ("Plaque") Daten gewinnen, die den weiteren Verlauf mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizierbar machen. Risikopatienten können so vorab erkannt und entsprechend betreut werden, zum Beispiel durch aggressivere Medikamente und engmaschige Nachuntersuchungstermine, so eine aktuelle Studie 1).

"Die Plaque wurde durch den gleichen Katheter, der zur Stent-Setzung ohnehin nötig ist, abgesaugt und analysiert", erläutert Prof. Heusch. "Fünf Monate später zeigte sich bei der Nachuntersuchung: Die durch den Stent geöffneten Gefäße verkalkten umso rascher ein weiteres Mal, je mehr Zytokin TNF-alpha wir davor in der Plaque nachweisen konnten. Wir haben offenbar einen prognostischen Indikator gefunden, den wir den Klinikern zur besseren Versorgung der konkreten Patienten zur Verfügung stellen können."


Der "Tumor-Nekrose-Faktor" (TNF) ist im gesunden Körper ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems, er bekämpft unter anderem Krebszellen und ruft gegen bestimmte Eindringlinge eine unspezifische Entzündungsreaktion hervor. Läuft seine Produktion aus dem Ruder, kann TNF-alpha jedoch auch gesunde Zellen attackieren. TNF-alpha spielt zum Beispiel bei Rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew, bei Psoriasis Arthritis und Psoriasis, oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulzerosa eine Rolle. Prof. Heusch: "Wir sehen nun, dass dies offensichtlich auch im Rahmen der Arteriosklerose von Gefäßwänden der Fall ist."

Untersucht wurden im Rahmen der Studie 18 Patienten, deren Herzkranzarterie schon einmal durch einen Teil der Beinvene (vena saphena) ersetzt werden musste, und deren Bypass nun abermals zu verstopfen drohte. Für die Studie hatten sich die Abteilung für Kardiologie, das Institut für Pathophysiologie und die Abteilung für klinische Chemie der Universitätsklinik Essen (Nordrhein-Westfalen) sowie das Lukas-Krankenhaus in Neuss zusammengefunden. "Die vorliegende Studie ist ein exemplarisches Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen der praktischen Tagesarbeit in der Klinik einerseits und medizinischer Grundlagenforschung andererseits zum Wohle der Patienten laufen sollte", so Prof. Heusch. "Noch findet derartiges in Europa selten statt, aber wir hoffen, dass unser Vorbild Schule machen wird."

Noch stammen die Daten von einer relativ geringen Anzahl untersuchter Patienten, sagt Prof. Heusch: "Sie sind aber biochemisch schlüssig, und wir gehen davon aus, dass auch größere Untersuchungen das gleiche Resultat erbringen werden." Hält dieses neue Prognose-Instrument weiteren Überprüfungen stand, und zeigen sich auch jene Schwellenwerte, ab denen das höhere Risiko der Wiederverkalkung angenommen werden muss, so Prof. Heusch, "können wir gefährdeten Patienten sowohl durch die Hemmung der an der Plaque-Bildung beteiligten Blutplättchen (Thrombozyten) als auch durch Lipid-senkende Therapien einen deutlich verstärkten Schutz bieten, der die stärkeren Nebenwirkungen in diesem Fall eben auch rechtfertigt."

1) Am. J. Physiol. Heart Circ Physiol. (2007): Release of TNF during stent implantation into saphenous vein aortocoronary bypass grafts and its relation to plaque extrusion and restenosis

Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK
Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK, limberg@dgk.org; 0211/600 692 61

Weitere Informationen:


Christiane Limberg, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforsc
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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