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Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven, 31.10.06

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Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven, 31.10.06

ttz Bremerhaven schließt EU-Projekt zu Schimmelpilzgiften in Milch und Kaffee ab

Herzstück des Testkits: ELISA-Platte
ttz Bremerhaven

ELISA-Platte mit Farbumschlag zur Anzeige der Mykotoxinkonzentration
ttz Bremerhaven

Bremerhaven, Oktober 2006. Bei dem Projekt ging es insbesondere um die Erkennung von Schimmelpilzgiften in Milch und Kaffee. Beide Produkte sind sehr anfällig für die Kontamination mit Mykotoxinen. Beim Kaffee spielen die Lagerungsbedingungen eine erhebliche Rolle. Das warme, zum Teil feuchte Klima in den Herkunftsländern des Kaffees begünstigt das Schimmelwachstum und damit die Produktion der Schimmelpilzgifte. Kühe können die Mykotoxine schon über kontaminiertes Futter aufnehmen und übertragen sie so in die Milch. Das stellt besonders für Kleinkinder eine Gefahr dar.


Verbrauchersicherheit erhöhen

Dieser Risiken für Verbraucher sind sich auch die Verantwortlichen in der Europäischen Union bewusst und legten daher erst 2002 neue Grenzwerte für die Konzentration von Mykotoxinen in Lebensmitteln fest. Somit wurden unter anderen Kaffee- und Milchproduzenten zu verstärkten Kontrollen für den Verbraucherschutz verpflichtet. "Wir haben in diesem Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren mit acht europäischen Industrie- und Forschungspartnern an einem Verfahren gearbeitet, das der Industrie eine schnelle, unkomplizierte, sensitivere und im Vergleich zu bisherigen Untersuchungen kostengünstigere Möglichkeit gibt, die Schimmelpilzgifte frühzeitig zu erkennen," erläutert Projektleiterin Maria Bunke vom ttz Bremerhaven, die die Gesamtkoordination des Projekts übernommen hat. Frühzeitige Erkennung bedeutet in diesem Fall, dass die Projektpartner ein Verfahren entwickelt haben, das schon geringste Mengen des Giftes erkennen kann: Konzentrationen von unter 0,01µg/kg, ein hundertmillionstel Gramm in einem Kilogramm Kaffee oder Milch. Ein Wert, der unter der von der EU vorgegebenen Schwelle liegt. "Diese Detektierung äußerst geringer Konzentrationen von Mykotoxinen hat entscheidende Vorteile: Die Sicherheit für den Verbraucher steigt. Hinzu kommt, dass die Industrie größere Verluste in der Produktion vermeiden kann, wenn Kontaminationen mit Schimmelpilzgiften frühzeitig erkannt werden. Entsprechend können rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden," erklärt Bunke und ergänzt, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass die EU demnächst die Richtlinien zur Verbesserung der Verbrauchersicherheit erneut verschärfen werde.

Traditionelle und neue Analyseverfahren

Die bisherige Standardmethode zur Untersuchung auf Schimmelpilzgifte ist das HPLC(High Performance Liquid Chromatography)-Verfahren, das ein gut ausgestattetes Labor, teure Geräte, Chemikalien und entsprechend ausgebildetes Personal benötigt. Viele Milch- und Kaffeeproduzenten beauftragen daher externe Lebensmittellabore mit der Untersuchung ihrer Proben. Eine einfachere Methode ist das ELISA(Enzyme-Linked Immunosorbent Assay)-Testverfahren. Die bisher auf dem Markt erhältlichen ELISA-Tests sind allerdings nicht in der Lage, sehr geringe Konzentrationen an Mykotoxin nachzuweisen. Die Entwicklung eines neuen, optimierten ELISA-Verfahrens sollte ein Testkit mit entsprechend niedriger Nachweisgrenze hervorbringen.

Auf dem Weg zum praktischen Testkit mussten aber noch weitere Probleme bewältigt werden: Die vielfältigen, in Kaffee und Milch vorkommenden Substanzen stellten ein großes Problem bei der Entwicklung des Kits dar: Insbesondere Koffein, Polyphenole (Aromastoffe) wie z. B. Tannine (Bitterstoffe) des Kaffees sowie die Proteine bzw. Enzyme in der Milch störten das Messverfahren. Die verwendeten Antikörper, welche die Giftstoffe "aufspüren" sollten, zeigten eine geringe Bindungskraft oder verbanden sich mit ungiftigen Substanzen.

Die MYCOPLEX Partner entwickelten daher ein einfach handhabbares Aufreinigungsverfahren, welches die störenden Substanzen effektiv entfernt. Zusätzlich stellten sie neue Antikörper her, die sich spezifisch und mit hoher Affinität an die jeweiligen Mykotoxine binden und andere Substanzen "ignorieren" können. Diese hohe Spezialisierung erlaubt es, sehr geringe Konzentrationen der Toxine durch eine Farbreaktion nachzuweisen Mit einem Spektrometer kann dann die Farbveränderung gemessen und die Konzentration der Toxine sehr genau berechnet werden. Alternativ kann der Anwender auch die nutzerfreundliche Farbskala zur Hilfe nehmen, mit der sich die ungefähre Konzentration ohne Einsatz teurer Laborgeräte bestimmen lässt.

Die Forscher stellten am Ende der zweijährigen Projektlaufzeit einen Prototyp vor, der alle Anforderungen erfüllt:
·einfache Handhabung;
·zur Messung sind keine teueren Laborgeräte notwendig;
·Mykotoxinkonzentrationen liegen weit unter dem EU-Grenzwert, können erkannt und quantifiziert werden;
·der Zeitaufwand für Probenvorbereitung und Analyse beträgt weniger als 90 Minuten;
·die Kosten des Testkits liegen unter 50 ¤ (für bis zu 48 Proben in Doppelbestimmung).

Der spanische Projektpartner Biotools arbeitet zur Zeit an der Optimierung des MYCOPLEX Testkits und geht davon aus, dass es im Jahr 2007 auf den Markt kommen wird. Das Kit wird alle notwendigen Materialien und Lösungen für die Probenvorbereitung und Analyse beinhalten.

"Das Projekt MYCOPLEX ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass die
Steigerung der Lebensmittelsicherheit nicht zwangsläufig mit höheren Kosten für
die Industrie verbunden sein muss," erklärt Werner Mlodzianowski,
Geschäftsführer des ttz Bremerhaven.

Projektdauer: Okt. 2004 bis Sep. 2006
Projektpartner im Konsortium:
Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz) - Koordinator;
BIOTOOLS B&M Labs., S.A. (Spanien);
BIOCULT BV (Niederlande);
Mungivet S.L.(Spanien);
Löfbergs Lila AB (Schweden);
University of Strathclyde(Großbritannien);
Fundación Gaiker (Spanien);
Iseao Technologies Ltd.(Großbritannien)

Kontakt:
Anke Janssen,
ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 0471 / 4832-121/-124,
Email: ajanssen@ttz-bremerhaven.de

Weitere Informationen:


Anke Janssen, Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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