Hilfe: Sie befinden sich auf...

Charité-Universitätsmedizin Berlin, 06.09.04

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Charité-Universitätsmedizin Berlin, 06.09.04

Trockene Alkoholabhängige: die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen sichtbar machen

Die Rückfallquote in den Alkoholkonsum ist bei Alkoholabhängigen, die einen Entzug hinter sich haben, immer noch erschreckend hoch. Warum die einen trocken bleiben, die anderen aber erneut trinken, hängt unter anderem mit anatomischen und funktionellen Veränderungen im Gehirn zusammen. Je intensiver die Veränderungen im Vergleich zu Nicht-Trinkern sind, desto wahrscheinlicher ist es, daß trockene Alkoholabhängige rückfällig werden. Darauf lassen Untersuchen der interdisziplinären Arbeitsgruppe um Professor Dr. Andreas Heinz von der "Klinik für Psychiatrie" der Charité schließen (x) .

Der Abusus von Genußmitteln, also Sucht, aktiviert bestimmte Teile des Gehirns, die keine Verbindungen zur Großhirnrinde aufbauen und daher unbewußt bleiben. In diesen Bereichen ist der Stoffwechsel heftiger als in benachbarten, nicht-aktivierten Arealen. Der Alkohol führt zur Ausschüttung angenehm wirkender Botenstoffe wie dem Dopamin und körpereigenen morphinähnlichen Substanzen, den sog. Endorphinen. Durch wiederholte Aktivierung der empfindlichen Areale bei Alkoholkonsum bildet sich eine Art Suchtgedächtnis aus, eine Erinnerung daran, daß Trinken mit angenehmen Gefühlen verbunden war, selbst wenn der altuelle Konsum keine Freude mehr bereitet. Dieses Suchtgedächtnis wird mit der Zeit nicht erst beim direkten Kontakt mit Alkohol aktiviert, sondern bereits bei visuellen Reizen, die mit dem Alkoholumfeld zu tun haben, etwa beim Anblick von Alkoholreklame, Biergläsern, Flaschen oder Bierfässern.
Mit speziellen Verfahren der Bildgebung, der sogenannten funktionellen Magnetresonanz - Tomographie, lassen sich die aktivierten Areale im Bild darstellen: Das hat die Arbeitsgruppe um Professor Heinz genutzt und "trockene" Alkoholabhängige mit nicht-süchtigen Personen verglichen und konnte zeigen, daß die visuellen, alkoholbezogenen Reize (Flaschen etc.) bei trockenen Alkoholabhängigen, aber nicht bei Gesunden bestimmte Gehirnbereiche im Stirnhirn und im sog. Corpus Striatum aktivierten. Die Aktivierung war vom Ausmaß der Veränderung im Dopamin-System abhängig und bei jenen Abhängigen besonders stark, bei denen es zu Rückfällen kam. Dabei war die Menge des im Rückfall konsumierten Alkohols direkt davon abhängig, wie hoch die Aktivität in den Gehirnarealen angestiegen war. Dagegen spielte die Länge der Alkoholsucht, bzw. die Zeit der Abstinenz, keine Rolle. (Online-Publikation : Grusser SM, Wrase J et al. "Psychopharmacology" [2004] (Berl.) May 1).
Auch wenn die Zahl der Untersuchten in dieser Studie eher klein ist, geben die Ergebnisse doch einen Hinweis darauf, daß es durch Messung der Gehirnaktivität in den Bereichen des Suchtgedächtnisses möglich ist, stärker gefährdete, trockene Süchtige von den weniger gefährdeten zu unterscheiden und den gefährdeten spezielle Therapien anzubieten, die es ihnen erleichtern, ihr Verlangen nach Alkohol zu kontrollieren.
Die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen einzuschätzen, könnte auch medizinische Entscheidungen beeinflussen: Soll man etwa Patienten, die wegen alkoholbedingter Leberzerstörung ein Organtransplantat bräuchten, tatsächlich operieren, oder davon Abstand nehmen, weil das Risiko, daß auch die neue Leber durch Alkohol alsbald ruiniert würde, zu groß erschiene?
(x)"American Journal of Psychiatry" 1998, 155(8) 1023-8 und "Pharmacopsychiatry" 2003 Nov; Suppl 3: S 191-4). S. Schattenfroh (6.9.02)


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Klimawandel beeinflusst biologische Vielfalt spürbar 
 Myomentfernung durch Gefäßverschluss