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Universitätsklinikum Heidelberg, 19.04.05

Taktgeber statt Bremse

Neue Forschergruppe an der Medizinischen Fakultät Heidelberg untersucht hemmende Nervenzellen / Förderung mit 1,37 Millionen Euro

Direktor des Instituts für Physiologie und Pathopysiologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg
Foto: Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg.

Wenn wir sehen, hören oder riechen und diese Sinneseindrücke verarbeiten, sind unsere Gehirnzellen sehr aktiv und stimulieren sich gegenseitig. In allen "Schaltkreisen" finden sich aber auch spezielle Nervenzellen, die die elektrische Erregung stoppen. Solche hemmenden Nervenzellen (Neuronen) steuern die Aktivität des Gehirns - und damit komplexe Vorgänge wie Wahrnehmen, Lernen und Erinnern.

Um die Eigenschaften dieser hemmenden Zellen zu untersuchen und damit Funktionsprinzipien des Nervensystems besser zu verstehen, wurde jetzt eine neue Forschergruppe der Medizinischen Fakultät Heidelberg am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg eingerichtet. Sie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten drei Jahren mit über 1,3 Millionen Euro unterstützt.


Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Forschungsergebnisse dazu beitragen, Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Epilepsie und Gedächtnisstörungen besser zu verstehen. Bei diesen Erkrankungen scheint das Zusammenspiel aktivierender und hemmender Nervenzellen nicht korrekt zu funktionieren.

"Früher hat man hemmende Nervenzellen im Wesentlichen als "Bremse" verstanden, die verhindern soll, dass Verschaltungen im Nervensystem übererregt werden", erklärt Professor Dr. Andreas Draguhn, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Physiologie und Pathophysiologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg und Sprecher der neuen Forschergruppe. "Heute wissen wir, dass sie weit mehr können: Sie bestimmen den Rhythmus der Signalverarbeitung im Nervensystem und spielen als Taktgeber eine entscheidende Rolle bei grundlegenden Funktionen des Gehirns." Dazu gehören bestimmten Verhaltensformen wie Schlaf, Traum, Wachsein, Aufmerksamkeit oder Lernen.

International einzigartiges Repertoire an Forschungstechniken

Welche Gene beeinflussen die Wirkungsweise hemmender Nervenzellen? Welche Eiweiße dienen als Signalstoffe oder bestimmen den Zellaufbau? Wie übermitteln Nervenzellen und ganze Zellverbände elektrische Signale, um Informationen zu verarbeiten? Welche Auswirkungen haben hemmende Neuronen auf das Verhalten? Diesen Fragen gehen die Forscher mit vielfältigen Techniken auf den Grund. Dabei ist das methodische Repertoire im internationalen Vergleich einzigartig. "Wir haben dadurch die Chance, Funktionsprinzipien des Nervensystems vom Molekül bis zum Verhalten zu erforschen", erklärt Professor Draguhn.

Langfristig verbessern solche Untersuchungen die Chance, gezielte Therapien neurologischer Erkrankungen zu entwickeln.

Heidelberger Forschungsschwerpunkt "Neurowissenschaften" gestärkt

Durch das Projekt kann der Forschungsschwerpunkt "Neurowissenschaften" der Medizinischen Fakultät weiter ausgebaut werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) möchte mit ihrer Förderinitiative die die Kooperation herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei innovativen Forschungsvorhaben fördern. DFG-Forschergruppen zeichnen sich durch wissenschaftliche Zusammenarbeit in einer überschaubaren Zahl von Einzelprojekten aus, die höchste Qualität und Originalität auf internationalem Niveau erkennen lassen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Andreas Draguhn
Direktor des Instituts für Physiologie und Pathopysiologie
der Medizinischen Fakultät Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 40 56
E-Mail: Andreas.Draguhn@urz.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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