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Universität zu Köln, 16.09.03

Tabakrauch schützt vor Krankheiten

Tabakrauch schützt vor Krankheiten
Das Medizinsystem der Guaraní aus Paraguay

Die Guaraní aus Paraguay schützen sich vor Krankheiten und allem anderen Übel durch Tabakrauch und viel Harmonieempfinden. Dabei ist die Prävention von Krankheiten bei den Guaraní nicht nur Hauptanliegen des Medizinsystems, sondern auch der Religion und damit ihres gesamten Lebens. Wohlbefinden muß erhalten werden, um das Aufkommen von Mißbefinden jeglicher Art zu vermeiden. Dr. Anahí Saadatmand vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität zu Köln hat sich des Phänomens angenommen, daß jede Kultur andere Krankheiten entwickelt und auch anders mit diesen umgeht.


In den Industrienationen hat sich durch die Biomedizin die Lebenserwartung der Menschen teilweise verdoppelt. Zufriedener erscheint die westliche Welt dadurch jedoch nicht geworden zu sein. Daher sind traditionelle Gesellschaften und ihr Umgang mit Problemen so faszinierend für den modernen Menschen. Die Guaraní gehen davon aus, daß Gut und Böse in allem weilt, daher ist auch das Im-Gleichgewicht-Sein, die Harmonie lebenserhaltend. Im Zentrum des Lebens der Gruppe stehen ihre Rituale, die präventiv und heilend sein können. Das Medizinsystem basiert auf dem Zusammenhang von Religion und Heilwesen.

Tabakrauch ist für die Guaraní heiliges Symbol für den Urnebel, aus dem in der Mythologie der Frühling, die Quelle der Vitalität, und Fruchtbarkeit entstehen. Geraucht wird ausschließlich aus rituellen Gründen, was die heilenden Handlungen des Schamanen unterstützt. So favorisieren die Guaraní vegetarische Ernährung, jedoch essen sie auch Fleisch, wenn dieses zuvor durch Tabakrauch "gereinigt" wurde. Der Tabakdunst begleitet Segnungen, rituelle Reinigungen sowie die Diagnose und Therapie von Krankheiten. Die Guaraní assoziieren mit dem Tabakrauch Vitalität und Weisheit und sehen ihn als lebensspendend und lebenserhaltend an. Die Bedeutung von Tabakrauch ist allgemein sehr wichtig, da durch ihn alle Dinge wieder ins Gleichgewicht gebracht werden können.

Krankheit im biomedizinischen Sinne ist bei den Guaraní nur eine Form von Unheil. Krankheit wird gleichgesetzt mit dem Aus-dem-Gleichgewicht-Sein der Ordnung, mit Disharmonie. So kann durch Nichteinhaltung der moralischen, sozialen und religiösen Regeln ein Übel, d. h. Krankheit entstehen. Es existieren bei den Guaraní Krankheiten, die es in anderen Kulturen nicht gibt. Umgekehrt werden Krankheiten bei ihnen oft nicht als solche, sondern als dem Leben innewohnende Prozesse wahrgenommen.

Fehlt das Wissen der Gemeinde für eine Erklärung und Einordnung des Leidens, wird ein Heiler aufgesucht. Dieser setzt bei der Heilung materielle und nichtmaterielle Therapieelemente ein. Pflanzliche oder tierische Arzneimittel können ebenso heilsam sein wie Gesang, Tanz, Tabakrauch, symbolische Gegenstände und rituelle Handlungen. Der Schamane rekonstruiert immer wieder aufs Neue das Gleichgewicht zwischen allen Wesen und Kräften. Somit bestärkt er jedesmal wieder das eigene Weltbild der Guaraní und handelt präventiv.

Verantwortlich: Isabel Maußen

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Klaus Bergdolt unter der Telefonnummer 0221/478-5266, der Fax-Nummer 0221/478-6794 und unter der Email-Adresse
bergdolt@uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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