Studie: Käfer gefährden Rasenflächen - Neue Bekämpfungsstrategien
Von der Gartenlaubkäferplage sind Bäume, Sträucher und Sportrasenflächen in großen Teilen Europas betroffen. Während die ausgewachsenen Insekten Fraßschäden an Blättern, Blüten und Früchten verursachen, fressen die bodenbewohnenden Larven (Engerlinge) an den Wurzeln der betroffenen Pflanzen und nehmen diesen so die Möglichkeit zur Wasser- und Nährstoffaufnahme. Lockstoffe können auf verschiedene Weise dazu beitragen, eine aus dem natürlichen Gleichgewicht geratene Schädlingspopulation zu regulieren. So kann zum Beispiel durch Massenfang ein Großteil der Schadinsekten in einem bestimmten Areal in Lockstofffallen gefangen und abgetötet werden. Zudem können Lockstofffallen für das so genannte "Monitoring" eingesetzt werden, um die Entwicklung einer Insektenpopulation zu kontrollieren und drohende Massenvermehrungen rechtzeitig zu erkennen. "Auf diese Weise kann dann gegebenenfalls der geeignete Zeitpunkt für weitere Bekämpfungsmaßnahmen bestimmt werden", erklärt der Insektenforscher Dr. Joachim Ruther von der Freien Universität Berlin.
Joachim Ruther hat jetzt ein Lockstoffgemisch entwickelt, das sowohl männliche als auch weibliche Käfer anzieht. Mit diesem Gemisch bestückt er eine ebenfalls von ihm entworfene Falle, bei der über einen Dispenser die Lockstoffe freigesetzt und die fliegenden Käfer gefangen werden.
Die Trichterfalle wird etwa in einem halben bis einen Meter Höhe installiert. "In dieser Höhe fliegen die Käfer während des Schwärmfluges, so dass die Falle hier am wirkungsvollsten ist", erläutert Joachim Ruther. Die Falle besteht aus einem mit senkrechten Prallflächen versehenen Trichter, durch den die angelockten Käfer in eine Kunststofftüte fallen, aus der sie nicht wieder entkommen können. Der Lockstoffdispenser wird direkt über den Prallflächen angebracht. Bestehen die Prallflächen aus gelbem - im Gegensatz zu grauem - Kunststoff, steigt die Zahl gefangener Käfer drastisch an. "Das hängt wohl damit zusammen, dass die gelben Fallen in Kombination mit den verwendeten Pflanzenduftstoffen auf die Käfer wie Blüten wirken, durch die sie verstärkt angezogen werden", so Ruther.
Joachim Ruther entwickelt jetzt eine weitere Bekämpfungsstrategie für die Gartenlaubkäferplage bei Obstbaumkulturen.
Hintergrundinformationen zum Gartenlaubkäfer:
Der Entwicklungszyklus des Gartenlaubkäfers ist ein- bis zweijährig. Der Käferflug des erwachsenen Käfers findet zwischen Mitte Mai und Anfang Juli statt. Die Käferweibchen legen in einer Tiefe von fünf bis 16 Zentimeter durchschnittlich dreißig bis vierzig Eier einzeln in Erdhöhlen ab. Die Engerlinge, das sind die Larven des Gartenlaubkäfers, schlüpfen nach etwa drei Wochen und entwickeln sich sehr rasch, indem sie sich von Feinwurzeln ernähren. Das dritte Larvalstadium wandert dann ab Oktober zur Überwinterung in tiefere Bodenschichten ab. Die Verpuppung erfolgt im April des darauf folgenden Jahres und dauert etwa vier Wochen.
Von Ilka Seer
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Priv.-Doz. Dr. Joachim Ruther, Institut für Biologie der Freien Universität Berlin (Angewandte Zoologie), Tel.: 030 / 838-55910, E-Mail: ruther@zedat.fu-berlin.de




