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Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen, 04.07.01

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Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen, 04.07.01

Stellungnahme des Vorstandes Bereich Humanmedizin zu Fragen im Zusammenhang mit der Vakzinetherapie

Der Vorstand des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen nimmt Stellung zu Fragen im Zusammenhang mit der Vakzinetherapie des metastasierenden Nierenkarzinoms.
Im Januar 2001 wurde das Ombudsgremium des Bereichs Humanmedizin vom Vorstand beauftragt, zwei Fragen zu prüfen:
1. Wurden bei der Verwendung einer Abbildung in einer eingereichten Habilitationsschrift und in einem Manuskript im Zusammenhang mit dieser Therapie die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis verletzt?

2. Wurde damit möglicherweise auch die Glaubwürdigkeit der Daten in Frage gestellt, die Grundlage der Publikation in Nature Medicine vom März 2000 waren, da der Erstautor identisch mit dem Habilitanden ist?
Das Ombudsgremium hat einen Zwischenbericht über den Stand seiner bisherigen Untersuchungen am 23.5.2001 dem Vorstand vorgelegt:
1. Hinsichtlich der Verwendung des Bildes wurde Fehlverhalten festgestellt, ein Vorsatz wurde jedoch nicht nachgewiesen.
2. Hinsichtlich der - im Hinblick auf eine Gefährdung von Patienten - schwerwiegenderen Fragestellung nach der Glaubwürdigkeit der Daten in den Publikationen stellte das Ombudsgremium fest, "dass zumindest im Ablauf der Beurteilung der Patienten und der Verbesserung der klinisch sichtbaren Symptomatik der wissenschaftlich notwendigen Sorgfalt nicht Genüge geleistet wurde." Auch in dieser Frage habe sich aber "bisher kein Beweis für ein wissentlich wissenschaftliches Fehlverhalten gefunden."
Zeitgleich, offenbar ausgelöst durch einen Bericht im Göttinger Tageblatt vom 18.5.2001, wurden durch den Biophysiker Prof. Dr. U. Zimmermann, Universität Würzburg, Vorwürfe hinsichtlich Herstellung, Wirksamkeit und Verträglichkeit der Vakzine aufgeworfen. Vorsichtshalber hat der Vorstand daraufhin jede Impftherapie weiterer Patienten vorläufig gestoppt. Inzwischen wurde die Ethikkommission der Universität beauftragt, die auf der Basis der in Nature Medicine veröffentlichten Ergebnisse bereits genehmigte, jedoch noch nicht begonnene klinische Studie erneut zu überprüfen. Die Stellungnahme der Ethikkommission wird in Kürze vorliegen.
Unabhängig von der aktuellen Entwicklung hat der Vorstand bereits im Jahr 2000 kurz nach Erscheinen des Artikels in Nature Medicine mit der Fa. Fresenius eine Kooperation geschlossen. Eines der Vorhaben war die Errichtung eines Labors, um unter international vorgeschriebenen Bedingungen (GMP = Good Medical Practice) die Vakzine herzustellen und wissenschaftlich zu überprüfen.
Zur Zeit wird gemeinsam mit dem Präsidenten der Universität geprüft, welche Aussagen von Prof. Zimmermann, Würzburg, für den Auftrag des Ombudsgremiums von Bedeutung sind und ob das gesamte Verfahren einem externen Gremium zur Überprüfung übergeben wird. Dieses geschieht auch im Interesse der betroffenen Ärzte. Für die wissenschaftlichen Fachfragen werden international ausgewiesene Experten herangezogen.
Bei den Nachuntersuchungen bisher behandelter Patienten sind Zwischenfälle nicht bekannt geworden.

Weitere Informationen:
Dekan und Sprecher des Vorstandes Bereich Humanmedizin
Prof. Dr. Manfred Droese
Tel.: 0551/39 99 02

Pressestelle des Bereichs Humanmedizin
Stefan Weller
Tel:.0551/ 39-99 59
presse.medizin@med.uni-goettingen.de


Bettina Bulle, Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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