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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 10.03.00

Stammzelltransplantation - eine zukunftsweisende Therapie

Stammzellen sind junge, noch undifferenzierte Zellen. Sie sind ein Leben lang extrem teilungs- und differenzierungsfähig. So bilden sich sowohl die roten als auch die weißen Blutkörperchen und auch die Blutplättchen aus einer gemeinsamen Stammzelle der Blutbildung - und das ständig. Normalerweise befinden sich die Stammzellen im Knochenmark. Unter entsprechenden Bedingungen (u. a. bei der Verabreichung eines bestimmten Medikaments) können sie aber auch im peripheren Blut auftreten. Diese Tatsache macht sich die moderne Medi-zin zu Nutze. Die Stammzellen müssen also nicht mehr unter Vollnarkose aus dem Knochenmark entnommen werden, sondern können auf eine weitaus weniger belastende Weise aus dem Blut des betreffenden Patienten selbst (autolog) oder aus dem Blut von Spendern (allogen - verwandt oder nichtverwandt) gewonnen werden.Man unterscheidet demnach die autologe und die allogene Stammzelltransplantation.

Bei der autologen Transplantation werden dem Patienten entnommene Stammzellen ihm später selbst zurückgegeben. Sie wachsen im Knochenmark schnell wieder heran, bilden normale Blutstammzellen und regenerieren damit Blut und Knochenmark. Dadurch ist es möglich, die knochernmarkschädigende Chemotherapie zur Behandlung der Erkrankung weitaus höher anzusetzen. Das führt zu besseren Heilungschancen. Man kann die Stammzellen zusätzlich zwischen Entnahme und Rückgabe auch mit therapeutischen Genen verändern, um noch größere Therapieerfolge zu erzielen.

Die allogene Stammzelltransplantation wird eingesetzt, um beispielsweise bei Leukämie durch eine Chemotherapie den bösartigen Leukämiezellen-Bestand zu eliminieren und durch gesundes Knochenmark eines Spenders zu ersetzen. Das Problem hierbei: die Unverträglichkeitsreaktionen.
Aus dem Plazentarestblut Neugeborener gewonnene Transplantate enthalten weniger potente Abwehrzellen, als die aus dem peripheren Blut erwachsener Spender. In ihnen sind aber auch - proportional zur Menge des Transplantats - mehr Stammzellen vorhanden. Inzwischen ist es möglich, die Plazentarestblut-Transplantate so weit zu vermehren, dass sie für einen Erwachsenen ausreichen.
Neben dem Ausbau der autologen und allogenen Stammzelltransplantation wird an der Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde ein wissenschaftliches Forschungsprojekt bearbeitet, dessen Ziel es ist, die Verringerung der Anzahl von Tumorzellen bei der Herstellung eines autologen Blutstammzellpräparates zu optimieren. Prof. Dr. Stefan Burdach ist im Rahmen einer europäischen Arbeitsgruppe Leiter der META-EICESS-Studie, die sich mit der Transplantation von Blutstammzellen bei Patienten mit primär multifokalen (d. h. an vielen verschiedenen Orten auftretenden) oder Metastasen bildenden "Ewing-Tumoren" beschäftigt.

Ein weiteres Forschungsgebiet von Stefan Burdach ist die medizinische Anwendung fetaler Blutstammzellen. Deren Transplantation war bisher auf die Behandlung von Blutkrebserkrankungen beschränkt. Ihr Einsatz zur Therapie von Erkrankungen, die nicht das blutbildende System betreffen, ist ein Schwerpunkt am neu gegründeten Landeszentrum für Zell- und Gentherapie. So können zukünftig Stammzelltransplantationen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei Erkrankungen der Lunge oder auch bei rheumatischen Erkrankungen angewendet werden. Entsprechende Maus-Modelle für die Forschung wurden bereits entwickelt.
Erforscht wird in diesem Zusammenhang der Einsatz von "mesenchymalen Stammzellen". Diese sind - ähnlich wie die Blutstammzellen - noch stärker teilungs- und differenzierungsfähig. Im Unterschied zu letzteren entwickeln sie sich jedoch nicht nur zu Zellen des blutbildenden Systems, sondern auch zu Knochen oder Knorpelzellen, zu Muskel-, Sehnen- oder Fettzellen. Die therapeutischen Möglichkeiten, die in diesen Zellen stecken, gilt es, für zukünftige medizinische Anwendungen nutzbar zu machen.

Der therapeutische Einsatz von Stammzellen wurde von der Zeitschrift "SCIENCE" zur größten wissenschaftlichen Leistung des Jahres 1999 gekürt. Als besonders "revolutionierend" und für zukünftige Therapien von Bedeutung galt hierbei die Erkenntnis, dass sich - vorerst allerdings nur bei Mäusen - Blutzellen aus Zellen des Gehirns entwickeln können, was ungeahnte Möglichkeiten für die zukünftige Arbeit mit Stammzellen eröffnet.

Dr. Monika Lindner

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stefan Burdach
Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde
an der Medizinischen Fakultät
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Telefon: 0345/55 72387/88
E-Mail: paediatrie@medizin.uni-halle.de


Ingrid Godenrath, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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