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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 30.07.99

Stammzell-Transplantation ins Gehirn und Rückenmark

Bonner Neurowissenschaftler erschließen neue Quelle für Zellersatz im Nervensystem

Die Wiederherstellung verlorengegangener Hirnfunktion stellt eine der großen Herausforderungen der modernen Medizin dar. In letzter Zeit wird die Zelltransplantation in Gehirn und Rückenmark zunehmend als mögliche Strategie zur Behandlung neurologischer Erkrankungen wie z.B. Morbus Parkinson, Schlaganfall, multiple Sklerose und Trauma diskutiert. Ein großes Problem hierbei ist die Verfügbarkeit geeigneter Spenderzellen, da für solche Transplantate erforderliche Zellen bisher nur aus embryonalem Hirngewebe isoliert werden konnten.


Embryonale Stammzellen (sog. ES Zellen) bieten eine völlig neue Perspektive für die Gewinnung von Spendergewebe. Diese Zellen werden kurz nach der Befruchtung gewonnen und sind noch in der Lage, in alle Gewebe- und Zelltypen auszureifen. Einmal gewonnen lassen sich ES Zellen in der Kulturschale zu nahezu unbegrenzten Mengen vermehren.

Einer Bonner Forschergruppe ist es in Kollaboration mit zwei US- amerikanischen Gruppen nun erstmals gelungen, gezielt Ersatzzellen für eine neurologische Erkrankung aus ES Zellen der Maus zu züchten. In ihren Experimenten stellten die Wissenschaftler sog. Gliazellen her. Dieser Zelltyp ist u.a. für die elektrische Isolierung von Nervenzellfortsätzen erforderlich und fällt bei Entmarkungserkrankungen wie z.B. der multiplen Sklerose aus.

Um zu untersuchen, ob diese künstlich in der Kulturschale gewonnenen Zellen tatsächlich die Funktion der defekten körpereigenen Zellen übernehmen können, transplantierten die Forscher ihre Zellen in dasGehirn und Rückenmark von Ratten mit einer genetisch bedingten Entmarkungserkrankung. Nur zwei Wochen nach Transplantation ließ sich eine Wiederherstellung der defekten Isolierschicht nachweisen.

"Diese Beobachtungen haben weitreichende Konsequenzen für zukünftige Zellersatz-Strategien im Nervensystem " meint Dr. Oliver Brüstle, Leiter des internationalen Forscherteams, dessen Ergebnisse am 30. Juli 1999 in dem Wissenschaftsmagazin "Science" erscheinen.

Erst kürzlich war es zwei US-amerikanischen Gruppen gelungen, menschliche ES Zellen zu isolieren. Diese Befunde deuten darauf hin, daß sich die Ergebnisse von Brüstle´s Team unter Umständen auch auf menschliche Zellen übertragen lassen.
Darüber hinaus besteht seit der Klonierung von "Dolly" die Möglichkeit, körpereigene ES Zellen aus dem erwachsenen Organismus herzustellen. Damit wäre es langfristig möglich, körpereigene Ersatzzellen auch für andere Organsysteme wie z.B. Blut, Haut, Knorpel, Knochen und Herzmuskel künstlich zu erzeugen. Brüstle: "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die ES Zell-Technologie binnen weniger Jahre die Transplantationsmedizin revolutionieren wird".

Für weitere Informationen steht auch die Presse-Information der amerikanischen Wissenschaftler zur Verfügung unter http://www.verwaltung.uni-bonn.de/presse/pm/p072.htm.

Rückfragen: Dr. Oliver Brüstle, Institut für Neuropathologie, Tel. 0228 - 287 6607 oder 0170 - 58 58 68 9; E-mail: brustle@uni-bonn.de

Weitere Informationen:


Dorothea Carr, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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