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Klinikum der Universität München, 10.03.06

Das Spaltzentrum München nimmt die Arbeit in neuen Räumen auf

Wenn es um Kinder geht, wird der Medizinbetrieb emotional. "Mein Herzblut hängt daran", gab die Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie der LMU München, Prof. Dr. Ingrid Rudzki, unumwunden zu, als jetzt das Münchner Spaltzentrum eingeweiht wurde, das eine runde Viertel Million Euro gekostet hat. Doch das Spaltzentrum ist ein Meilenstein. 15 Jahre hatte die Klinik mit einem - wenn auch sehr gut funktionierenden - Provisorium leben müssen.

Nicht sehr viel älter ist der ganz große Durchbruch bei der Behandlung von Spalten. Früher mussten viele der Menschen, die mit dem zur Welt kamen, was der Volksmund mit dem unschönen Wort "Hasenscharte" beschreibt, mit einem Makel durchs Leben gehen. Heute ist es möglich, selbst schlimmste Missbildungen so zu therapieren, dass sie praktisch nicht mehr auffallen.

Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten waren lange Zeit eine Herausforderung, die die Medizin an ihre Grenzen führte. Prof. Dr. Sheldon Rosenstein, ein Koryphäe auf dem Gebiet, weiß viele Geschichten dazu zu erzählen. Erst Langzeitstudien, sagte der Arzt aus Chicago jetzt bei einem Besuch im Klinikum der LMU, hätten den entscheidenden Schritt ermöglicht. "Wir mussten lernen", so Rosenstein, denn die Spalte sei "eine Krankheit, die man verstehen muss". Seit 42 Jahren erforscht er die vielen Variablen.


Die Medizin hat längst verstanden: Macht der Chirurg zu früh zu viel, kann das Wachstum im Gesicht beeinträchtigt werden. Macht er zu wenig, kann zum Beispiel das Gehör Schaden nehmen, ist die Ernährung problematisch - von den psychischen Belastungen ganz zu schweigen. Die Spalte beschäftigt nicht nur Chirurgen, Kieferorthopäden, HNO-Ärzte, sondern auch Logopäden und Psychologen. Interdisziplinarität - das ist das Zauberwort, das auch das Spaltzentrum der LMU in München beherrscht.

"Ich habe größten Respekt vor dem, was hier getan wird - zum Wohle der Kinder", lobt der Chef, der ärztliche Direktor des Klinikums der LMU, Prof. Dr. Dr. Klaus Peter, zufrieden. Denn interdisziplinär zu arbeiten, ist nicht immer einfach; das weiß auch er. Im Münchner Spaltzentrum wurden die Reibungsverluste an den Schaltstellen minimiert.

Besondere Bedeutung kommt heute der pränatalen Diagnostik zu. "Weil man Spalten schon im Mutterleib erkennen kann, hat man die Möglichkeit mit Eltern zu reden; wir können sie vorbereiten", sagt Prof. Dr. Michael Ehrenfeld, Direktor der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Und heute weiß man genug, um eine ausgeklügelte Therapie anzuwenden. Der richtige Zeitpunkt zum Start der chirurgischen Behandlung sei dafür mit entscheidend, betont Ehrenfeld: "Diese Chance gibt es nur einmal." Wenn die Kinder drei Monate alt und fünf Kilogramm schwer sind, dann geht es los. Es bleibt ein langer Weg für die Patienten: Die letzten Korrekturen erfahren sie erst als junge Erwachsene.

Als das Spaltzentrum jetzt eingeweiht wurde, war auch Baudirektor Reinhold Pfeufer, Leiter des Universitätsbauamts München unter den Gästen. Wie hier missgebildeten Kindern eine Chance für ein uneingeschränktes Leben gegeben wird, hat auch ihn berührt: "Das Schicksal der Patienten hängt von Ihren Fähigkeiten ab", wandte er sich an die Ärzte, "wir leisten mit den geeigneten Räumen hoffentlich unseren Beitrag."

In der Tat: Die Räume sind hell, funktional und doch freundlich, vor allem sind sie kindgerecht. Aber auch an Eltern wurde gedacht; es gibt die Möglichkeit, sich für Gespräche in eine Umgebung zurückzuziehen, die so gar nicht an Krankenhaus erinnert. Die Ausstattung entspricht dem Stand der Technik; sie ermöglicht mikroskopisch genaues Arbeiten.

Es bedarf vieler Gespräche, wenn ein Kind mit einem Spalt zur Welt kommt. Eltern kennen Menschen, die mit der Missbildung leben müssen und in einer Zeit heranwuchsen als die Therapie noch nicht derart ausgeklügelt war wie heute. Manche Spalt-Patienten sahen anders aus, sie redeten zum Teil näselnd. "Der Trugschluss ist doch gemeinhin dieser: Wer sich nicht gut artikulieren kann, der kann auch nicht klar denken", gibt Präventionsexperte Prof. Dr. Johannes Gostomzyk von der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern zu bedenken. Folge? "Der Patient ist nicht behindert, er wird behindert." Sein Ansatz: Menschen, die mit Missbildungen leben, sollen nicht als "behindert", sondern als "bedingt gesund" wahrgenommen werden.

Das Spaltzentrum arbeitet genau dafür, dass die Patienten nicht als "Behinderte" durchs Leben gehen können. Die Spalte wird funktional, kosmetisch und psychologisch behandelt - mit hervorragenden Erfolgsaussichten. Das zu wissen, sollte betroffenen Eltern eine echte Hilfe sein.

Mehr Informationen erhalten Sie von Frau Professor Dr. Ingrid Rudzki-Janson, Telefon 089-5160-3233


J. Weber, Klinikum der Universität München
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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