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Universität zu Köln, 31.01.00

Soforthilfe bei Schlaganfall

Soforthilfe-System für Schlaganfall-Patienten
Köln-Preis für Martin Grond

Eine innovative Therapie des Schlag-anfalls stellt Privatdozent Dr. Martin Grond in seiner Habilita-tionsschrift "Einführung der systemischen Thrombolyse mit rt-PA bei akutem ischämischem Insult in die klinische Praxis im Rahmen einer Gemeinde-basierten interdisziplinären Kooperation" vor. Die Arbeit entstand im Zusammenhang mit einer breit angelegten Auf-klärungskampagne zur Frühbehandlung von Schlaganfall-Patienten, die seit 1997 in Köln läuft und gute Erfolge erzielt hat.


Schwerpunkt der Arbeit, die nun mit dem Köln-Preis ausgezeichnet wird, ist die Behandlung der häufigsten Art des Schlaganfalls, des akuten ischämischen Insults. Dabei handelt es sich um eine regionale Durchblutungsstörung im Versorgungsgebiet einer Hirnarterie. Diese Erkrankung führt zu einer hohen Zahl von früh-zeitigen Todesfällen und ist gleichzeitig die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen in den westlichen Industrienationen. Die bisherigen Studien kamen überwiegend zu dem Ergebnis, daß diese Erkrankung nicht behandelbar sei. Demgegenüber betont Grond in seiner Arbeit die besondere Bedeutung des sogenannten "thera-peutischen Fensters". Dieser Begriff bezeichnet den Zeitraum, in dem aufgrund des jeweils vorliegenden Zustands des Patienten eine bestimmte Therapie noch wirksam sein kann. Das therapeutische Fenster für eine Therapie, die auf eine Verbesserung der Durch-blutung eines unzureichend durchbluteten Gewebes abzielt, beträgt nur wenige Stunden. Die überwiegende Zahl der bisher durchgeführ-ten Therapiestudien wurde jedoch in einem Zeitraum von 24-48 Stunden nach dem Schlaganfall durchgeführt. Die daraus resultie-

renden negativen Studienergebnisse haben dazu beigetragen, daß der Schlaganfall als nicht-therapierbare Erkrankung angesehen und somit auch die Akut-Versorgung nicht mit hoher Priorität voran-getrieben wurde.

Ergebnisse neuester Studien haben hingegen gezeigt, daß eine intravenöse Thrombolyse mit rt-PA innerhalb von drei Stunden nach dem Auftreten der ersten Schlaganfallsymptome in vielen Fällen zu guten Behandlungserfolgen führt. Die angestrebte Auflösung der entstandenen Blutgerinnsel durch die Thrombolyse kann allerdings nur dann erreicht werden, wenn die betroffenen Patienten bereits bei den ersten Symptomen - zum Beispiel halbseitige Lähmung, Seh- oder Sprachstörungen - von einem Notarzt behandelt werden.

Zur Akutversorgung von Schlaganfall-Patienten gab es bisher in Deutschland keinerlei Daten. Daher hat sich der Autor zunächst das Ziel gesetzt, den Ist-Zustand der klinischen Akutversorgung dieser Patienten in der Großstadt Köln flächendeckend zu erfassen und zu analysieren.

Darüber hinaus wird versucht, die bisher nur im Rahmen kontrol-lierter Studien untersuchte neue Behandlungsmethode als Bestand-teil der klinischen Versorgung einzuführen. Allerdings sollte ihr Einsatz in der Stadt zunächst auf ein spezialisiertes Zentrum beschränkt bleiben, da die Thrombolyse eine potentiell gefähr-liche Therapie mit einem hohen Risiko schwerer Blutungen dar-stellt. Um möglichst viele Patienten in der Frühphase des Schlag-anfalls diesem Zentrum zur Lyse-Therapie zuführen zu können, sollte versucht werden, eine entsprechende Infrastruktur in der Versorgung von Schlaganfall-Patienten aufzubauen. Zu diesem Zweck wurde eine interdisziplinäre Kooperative zwischen dem Kölner Thrombo-lyse-Zentrum - der Klinik für Neurologie der Universität zu Köln - und allen sechzehn Krankenhäusern, die an der Akut-Versorgung der Schlaganfall-Patienten teilnehmen, sowie dem kommunalen Rettungsdienst gegründet.

Insgesamt stellt sich die systemische Lyse als eine Therapie dar, die in der klinischen Praxis so sicher und effektiv eingesetzt werden kann wie im Rahmen kontrollierter Studien. Die entschei-dende Einschränkung besteht zur Zeit noch in der Tatsache, daß

viele Patienten mit akutem Schlaganfall nicht früh genug eine Klinik erreichen. Daher wird in Köln seit 1997 eingangs erwähnte Aufklärungsaktion durchgeführt, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Bevölkerung auf die Notwendigkeit einer sofortigen fach-kundigen Behandlung von Schlaganfall-Patienten aufmerksam zu machen.

Verantwortlich: Eva Faresin

Für Rückfragen stehen Ihnen Professor Dr. Wolf-Dieter Heiß und Privatdozent Dr. Martin Grond unter der Telefonnummer 0221/478-4000 und der Fax-Nummer 0221/478-7005 zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
(http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).

Für die Übersendung eines Belegexemplares wären wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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