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Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, 04.12.00

SC-Abwehr kann wieder hoffen

Beim Bundesligaspiel des SC Freiburg gegen Hertha BSC am vergangenen Samstag hatte sich der Spieler Lars Hermel eine komplizierte doppelte Unterkieferbruch an Kinn und am rechten Kiefergelenk zugezogen. Der Patient wurde am Samstag abend, um 23.00 Uhr in die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums eingeliefert und direkt am Sonntag von einem Team unter Leitung des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen operiert. Bereits nach zwei Tagen konnte der Freiburger Abwehrdirigent entlassen werden.


Konventionell bestanden zwei Behandlungsmöglichkeiten: Eine Verdrahtung des Kiefers für vier Wochen oder eine Operation insbesondere des Kiefergelenkbruches über einen großen Hautschnitt durch die Wange. Dieser Eingriff ist nicht einfach und birgt für den Patienten, gerade bei einem Hautschnitt in der Wange, zahlreiche Risiken: so kann es zu Wundheilungsstörungen, zu einer möglichen Schädigung des Gesichtsnerven sowie der Ohrspeicheldrüse kommen und die operation wird auch eine ästhetisch ungünstige Narbe hinterlassen.

Prof. Schmelzeisen operierte nun mit Einverständnis des Patienten mit einem neuartigen und weltweit nur an wenigen Kliniken geläufigen Operationsverfahren. Beide Operationen wurden ausschließlich von innen, aus der Mundhöhle heraus, operiert. Am Gelenkbereich kam dabei ein endoskopgestütztes Operationsverfahren zur Anwendung. Über einen Schleimhautschnitt wurde der hintere Unterkieferteil dargestellt. Am Bildschirm konnte das gebrochene Knochenstück identifiziert und wieder in die richtige Position gebracht werden. Ebenfalls über das Endoskop wurde bei diesem minimalinvasiven Verfahren eine Titanplatte auf die Fraktur gelegt und über eine 1 mm große Hautinzision durch die Wange hindurch eine Verschraubung des Bruchspaltes durchgeführt. Eine Schienung und Verschnürung des Patienten war nicht erforderlich.

Der Patient ist auf eigenen Wunsch noch eine Nacht im Klinikum geblieben und konnte bereits am Montag morgen bei bester Gesundheit, ungestörtem Zusammenbeißen der Zähne und ohne jegliche äußere Narbe nach Hause entlassen werden.

Dem Klinikum kommt so die Investition in ein Endoskopie-Labor zugute, das gemeinsam mit dem Industrieunternehmen STORZ in Tuttlingen eingerichtet wird. Hierbei können auch junge Ärzte in diesem neuen Operationsverfahren ausgebildet werden. Sie üben hier an Kunststoffschädeln den Umgang mit dem Endoskop bei Verletzungen im Kiefer-Gesichtsbereich.

Lars Hermel hat von dieser Freiburger Leistung profitiert und auch der SC Freiburg, der sicher bald wieder auf seinen Abwehrchef zählen kann.

Kontakt:

Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen
Ärztlicher Direktor
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums
Tel.: 0761 / 270-4940, Fax: -4800
e-mail: kloesel@zmk2.ukl.uni-freiburg.de


Rudolf-Werner Dreier, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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