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Ruhr-Universität Bochum, 14.07.03

RUBIN 1/03: Das kindliche Gehirn schützen, Nervenzellen ersetzen

Auf ungewöhnlich breiter Front rücken Geburtshelfer und Gynäkologen einem folgenschweren Problem zu Leibe - Hirnschäden durch Sauerstoffmangel vor, während und unmittelbar nach der Geburt: Vielleicht können schwangere Frauen ihr Baby bald schon dadurch schützen, dass sie ihrer Nahrung - wie Leistungssportler auch - die energiereiche körpereigene Substanz Kreatin zusetzen. Ebenso hoffnungsvoll erweist sich bei drohender Gefahr für das kindliche Gehirn eine leichte Herabsetzung der Gehirntemperatur nach der Geburt und gelungen sind jetzt auch erste entscheidende Schritte bei der Stammzellforschung auf Basis von Nabelschnurblut. Darüber und über das erfolgreiche Konzept der Frühintervention berichten Forscher der Ruhr-Universität in RUBIN 1/03.

Bochum, 14.07.2003
Nr. 225

Leuchtende Zellen und kühle Köpfe
Das kindliche Gehirn schützen, Nervenzellen ersetzen
RUBIN 1/03: Hirnschäden durch Sauerstoffmangel vermeiden

Auf ungewöhnlich breiter Front rücken Geburtshelfer und Gynäkologen einem folgenschweren Problem zu Leibe - Hirnschäden durch Sauerstoffmangel vor, während und unmittelbar nach der Geburt: Vielleicht können schwangere Frauen ihr Baby bald schon dadurch schützen, dass sie ihrer Nahrung - wie Leistungssportler auch - die energiereiche körpereigene Substanz Kreatin zusetzen. Ebenso hoffnungsvoll erweist sich bei drohender Gefahr für das kindliche Gehirn eine leichte Herabsetzung der Gehirntemperatur nach der Geburt und gelungen sind jetzt auch erste entscheidende Schritte bei der Stammzellforschung auf Basis von Nabelschnurblut. Darüber und über das erfolgreiche Konzept der Frühintervention berichten Prof. Dr. med. Arne Jensen (Frauenklinik, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Knappschaftskrankenhaus) und sein Team im aktuellen Wissenschaftsmagazin RUBIN.


RUBIN mit Fotos im Internet

RUBIN 1/03 inklusive Fotos zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_03/

Geschädigte Nervenzellen ersetzen

Ein entscheidender Schritt gelang: Stammzellen aus Nabelschnurblut teilen sich jetzt in Zellkultur und schlagen die Entwicklung hin zu Nervenzellen ein - man sieht es deutlich an der Form der grün markierten Zellen. Ein weiterer Beweis sind die für Nervenzellen spezifischen Eiweiße, die die Forscher in den Stammzellen nachweisen konnten. Durch die erfolgreiche GPF-Markierung (Green Flourescent Protein) leuchten die Zellen unter Floureszenzlicht grün auf und lassen sich damit auch im Wirtsorganismus wiederfinden. Das ermöglicht den Medizinern nun im Rahmen eines mit 1,24 Mio. Euro durch das NRW-Forschungsministerium geförderten Projekts, den Weg der Stammzellen im Organismus zu verfolgen und zu sehen, wann und wie sie den Platz der geschädigten Nervenzellen einnehmen.

Schutz durch Medikamente und Hypothermie

Das therapeutische Fenster zwischen Sauerstoffmangel und eintretendem Zellschaden wollen die Ärzte für medikamentöse Therapien nutzen. Mit Flunarizin, einem bereits bei Schlaganfall eingesetzten Medikament, ließen sich im Tierversuch bis zu achtzig Prozent der zentralen Hirnschäden durch Sauerstoffmangel vermeiden. Doch lieber als Medikamente gäbe man natürliche Substanzen in der Schwangerschaft. Mit Kreatin, einem Stoffwechselprodukt des Organismus zeichnen sich gute Erfolge ab. Außerdem bewahrt eine leichte Herabsetzung der Gehirntemperatur (Hypothermie) von ca. 3 °C innerhalb der ersten zwei Stunden nach dem Sauerstoffmangel das Gehirn vor weitreichenden Schädigungen. Der Einsatz der Hypothermie wird derzeit in multizentrischen Studien überprüft.

Bei bakterieller Infektion: Konzept der Frühintervention

Bei Sauerstoffmangel lenkt der Organismus den Blutfluss verstärkt zum Gehirn. Doch diesen Schutzmechanismus beeinträchtigt eine bakterielle Infektion während der Schwangerschaft - das zeigte sich im Tierversuch. Bei fortschreitender Infektion drohen extrem unreifen Kindern Hirnblutungsraten bis zu 80 Prozent. Diese Ergebnisse führten zum Konzept der Frühintervention: Schon bei ersten Anzeichen eines möglichen Sauerstoffmangels findet eine Risikoabwägung statt und die Geburtshelfer treffen alle Vorbereitungen, damit das Kind bei Sauerstoffmangel (abfallende Herzfrequenz) sofort und unter optimalen Bedingungen geboren wird. Das Ergebnis: Selbst bei Geburten vor der 30 Schwangerschaftswoche traten keine schweren Hirnblutungen mehr auf.

Intranetplattform: Frühgeborene Kinder im Auge behalten

Zu wissen, wie sich welche Risikokinder langfristig entwickeln, kommt der gezielten Diagnostik und Therapie zugute. Zu diesem Zweck initiierte die Universitätsfrauenklinik jetzt die Arbeitsgemeinschaft "Perinatale Neuroprotektion". Mithilfe einer Intranetplattform werden derzeit in einer Pilotphase zunächst an sechs universitären Perinatalzentren in Deutschland die besonders von Hirnschäden betroffenen frühgeborenen Kinder unter 1500 Gramm Geburtsgewicht erfasst und nachbeobachtet. In das Netzwerk werden auch bestehende Datenbanken einbezogen wie die Peri- und Neonatalstatistiken der Bundesländer, die Datenbank der Kassenärztlichen Vereinigung (U1 bis U9-Untersuchungen) und des öffentlichen Gesundheitsdienstes (Schuleingangsuntersuchungen).

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Arne Jensen, Frauenklinik, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Knappschaftskrankenhaus, Tel.: 0234/299-3300, Email: arne.jensen@rub.de

Themen in RUBIN 1/2003

Weitere Themen in RUBIN: Zur Situation im Irak (Gastkommentar von Peter Scholl-Latour); Humanitäre Hilfe im Schatten des Regimewechsels im Irak; Glückliche Maschinen - eine philosophische Betrachtung zu den Maschinen des Künstlers Jean Tinguely; Faszination Diamant: Zauber und Geschichte eines Edelsteins; Wenn Berührung weh tut - Neue Wege in der Schmerztherapie; Formgedächtnislegierungen - Metalle erinnern sich; "Cat Walk" und Westernheld - was Bewegung ausdrückt; Kanal voll: Wenn Bäume in Rohren Wurzeln schlagen; News. RUBIN ist in der Pressestelle der Ruhr-Universität Bochum zum Preis von 2,50 Euro erhältlich.

Weitere Informationen:


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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