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Ruhr-Universität Bochum, 17.11.03

RUB-Medizin: Harvard-Gastprofessur für Prof. Hans-Ulrich Steinau

Das Referenzzentrum für die Versorgung bösartiger Weichgewebstumore des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil der Ruhr-Universität verzeichnet jährlich ungefähr 130 neue Patienten - mehr als irgendeine andere deutsche Klinik. Mit fachübergreifendem Know-how gelingt es den Bochumer Spezialisten häufig, Extremitäten zu erhalten statt sie zu amputieren. Der Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Steinau, wurde jetzt für seine Erfolge von der Harvard University gewürdigt: Als erster Deutscher erhielt er die renommierte "George H. Monks Gastprofessur".

Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Steinau

Bochum, 17.11.2003
Nr. 353

Amputationen vermeiden
Referenzzentrum für bösartige Weichgewebstumore
RUB-Medizin: Hohe Auszeichnung durch Harvard-Universität

Wenige Kliniken weisen im Jahr mehr als zwei oder drei Fälle von Weichgewebskrebs auf. Das Referenzzentrum für die Versorgung bösartiger Weichgewebstumore des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil der Ruhr-Universität verzeichnet dagegen jährlich ungefähr 130 neue Patienten - mehr als irgendeine andere deutsche Klinik. Der Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Steinau, wurde jetzt für seine Erfolge von der Harvard University gewürdigt. Als erster Deutscher erhielt er die renommierte "George H. Monks Gastprofessur".


Harvard würdigt Bochumer Referenzzentrum

Der Medizin-Nobelpreisträger Joseph E. Murray rief diese Gastprofessur 1972 ins Leben. Sie wurde nach dem ehemaligen Chefchirurgen der Harvard Universität benannt und bietet dem jeweiligen Gastprofessor unter anderem die Möglichkeit, in der Vortragsreihe "George H. Monks Lectures in Plastic and Reconstructive Surgery" von seiner Arbeit zu berichten. Die Liste der bisherigen Redner liest sich wie das "Who is who" in der Welt der plastischen Chirurgie. Nur alle zwei Jahre steht diese Vortragsreihe einem Ausländer offen und mit Steinau wurde zum ersten Mal einem Deutschen diese Ehre zuteil. Kein Wunder, denn das Bochumer Referenzzentrum gehört mit seinem Register von über 1300 Patienten und der intensiven Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Kliniken in Deutschland zu den führenden spezialisierten Institutionen Europas. Diese Bündelung von Erfahrung und chirurgischem Können haben das Referenzzentrum zu einer einzigartigen Anlaufstelle gemacht.

Chirurgische Hilfe für Patienten

Zu den ganz niederschmetternden Diagnosen gehört die eines Weichgewebskrebses nicht. Die Überlebenschancen sind deutlich besser als etwa bei Brust- oder Lungenkrebs. Dennoch ist beispielsweise ein bösartiger Tumor im Weichgewebe der Arme oder Beine für viele Patienten mit dramatischen Folgen verbunden. Da es unvermeidbar ist, den Tumor radikal zu entfernen, bleibt oft als einzige Lösung die Amputation der befallenen Gliedmaßen. Im Bochumer Referenzzentrum geht man andere Wege. Die Patienten profitieren hier von dem gemeinsamen Know-how von Krebsspezialisten, Pathologen, Unfall- und plastischen Chirurgen, denen es meist gelingt, die Extremitäten zu erhalten. "Oft werden Patienten aus anderen Krankenhäusern mit Amputationsempfehlungen zu uns geschickt, obwohl der Arm oder das Bein durchaus gerettet werden könnten", erzählt Steinau.

Entfernen des Tumors führt zu riesigen Wunden

"Mehrere Zentimeter im Gesunden" heißt das oberste Prinzip beim operativen Entfernen von Weichgewebstumoren. Denn die besten Aussichten auf Heilung bestehen dann, wenn der Krebs mit genügend Sicherheitsabstand aus dem umliegenden, gesunden Gewebe entfernt wird. Dabei können Wunden mit einer Fläche bis zu tausend Quadratzentimetern entstehen. In Kliniken, in denen man nicht über die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie verfügt, ist es nahezu unmöglich, solche Wunden zu versorgen. Bei Weichgewebskrebs der Arme oder Beine bleibt dann nur die Amputation. Im Bereich des Rumpfes muss man schweren Herzens das eherne Prinzip verletzen und doch einige Reste des Tumors im Gewebe belassen. Die nachfolgende Behandlung mit Strahlen- oder Chemotherapie führt oft zu Komplikationen oder zur Wiederkehr des Tumors.

Erfahrungen aus der Behandlung von Unfallopfern

Die Bochumer Experten zeigen, dass es auch anders geht. Denn eigentlich sind solch große Wunden in der Medizin kein Neuland. "Beim Entfernen der Tumore entstehen ähnliche Defekte, wie man sie bei Unfallenopfern kennt", erklärt Steinau. Hautverpflanzungen, Sehnenumlagerungen, mikrochirurgische Muskeltransplantationen - das ganze Arsenal von Techniken aus diesem Bereich der Medizin kann auch den Krebspatienten helfen. Mit transplantierten Gewebe aus dem Rücken oder dem Oberschenkel zum Beispiel können Wunden von bis zu 50 mal 30 Quadratzentimetern geschlossen werden. Der Erfolg gibt den Bochumer Ärzten Recht: in den vergangenen Jahren konnte die Anzahl der Amputationen und der auf die Operation folgenden Komplikationen drastisch gesenkt werden.

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Steinau, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, BG Kliniken Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel: 0234/302-6841, E-Mail: hans-ulrich.steinau@bergmannsheil.de


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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