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Universitätsklinikum Mannheim, 27.09.05

Rote Fluoreszenz weist Operateuren den Weg

Unter normalem Licht hebt sich das Epithelkörperchen an der Schilddrüse nicht wesentlich vom umgebenden Gewebe ab, . . .

. . . während es sich unter einer blauen Lichtquelle aufgrund der Fluoreszenz klarer von der Umgebung unterscheiden und dadurch besser lokalisieren lässt.

Ein neues Operationsverfahren haben Chirurgen des Mannheimer Universitätsklinikums für die Behandlung von Erkrankungen der Nebenschilddrüsen entwickelt und erfolgreich angewandt. Müssen die nur wenige Millimeter großen Organe entfernt werden, hilft ein kleiner Trick, damit sich diese kleinen Drüsen selbst zu erkennen geben und auf diese Weise besonders zielsicher heraus operiert werden können.

Anlass solch eines Eingriffs ist meist eine Störung des Kalzium-Stoffwechsels, die Nierensteine und Knochenerkrankungen bedingen kann. Eine gutartige Vergrößerung der Nebenschilddrüsen führt dabei zur Überproduktion eines Hormons, das die Kalziumkonzentration im Blut reguliert. Die Behandlung der Wahl besteht dann in der operativen Entfernung von Nebenschilddrüsen - Mediziner sprechen bei diesem Eingriff von einer Parathyreoidektomie -, um die Ausschüttung des Hormons und damit die Kalziumkonzentration wieder in geordnete Bahnen zu lenken.


Professor Dr. Stefan Post, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik, skizziert zusammen mit Oberarzt Privat-Dozent Dr. Frank Willeke und Assistenzarzt Dr. Rüdiger Proßt das Motiv für die Suche nach einer besonderen Operationstechnik: "Bei den Nebenschilddrüsen handelt es sich um vier recht kleine Epithelkörperchen auf der Rückseite der eigentlichen Schilddrüse. Um sie zu erreichen, war ursprünglich ein sehr großer Schnitt im Halsbereich nötig, verbunden mit einer entsprechend deutlichen Narbe. Durch die Einführung minimal-invasiver Verfahren ließ sich der Hautschnitt drastisch reduzieren, doch damit stieg die Schwierigkeit, diese winzigen Organe auch tatsächlich aufzufinden." Dabei hilft nun ein sogenanntes Fluoreszenzverfahren: Die Patienten nehmen vor der Operation einen Farbstoff ein - eine körpereigene Vorstufe des roten Blutfarbstoffs. Dank dieser Substanz werden die Epithelkörperchen besser sichtbar: Mit blauem Licht angestrahlt, kann die daraufhin rot leuchtende Nebenschilddrüse mit Hilfe miniaturisierter Operationsinstrumente gut identifiziert und entfernt werden. Durch das Fluoreszenzverfahren wird der Eingriff für die Mediziner einfacher, für die Patienten ist er rascher vorbei. In einer Studie wollen die Mannheimer Chirurgen die Vorteile der neuen Operationstechnik bei der Parathyreoidektomie in den kommenden Monaten untermauern.

Die Mittelrheinische Chirurgenvereinigung hat Dr. Proßt für seine Arbeit zur "Intraoperativen Fluoreszenz-Lokalisierung von Nebenschilddrüsen für die minimal-invasive Parathyroidektomie" als einem von zwei Preisträgern den Ludwig-Rehn-Preis 2005 zuerkannt. Die mit insgesamt 2.500 Euro dotierte Auszeichnung teilt sich der Mannheimer mit einem ebenfalls ausgezeichneten Chirurgen aus Würzburg, dort wurde der Preis am 22. September im Rahmen der Jahrestagung der Vereinigung auch verliehen.

Weitere Informationen:


Klaus Wingen, Universitätsklinikum Mannheim
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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