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Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 16.05.06

Rezeptoren: Rasend schnelle Sprechanlagen der Zelle

Auszeichnung für den Mediziner Peter Hein von der Uni Würzburg: Er bekommt von der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung (Nürnberg) ein mit 8.000 Euro dotiertes Stipendium verliehen. Überreicht wurde es ihm am 12. Mai bei der Promotionsfeier der Medizinischen Fakultät in der Würzburger Neubaukirche.

Peter Hein

Viacheslav Nikolaev
Foto: Monika Maier

Hein erforscht am Institut für Pharmakologie und Toxikologie die Funktion von Hormon-Rezeptoren. Das sind Proteine an der Oberfläche von Zellen, die im Prinzip wie Sprechanlagen arbeiten: Kommt ein Hormon beim Rezeptor an, spricht es gewissermaßen in ihn hinein und der Rezeptor leitet die Botschaft ins Innere der Zelle weiter. Das tut er, indem er dort so genannte G-Proteine aktiviert. Über diesen Mechanismus lässt zum Beispiel Adrenalin das Herz schneller schlagen oder den Blutdruck steigen.


Wie der Informationsprozess an den Rezeptoren im Detail abläuft, das will Hein herausfinden. Wozu das gut ist? "Mehr als die Hälfte aller Medikamente, die auf dem Markt sind, beeinflussen Rezeptoren, die G-Proteine aktivieren", erklärt der 31-Jährige. Dieser Einfluss kann aus medizinischer Sicht willkommen oder unerwünscht sein. Wolle man Arzneimittel künftig noch besser und zielgenauer machen, müsse man die Funktionsweise der Rezeptoren genau verstehen, so Hein.

Der junge Mediziner hat unter anderem herausgefunden, dass Adrenalin-Rezeptoren rasend schnell mit den G-Proteinen in Kontakt treten: Dieser Prozess dauert nicht einmal 50 Tausendstel Sekunden. Auch aktiviert ein Rezeptor nicht nur ein einziges G-Protein, sondern viele hintereinander. Hein vermutet, dass die Zahl in die Hunderte geht. Diese Erkenntnisse hat er im Dezember 2005 im EMBO-Journal veröffentlicht; aufgrund dieser Publikation wurde er für das Novartis-Stipendium ausgewählt.

Peter Hein hat sein Studium und die medizinische Doktorarbeit an der Universität Duisburg-Essen absolviert. Seit 2003 forscht er in Würzburg und fertigt bei Professor Martin Lohse seine zweite, naturwissenschaftliche Dissertation an. Das tut er im Rahmen des MD/PhD-Programms der Uni Würzburg, das vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) unterstützt wird. Das Programm dient dazu, jungen Medizinern eine zusätzliche, forschungsorientierte Ausbildung zukommen zu lassen.

Erstmals Wollheim-Preis vergeben

Bei der Promotionsfeier wurde außerdem erstmals der mit 2.000 Euro dotierte Wollheim-Preis verliehen. Er ist für die jeweils beste Doktorarbeit vorgesehen, die an der Medizinischen Fakultät auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Medizin vorgelegt wurde.

Der erste Preisträger heißt Viacheslav Nikolaev und ist ebenfalls am Institut für Pharmakologie und Toxikologie tätig. Er hat Methoden erfunden, mit denen sich die Botenstoffe cyclisches AMP und cyclisches GMP in einzelnen Zellen direkt sichtbar machen lassen: Über Farbänderungen kann man nun direkt im Mikroskop sehen, wo, wann und wie schnell sich die Konzentrationen dieser Stoffe im Zellinneren ändern. Nikolaev hat unter anderem herausgefunden, dass diese Änderungen zum Teil räumlich auf Teile der Zelle begrenzt sind. Seine Ergebnisse wurden in mehreren Publikationen im "Journal of Biological Chemistry" und in "Nature Methods" veröffentlicht.

Finanziert wird der Preis von der "Ernst-und-Hedda-Wollheim-Stiftung zur Erforschung des Bluthochdrucks". Ernst Wollheim (1900-1981) war von 1948 bis 1970 an der Uni Würzburg Professor für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Klinik. Nach seiner Emeritierung errichtete er die Stiftung. Deren Vorstand hatte unlängst beschlossen, zur Erinnerung an den bedeutenden Internisten und Wissenschaftler den Wollheim-Preis zu schaffen.


Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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