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Ludwig-Maximilians-Universität München, 18.11.02

Revolution in der Visualisierung von Virusinfektionen

Karl Heinz Beckurts-Preis 2002 für LMU-Wissenschaftler Professor Bräuchle

München, 18. November 2002 - Der Karl Heinz Beckurts-Preis 2002 in Höhe von 30.000 Euro wird an Professor Christoph Bräuchle, Lehrstuhl Physikalische Chemie 1 der LMU, für die Entwicklung eines neuen bildgebenden Verfahrens vergeben. Dieses erlaubt die Visualisierung einzelner Viren auf dem Weg in die Wirtszelle. Zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vergibt die Karl Heinz Beckurts-Stiftung einen Preis, um herausragende wissenschaftliche und technische Leistungen zu würdigen, von denen erkennbare und von den Preisträgern geförderte Impulse für industrielle Innovationen in Deutschland ausgehen. Der Preis wird am 6. Dezember 2002 im Rahmen einer Festveranstaltung in München durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung überreicht werden.

Bei dem unter der Leitung von Professor Bräuchle entwickelten Verfahren werden einzelne Viren mit jeweils einem Farbstoffmolekül markiert. Revolutionär an der neuen Methode ist dann vor allem die Visualisierung: In Echtzeit mit hoher Zeit- und Ortsauflösung kann der Weg der Viren in die Zelle beobachtet werden. Die Forscher verfolgten beispielsweise den Zickzack-Kurs einzelner HI-Viren, wobei nur wenige der gefährlichen Erreger nach mehreren Versuchen in die Zellen eindringen konnten.

Dieses "Virus Tracing" erlaubt, den Standort einzelner Viren bis auf 40 Nanometer in Zeitabständen von zehn Millisekunden zu lokalisieren. Erst so kann verstanden werden, wie verschiedene Viren ihre Wirtszellen infizieren. Dies ist die Voraussetzung für die Entwicklung neuer Medikamente gegen bisher nicht therapierbare Virusinfektionen. Eine weitere mögliche Anwendung ist die Verbesserung von Gentherapien, die ja ebenfalls auf einer - wenn auch gewünschten - Virusinfektion beruhen.

Bei diesen Verfahren sollen gentechnisch veränderte Viren spezifische Abschnitte des Erbmoleküls DNA in bestimmte Zellen des Patienten schleusen. Bislang scheitern Gentherapien oft noch daran, dass die Viren die Zielzellen nicht oder nicht nur ausschließlich diese infizieren.
Die Münchner Wissenschaftler besitzen bereits ein internationales Patent auf ihr Verfahren. Im Rahmen des Münchner Businessplan-Wettbewerbs ist zudem aus der Forschergruppe ein Unternehmen hervorgegangen.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Christoph Bräuchle,
Lehrstuhl Physikalische Chemie 1
phone: 089/2180-7549
Fax: 089/2180-7550
e-mail: christoph.braeuchle@cup.uni-muenchen.de


Cornelia Glees-zur Bonsen, Ludwig-Maximilians-Universität München
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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