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Biologische Bundesanstalt für Land- und..., 26.01.07

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Biologische Bundesanstalt für Land- und..., 26.01.07

Retter der Kokosnuss - ein taxonomischer Streitfall

Erbinformation des Virus, das Palmen-Nashornkäfer tötet, wird untersucht. Korrekte Klassifizierung von Insektenviren ist Voraussetzung, um Wirksamkeit biologischer Pflanzenschutzverfahren besser zu verstehen.

Unterm Elektronenmikroskop: Kern der Mitteldarmzelle eines Nashornkäfers mit stäbchenförmigen Viren
Foto: BBA/Inst. f. biolog. Pflanzenschutz

Oben: Palmen-Nashornkäfer / Unten Larven: Links Virusinfizierte Larve mit ausgestülptem Enddarm
Foto: BBA/Inst. f. biolog. Pflanzenschutz

(Neustadt a.d.W./Darmstadt) Vor mehr als 40 Jahren trat ein an der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) entdecktes Virus seinen Siegeszug gegen den gefürchteten Palmen-Nashornkäfer (Oryctes rhinoceros) an. Der Käfer schädigt Kokospalmen, die in Tropengebieten für Lebensunterhalt und Export von großer Bedeutung sind. Während das Virus in der Natur seinen Platz als Gegenspieler des Palmen-Nashornkäfers gefunden hat, ist sein Platz im Stammbaum der Viren bisher ungewiss. Die Untersuchung der kompletten Gene des Oryctes Baculovirus soll nun Aufschluss darüber geben. Dr. Johannes Jehle vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz in Neustadt a.d.W. leitet ein von der DFG finanziertes Forschungsprojekt. Das Institut für biologischen Pflanzenschutz der BBA in Darmstadt unterstützt ihn mit dem schwer zu gewinnenden Probenmaterial.


Im Labor der BBA-Wissenschaftlerin Dr. Regina Kleespies schwebt der süßliche Geruch des Todes. 26 mutmaßlich infizierte Käfer trafen in den vergangenen Wochen aus Malaysia bei ihr ein. Da sich die Viren im Darm der lebenden Käfer entwickeln, präparierte sie nach dem Ableben der Käfer den Darmtrakt heraus und untersuchte die Proben am Elektronenmikroskop auf Viren. "Leider sind wir nur bei sechs Tieren fündig geworden und wissen nicht, ob die Virusmenge unserem Kollegen in Neustadt ausreicht", sagt Dr. Kleespies. Vorsichtshalber hat die Wissenschaftlerin Nachschub aus Malaysia angefordert, dem Land, in dem 1963 der Ur-Virustyp entdeckt wurde.

"Das Virus ist nicht nur für die Bekämpfung des Nashornkäfers in den Tropen wichtig", betont Dr. Jehle. "Das -Virus ist ein fehlendes Glied - eine Art missing link - zwischen verwandten Viren, die Grillen, Moskitos, Blattwespen und schädliche Schmetterlingsarten befallen und bei uns als biologische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Die korrekte Klassifizierung dieser Insektenviren ist eine Voraussetzung, um die Wirksamkeit von Insektiziden besser zu verstehen. Dies ist für die Zulassung der Viren als biologische Pflanzenschutzmittel von Bedeutung und nützt mittelbar dem Landwirt, dem Verbraucher und der Umwelt. Nachdem bereits ein Drittel der Gene des Nashornkäfervirus sequenziert wurde, zeichnet sich ab, dass die Wissenschaftler vermutlich einer neuen Virusfamilie auf der Spur sind.

Hintergrundinformation zum Nashornkäfer-Virus:
Seit nunmehr 35 Jahren sorgt Oryctes Baculovirus in Kokospalmenanbaugebieten dafür, dass der Nashornkäfer unter der wirtschaftlichen Schadensschwelle bleibt. Da sich das Virus im Darm des Käfers vermehrt, werden die erwachsenen Käfer selbst zu fliegenden Virusfabriken. Sie verbreiten im Schneeballverfahren das Virus mit ihrem Kot weiter. Das Virus war 1963 von dem BBA-Wissenschaftler von Dr. Alois Huger im Darm der Käferlarven entdeckt worden. Der Virus-Entdecker entwickelte in den Folgejahren ein wirtschaftliches und effizientes Bekämpfungsverfahren. Es gilt heute als Meilenstein der biologischen Bekämpfung von Schadinsekten.

Kontakt:
Dr. Regina Kleespies
Institut für biologischen Pflanzenschutz der
Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Heinrichstr. 243, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151 / 407-226
E-Mail: r.kleespies@bba.de

PD Dr. habil. Johannes Jehle
DLR Rheinpfalz
Breitenweg 71, 67435 Neustadt a. d. Wstr.
Tel.: 06321 / 671-482
E-Mail: Johannes.Jehle@dlr.rlp.de

Weitere Informationen:


Stefanie Hahn, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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