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Umweltbundesamt (UBA), 14.01.00

Rapsöl-Diesel bringt keine entscheidenden Vorteile für die Umwelt

Nachwachsende Rohstoffe werden seit längerem als Alternative zu fossilen Brenn- und Kraftstoffen diskutiert. Dabei werden ökologische Vorteile gegenüber den fossilen Energieträgern genannt, insbesondere die Möglichkeiten der CO2-Minderung und der Ressourcenschonung. Auch ökonomische Gründe, vor allem die Arbeitsplatzsicherung in der Landwirtschaft, spielen in der Diskussion um einen verstärkten Anbau eine große Rolle.
Zwar entsteht bei der Verbrennung des "Biodiesels" nur so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) wie die Rapspflanzen beim Wachstum der Atmosphäre entziehen. Doch auch durch den Anbau von Raps und die Verarbeitung zum motorentauglichen RME entstehen CO2 oder CO2-äquivalente Emissionen. Bezogen auf die gesamte Energiekette liegt der spezifische CO2-Vorteil von RME gegenüber Dieselkraftstoff - je nach energetischer Nutzung der Nebenprodukte - zwar bei 30 bis 80 Prozent pro Kilogramm Treibstoff. Da jedoch selbst bei vollständiger Ausschöpfung der von der Europäischen Union eingeräumten Anbauquoten lediglich weniger als ein halbes Prozent des Dieselbedarfs in Deutschland mit RME gedeckt werden könnte, ist die mögliche Einsparung von CO2 sehr gering.

Neben dem Kohlendioxidausstoß werden in der vom ifeu-Institut erstellten Studie weitere Kriterien, wie Ressourcen- und Flächenverbrauch sowie der Schadstoffausstoß und seine Auswirkungen, zum Beispiel die Schädigung der Ozonschicht oder die Verschmutzung von Gewässern, berücksichtigt. Ein Umweltvorteil von RME gegenüber Dieselkraftstoff aus Mineralöl ergibt sich aus dem Vergleich insgesamt nicht. Besonders der hohe Flächenverbrauch und intensive Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln beim Rapsanbau schlagen negativ zu Buche.
Das ökonomische Gutachten der Ruhr-Universität kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz von RME unwirtschaftlich ist. Derzeit ist der Preis für einen Liter RME vor Steuern etwa doppelt so hoch wie der für einen Liter konventionellen Diesel. Ohne staatliche Subventionen kann der Alternativkraftstoff auch langfristig nicht zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden. Ein volkswirtschaftlicher Nutzen wird mit diesen Subventionen nicht erreicht: Durch die Nutzung von Rapsöltreibstoffen werden in der Landwirtschaft weder zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen noch bestehende erhalten. Es werden zu geringe zusätzliche Deckungsbeiträge erwirtschaftet, um die mit dem Rapsanbau verbundenen Arbeitskosten langfristig zu decken. Auch die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes durch RME rechtfertigt nach Ansicht der Gutachter die Subventionen nicht, da mit anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel der wärmetechnischen Sanierung von Gebäuden, bei geringeren Kosten wesentlich größere Einsparpotenziale zu erreichen sind.
Bereits 1993 kamen die Verfasser der Studie "Ökobilanz Rapsöl" des Umweltbundesamtes zu vergleichbaren Ergebnissen. Zu befürworten ist der Einsatz von RME als Treibstoff dort, wo besondere Anforderungen an den Gewässerschutz gelten, etwa in der Binnenschifffahrt, weil die gute biologische Abbaubarkeit des Rapsöls die Verschmutzungsgefahr verringert. Aus dem selben Grund ist die Verwendung anderer Rapsölprodukte, wie Kettensägenöle, Schmierstoffe, sowie Schalöle und Hydraulikflüssigkeiten, positiv zu bewerten. Durch die Vergabe des Umweltzeichens an entsprechende Produkte wird ihre Vermarktung unterstützt. Bereits 1987 erhielten auch auf Initiative des Umweltbundesamtes die ersten Kettensägenöle den "Blauen Engel". Inzwischen erfüllt eine Vielzahl von Produkten die Vergaberichtlinien der Umweltzeichen RAL-UZ 48, 64 und 79. Das Marktpotenzial für diese Boden und Gewässer schonenden Alternativen zu Mineral- oder Synthetikölprodukten ist noch nicht voll ausgeschöpft.

Berlin, den 14.01.2000

! Die Veröffentlichung "Aktuelle Bewertung des Einsatzes von Rapsöl/RME im Vergleich zu Dieselkraftstoff" ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 79/99 erschienen, umfaßt 326 Seiten und kostet 15,- DM. Sie kann gegen Einsendung eines Verrechnungsschecks an die Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstraße 1 - 2, 10787 Berlin, bestellt werden. Bitte bei der Bestellung TEXTE 79/99 angeben und auch den Absender nicht vergessen. Eine zwölfseitige Kurzfassung der Studie gibt es in Papierform bei der Pressestelle des Umweltbundesamtes, Fax: 030/8903-2798, e-mail: jana.schmidt@uba.de


Jana Schmidt, Umweltbundesamt (UBA)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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