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Weizmann Institut, 30.03.99

"STECKER" FUER ARZNEIMITTEL VERSPRECHEN BESSERE WIRKUNG

"STECKER" FUER ARZNEIMITTEL VERSPRECHEN BESSERE WIRKUNG

Ob mehrmals taeglich eine Tablette oder einmal taeglich eine Spritze -- die haeufige Verabreichung von Arzneimitteln kann zur Qual werden. Nun haben
Forscher des Weizmann Instituts eine Methode gefunden, mit der sich eventuell die Wirkungsdauer zahlreicher Wirkstoffe verlaengern laesst, so dass sie in viel groesseren Abstaenden verabreicht werden koennen.

Normalerweise steigen die Blutwerte sofort nach der Einnahme eines Wirkstoffes an. Sie koennen dabei das Hundertfache der benoetigten Konzentration erreichen. Solch hohe Wirkstoffwerte bringen oft schaedliche

Nebenwirkungen mit sich, doch man nimmt sie in Kauf, um den Wirkstoff so lange im Blut zu erhalten, bis die gewuenschte Wirkung erzielt ist. Innerhalb von Minuten oder Stunden verschwindet der Wirkstoff aus dem
Blutkreislauf, so dass eine neue Dosis notwendig wird. Schon lange sucht die Forschung ernsthaft nach Moeglichkeiten, Arznei- mittel gleichmaessiger
ins Blut abgegeben zu koennen und gleichzeitig die aktive Phase von Wirktoffen im Blut zu verlaengern. Erreicht wurde dieses Ziel jedoch nur fuer eine sehr begrenzte Anzahl von Wirkstoffen.

Prof. Mati Fridkin und Prof. Yoram Shechter haben eine neue Technik entwickelt, welche die Freisetzung mehrerer Arzneimittelarten betrifft, darunter Antibiotika und Cytostatika. Die Technik basiert auf einen molekularen "Stecker" ("Plug"), der voruebergehend die Wirkung des Stoffes blockiert. Sobald der Wirkstoff in
den Blutkreislauf geraet, loest sich der "Stecker" allmaehlich. Dadurch, so glauben die Wissenschaftler, werden relativ niedrige aber bestaendige
Wirkstoffmengen in den Blutkreislauf freigegeben, und zwar ueber einen relativ langen Zeitraum hinweg.

Mit dieser Methode koennten Arzneimittel letztendlich seltener und in hoeheren Dosen verabreicht werden, ohne dabei Nebenwirkungen zu verursachen.

In einem Tierversuch, der in der Zeitschrift Diabetes veroeffentlicht wird, konnten die Forscher gemeinsam mit dem Graduierten Eytan Gershonov zeigen,
dass ihr Ansatz bei Insulin sehr gut wirkt. Wenn zuckerkranken Ratten Insulin verabreicht wird, das mit dem molekularen "Stecker" modifiziert wurde, genuegte eine einzige Spritze, um Blutzzuckerwerte zwei Tage lang
auf einem normalen Niveau zu halten. Im Gegensatz dazu wird bei der Gabe von unmodifiziertem Insulin nach 6-12 Stunden eine erneute Injektion notwendig.

Der neue "Stecker" ist ein kleines organisches Molekuel, das bei der Produktion organischer Verbindungen haeufig eingesetzt wird. Im Reagenzglas loest es sich bei Temperaturen und pH-Werten, die dem menschlichen Blut
entsprechen, langsam von dem Wirkstoff ab. Die Wissenschaftler koennen verschiedene Versionen des molekularen Steckers herstellen, die sich mit
unterschiedlicher Geschwindigkeit abloesen, so dass die Freigabe des Wirkstoffs kontrolliert erfolgt.

Derzeit untersuchen die Wissenschaftler des Instituts einen weiteren moeglichen Vorteil dieser Technik. Experimente im Reagenzglas legen den Schluss nahe, dass der organische Stecker die Absorb- tion des Wirkstoffes durch den Darm verbessert. Sollte sich diese Annahme in weiteren
Untersuchun- gen bestaetigen, koennte man mit der Stecker-Technik, die durch ein Patent geschuetzt ist, die chemischen Eigenschaften von injizierten Medikamenten so veraendern, dass sie oral verabreicht werden
koennten.

Um die neue Methode zu vermarkten, wurde von Pamot Venture Capital Fund und von Yeda Research and Development Co., eine Start-up-Firma gegruendet -- LAPID Pharmaceuticals Ltd.


Tal Eizman, Weizmann Institut
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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