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Friedrich-Schiller-Universität Jena, 22.05.00

"Sprengstoff" hemmt Geburtswehen besser

Eine Studie der Jenaer Uni-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe belegt, dass Glyceroltrinitrat eine deutlich bessere wehenhemmende Wirkung hat als das übliche Standardmedikament.

Jena (22.05.00) Nitroglycerin ist nicht nur explosiv - schon vor 150 Jahren entdeckten Wissenschaftler seine gefäßerweiternde Wirkung. Seitdem werden auch Herz-Kreislauferkrankungen mit Nitroglycerin behandelt. Die muskelentspannende Wirkung dieses Stoffes rückt seit Anfang der neunziger Jahre auch in der Frauenheilkunde und Ge-burtshilfe in den Blickpunkt wissenschaftlichen Interesses. Einen Forschungsschwerpunkt bilden hier Untersuchungen zur wehenhemmenden Wirkung von Nitroglycerin bei drohender Frühgeburt.


An der Universitätsfrauenklinik Jena wurde in Zusammenarbeit mit der Frauenklinik Gera vor kurzem die erste klinische Studie in Deutschland zu diesem Thema abgeschlossen. Mit einem internationalen Symposium zur Wirkung von Nitroglycerin in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe am 20. Mai in Jena passten Zeitpunkt und Ort, um die ersten Ergebnisse dieser Untersuchung vorzustellen. "Unser Ziel war es, die Effektivität von Nitroglycerin-Pflastern bei der Behandlung von drohender Frühgeburt mit der herkömmlichen Therapie zu vergleichen, bei der die Patientinnen per Infusion das wehenhemmende Mittel Fenoterol erhalten", sagte der Leiter der Studie, Dr. Ekkehard Schleußner.

50 Schwangere, die wegen vorzeitiger Muttermunderöffnung und regelmäßiger Wehentätigkeit alle fünf Minuten ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat stationär aufgenommen werden mussten, wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der gängigen Tropftherapie oder der weniger invasiven Pflastertherapie zugeordnet. Erklärtes Ziel der Studie war eine Schwangerschaftsverlängerung über 48 Stunden, über sieben Tage und über die 37. Schwangerschaftswoche hinaus, also bis zum ganz normalen Entbindungszeitraum.

"Bei den mit Nitroglycerinpflastern behandelten Schwangeren konnte in 86 Prozent der Fälle eine Frühgeburt verhindert werden, im Vergleich zu nur 27 Prozent in der herkömmlich behandelten Vergleichsgruppe", fasst Dr. Schleußner das wichtigste und auch für die untersuchenden Thüringer Ärzte erstaunlichste Ergebnis der Studie zusammen.
Erfreulicherweise gab es bei keinem der Neugeborenen Komplikationen. Allerdings waren die Babies nach der Nitroglycerintherapie im Durchschnitt fast ein Pfund schwerer als die der Vergleichsgruppe.

Dieses Phänomen erklärte Dr. Schleußner mit der signifikant längeren Schwangerschaftsdauer: 270 gegenüber 252 Tage. Obwohl es bei der Nitroglycerinpflaster-Therapie länger dauert, bis die Wehen unterdrückt werden, haben fast alle Patientinnen diese Behandlungsmethode gut angenommen: Nur zwei von 27 Patientinnen brachen die Therapie ab. Ausschlaggebend war in diesen Fällen die einzige gravierende Nebenwirkung des Nitroglycerins, der so genannte Nitratkopfschmerz. Dieser seit langem bekannte Kopfschmerz, unter dem bereits der herzkranke und nitroglycerinbehandelte Alfred Nobel litt, beruht auf der verstärkten Durchblutung der Gehirngefäße. Insgesamt klagten 60 Prozent der mit Nitroglycerinpflaster behandelten Schwangeren über mäßige bis starke Kopfschmerzen, die jedoch gut mit in der Schwangerschaft unbedenklichen Schmerzmitteln gelindert werden konnten.

Zusammenfassend stellt Dr. Schleußner fest: "Wir haben zwar vielversprechende Ergebnisse erzielt, bevor diese pa-tientenfreundliche Therapie jedoch zur klinischen Routine werden kann, bedarf es noch weiterer Untersuchungen mit größeren Patientenzahlen. Deshalb planen wir in Fortsetzung dieser Jena-Geraer Studie eine Thüringer Multicenter-Studie." Die ausführlichen Ergebnisse dieser Studie und der weiteren Themen des internationalen Symposiums können auf der Internet-Homepage der Jenaer Universitätsfrauenklinik abgerufen werden.
(Betina Meißner)

Ansprechpartner:
Dr. Ekkehard Schleußner
Tel.: 03641/933230, Fax: 933986
E-Mail: ekkehard.schleussner@med.uni-jena.de

Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
E-Mail: roe@uni-jena.de

Weitere Informationen:


Dr. Wolfgang Hirsch, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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