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Universitätsklinikum Mannheim, 11.04.00

"Mannheim" steht Pate für medizinische Klassifikation

Wenn sich Hormonforscher mit der Bildung von Eiweiß in den Körperzellen befassen, wird ihnen künftig zuweilen der Name "Mannheim" begegnen. Auf Initiative von Professor Dr. Martin Wehling, dem Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Mannheimer Universitätsklinikum, soll die vielseitige Wirkungsweise von Steroidhormonen mit Hilfe der "Mannheim Classification of nongenomic steroid actions" übersichtlicher gestaltet werden. Steroidhormone wie Östrogene oder Cortison sind wichtige Botenstoffe, die unter anderem Einfluss auf die Proteinsynthese nehmen.


Die Idee zu dieser Namensgebung hatten Professor Wehling und sein amerikanischer Kollege Anthony W. Norman, der Entdecker der aktiven Form des Vitamins D, auf einer Taxifahrt zu einer Fachtagung. Beide überlegten, wie sich beim Vortrag vor den Teilnehmern bestimmte Mechanismen der Steroidhormonwirkung am geeignetsten in Kategorien einteilen lassen - und da die Fachtagung in Mannheim stattfand, stand der Name dieser Stadt Pate für die Klassifikation. Eineinhalb Jahre ist dies her, doch jetzt wird die Namensgebung durch die Veröffentlichung in einer angesehenen Fachzeitschrift sozusagen offiziell.

Doch warum ergab sich überhaupt die Notwendigkeit, ein Klassifikationssystem zu schaffen? Nun, üblicherweise dauert es zwei bis drei Stunden, bis neue Proteine gebildet werden, wenn einer Körperzelle Steroide zugeführt werden. Denn das "Strickmuster", nach dem die Eiweißstoffe hergestellt werden sollen, muss eigentlich zunächst von den Genen abgelesen werden. Aber vereinzelt stießen Forscher wie Wehling und seine Mitarbeiterin, die Molekularbiologin Dr. Elisabeth Falkenstein, auf ein Phänomen: Der gewünschte Effekt trat bereits innerhalb weniger Minuten auf. Diese schnellen Effekte scheinen von der Zellmembran herzurühren, wenn sich dort Steroide anlagern. Jedenfalls wird die Information, wie das Protein zusammenzusetzen ist, nicht von den Genen abgelesen, denn dies wäre in der Kürze der Zeit nicht möglich. Daher die Bezeichnung "nicht-genomisch" bei der Bezeichnung der entsprechenden Klassifikation, mit deren Hilfe verschiedene schnelle Effekte eingeteilt werden können - je nachdem, ob das Steroidhormon allein oder mit Hilfe anderer körpereigener Stoffe tätig wurde und inwieweit es dabei auf bestimmte Rezeptoren an der Zellwand angewiesen war.

Sind all diese Prozesse besser erforscht, könnten sich daraus auch noch gezieltere Möglichkeiten ergeben, den Einfluss von Hormonen wirkungsvoller zu blockieren. So regelt beispielsweise das Steroid Aldosteron den Salz- und Wasserhaushalt im Körper und ist außerdem mitverantwortlich für die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin. Ein Übermaß an Aldosteron kann allerdings Ödeme, Bluthochdruck und Gewebeschäden an Herz und Niere begünstigen. Bisher lässt sich nur die konventionelle Wirkungsweise, also die Eiweißsynthese mit Hilfe der Gen-Information, blockieren, die erwähnten schnellen Effekte laufen trotzdem ab. Effektiver wäre es natürlich, die Wirkung gebenenfalls in ihrer Gesamtheit unterbinden zu können.


Klaus Wingen, Universitätsklinikum Mannheim
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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