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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 23.11.00

Der "Golden Helix Award 2000" geht nach Erlangen

Am 22. November 2000 wurde einem interdisziplinären "Team" der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg im Beisein von Gesundheitsministerin Andrea Fischer sowie zahlreicher Ehrengäste aus Forschung, Verwaltung und Politik der "Golden Helix Award 2000" für Qualitätsverbesserungen im Gesundheitswesen verliehen. Die Ausschreibung für diese Auszeichnung lief in Deutschland und Österreich.

Dieser Qualitätspreis des Europäischen Gesundheitswesens, des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands und der Firma Agilent Technologies dient der Entwicklung von Innovationen zur Qualitätsverbesserung im Gesundheitswesen. Das Team der Universität Erlangen-Nürnberg, bestehend aus experimentell und klinisch tätigen Medizinern, Klinischen Pharmazeuten und Informatikern, entwickelte unter der Leitung des Pharmakologen Prof. Dr. Dr. h.c. Kay Brune ein erfolgreiches und kostengünstiges System zur Verminderung und Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen.


Dieses System fußt auf einer Projektidee, die während des Aufenthaltes von Prof. Dr. Micha Levy, Hadassah Universität Jerusalem, Israel, am Institut zusammen mit Prof. Dr. Brune entwickelt wurde. Den beiden Pharmakologen war schmerzlich bewußt, dass in allen industrialisierten Ländern der westlichen Welt unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei etwa 25 Prozent aller stationär behandelten Patienten auftreten und bei intensiv therapierten, multimorbiden Patienten zu einer der häufigsten Todesursachen gehören. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingen zahlreiche Klinikeinweisungen, verlängerte Klinikliegezeiten und Todesfälle und damit Kosten für das Gesundheitswesen in Milliardenhöhe.

Die Ursachen für die überwiegend vermeidbaren unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind vielfältig. Die komplexen Grundkrankheiten der meist älteren Patienten tragen genauso dazu bei wie die differenzierten pharmakotherapeutischen Möglichkeiten und die vielfältigen, kaum zu übersehenden Eigenschaften der rund 10.000 in Deutschland verwendeten Arzneimittel. Micha Levy und Kay Brune kamen zu dem Schluss (ähnliche Überlegungen finden sich auch bei anderen Autoren), dass nur mit Hilfe von computergestützten Analysen von Patientendaten in Vernetzung mit dem neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnisstand - unter Wahrung der gebotenen Anonymität - Abhilfe geschaffen werden kann.

Das jetzt prämierte System wurde von den jungen Kollegen Manfred Criegee-Rieck, Dr. Harald Dormann, Dr. Sabine Krebs und PD Dr. Thomas Schneider zusammen mit mehreren Doktoranden weiter entwickelt und gebrauchsfähig gemacht. Es gleicht alle patientenbezogenen, in der Klinik erhobenen Daten mit den Informationen über die verwendeten Arzneimitteln ab, registriert sowohl Abweichungen von vorgegebenen Sollwerten als auch Trends hin zu Abweichungen und weist damit die behandelnden Ärzte und das sie unterstützende pharmakoepidemiologische Team auf möglicherweise bedrohliche Entwicklungen hin. Es vermittelt darüber hinaus den behandelnden Ärzten einen Überblick über die in der Weltliteratur bekannten, patientenrelevanten Informationen. Auf diesem Hintergrund ist es möglich, Risikosituationen zu vermeiden oder bereits aufgetretene riskante Arzneimittelreaktionen frühzeitig zu erkennen und therapeutisch zu beeinflussen. Dies gilt insbesondere, weil die Erprobung des Systems gezeigt hat, dass:

* zahlreiche unerwünschte Arzneimittelwirkungen vermeidbar und frühzeitig therapierbar sind. Nur mit Hilfe dieses System werden fast alle rechtzeitig erkannt.

* die Kosten pro Klinikbett pro Jahr in einer internistischen Abteilung statistisch um etwa 1.000 Mark pro Patient, d.h. 30.000 Mark pro Bett und Jahr oder bis zu drei Millionen Mark bei einer 100-Betten-Klinik mit Hilfe des Systems vermindert werden können.

* Todesfälle und zusätzliches Leid durch das System abnehmen.

* die Fähigkeit der behandelnden Ärzte, unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und wirksam zu therapieren, durch das System deutlich verbessert wird.

Die flächendeckende Implementierung dieses Systems in der Bundesrepublik könnte ohne wesentliche Kosten zu Einsparungen in Millionen- bis Milliardenhöhe führen. Es würde zur Reduktion von Leiden und Todesfällen beitragen und darüber hinaus zur Aufdeckung neuer, bisher unbekannter unerwünschter Arzneimittelwirkungen sorgen.

Alle bisherigen Untersuchungen konnten nur mit Hilfe der tatkräftigen Unterstützung von zwei Erlanger Universitäts-Kliniken, der Medizinischen Klinik I (Direktor Prof. Dr. Eckhart Hahn) und der Pädiatrie (Prof. Dr. Wolfgang Rascher), implementiert werden.

* Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. h.c. Kay Brune, Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie
Emil-Fischer-Zentrum, Fahrstr. 17, 91054 Erlangen
Tel. 09131/85 -22292, -22293


Heidi Kurth, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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