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Universitätsklinikum Münster, 15.06.07

Prof. Sabine Däbritz leitet neu gegründetes Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

Die erste von zwei Stiftungsprofessuren für das am Universitätsklinikum Münster (UKM) neu gegründete "Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern" (EMAH-Zentrum) ist besetzt: Die Herzchirurgin Prof. Dr. Sabine Däbritz leitet das Zentrum in Münster. Mit ihr kommt eine weltweit anerkannte Herzchirurgin nach Münster, die das gesamte Spektrum der Erwachsenenherzchirurgie beherrscht. Ein Themenfeld, das immer größere Bedeutung gewinnt, da Kinder mit angeborenen Herzfehlern mittlerweile fast immer das Erwachsenenalter erreichen und lebenslang eine besondere Betreuung benötigen.

Leitet das neu gegründete EMAH-Zentrum in Münster: Prof. Sabine Däbritz.

Münster (ukm/sh). Auf die Frage, was Prof. Dr. Sabine Däbritz an ihrer Arbeit fasziniert, antwortet sie schlicht: "Mein Ziel ist es, Lebensqualität zu produzieren." Mehr als 5000 Operationen am Herzen hat sie bereits durchgeführt, ihr ist gelungen, was nur wenigen Menschen auf der Welt gelingt: Sie arbeitete mehr als ein Jahr an der Kinderklinik der Harvard Medical School in Boston als Oberärztin, ohne dass Sie sich beworben hätte - sie wurde gefragt, ob sie kommen wolle. Sabine Däbritz hat die Kinderherzchirurgie der Ludwig-Maximilian-Universität in München zu einem international bekannten Zentrum ausgebaut und beherrscht das gesamte Spektrum der Erwachsenenherzchirurgie. "Und nun verstärkt sie unser Klinikum", sagt Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Münster (UKM), nicht ohne Stolz.


Im Juni hat Sabine Däbritz eine Stiftungsprofessur am neu gegründeten EMAH-Zentrum am UKM angetreten. EMAH bedeutet "Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern". Vier Jahre besetzt die Herzchirurgin nun eine von der Firma PV-Automotive (Essen) gestiftete Professur, anschließend wird sie den Lehrstuhl für Thorax-, Herz- und Gefäßmedizin am UKM von Prof. Hans-Heinrich Scheld übernehmen und damit deutschlandweit erste Ordinaria in diesem Fachgebiet sein.

"Die Realisierung des EMAH-Zentrums mit seinen Stiftungsprofessuren war nur möglich, weil sich die 'Fördergemeinschaft Zentrum für angeborene Herzfehler Universitätsklinikum Münster e.V.' mit großem finanziellen Engagement eingebracht hat", betonte Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor am UKM. Der Vorsitzenden des Vereins, Karla Völlm, sei es in bewundernswerter Weise immer wieder gelungen, neue Förderer für das EMAH-Zentrum zu gewinnen. Selbst Mutter eines mittlerweile erwachsenen herzkranken Kindes kennt Völlm die Sorgen und Probleme dieser Patientengruppe: "Es ist nicht leicht, ein Krankenhaus mit kompetenten Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern zu finden", betonte sie. "Ich bin deshalb froh, dass es mit Unterstützung unserer Fördergemeinschaft gelungen ist, am UKM die Schaffung so einer hoch spezialisierten Einrichtung zu unterstützen."

Statistisch gesehen kommt etwas weniger als ein Mensch von Hundert mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Mehr als 85 Prozent der Patientinnen und Patienten, die mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt kommen, erreichen mittlerweile das Erwachsenenalter. Und mit ihrer Anzahl steigt der Bedarf an einer umfassenden Betreuung. Denn die Menschen mit angeborenen Herzfehlern bleiben ein Leben lang Patienten, sie müssen immer wieder überwacht, oft auch nochmals operiert werden. Doch in dem Maße, wie Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern älter werden, kann der "normale" Kinderkardiologe sie nicht mehr adäquat betreuen. Erwachsene wollen unter Umständen Sport treiben, Kinder bekommen, sie können einen erworbenen Herzfehler, etwa Herzrhythmusstörungen, bekommen. Die Qualifikation von Kardiologen und Herzchirurgen, die EMAH-Patienten betreuen, muss deshalb umfassende Kenntnisse in angeborenen ebenso wie in erworbenen Herzfehlern aufweisen.

Mit Sabine Däbritz ist es dem UKM gelungen, eine Herzchirurgin zu gewinnen, bei der Patientinnen und Patienten sicher sein können, von einer der Spitzen-Herzchirurgen weltweit betreut zu werden. Ebenso wie die medizinische Versorgung stehen auch paramedizinische Bereiche im Blickpunkt des EMAH-Zentrums: Die psychologische Betreuung, die Klärung eines Behindertenstatus oder die Integration ins Arbeitsleben zum Beispiel. Denn "Lebensqualität" bedeutet für Sabine Däbritz, nicht ständig an die Krankheit erinnert zu werden. In Folge dessen sollte nicht nur der Körper möglichst intakt sein, das Lebensumfeld des Patienten sollte auch so gut wie möglich auf seine Einschränkungen eingestellt sein.

"Ich möchte erreichen, dass unsere Patienten volles Vertrauen zu uns haben", sagt die Herzchirurgin. Denn nur wer Vertrauen habe, lasse sich fallen. Das wiederum sei entscheidend für den Heilungsprozess. Es gehe um einen "ehrenvollen" Umgang mit den Patientinnen und Patienten. Däbritz: "Das muss man vorleben." Und so wundert es nicht, dass die Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten zu Herzchirurgen ein weiteres wichtiges Anliegen von Sabine Däbritz ist. NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart jedenfalls ist von dem neuen Exzellenzzentrum am UKM überzeugt: Er hat die Schirmherrschaft für das EMAH-Zentrum übernommen .

Weitere Informationen:


Simone Hoffmann, Universitätsklinikum Münster
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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