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Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 26.06.01

Pionier der Herzchirurgie

Zwei Generationen der Herzchirurgie: Prof. DeBakey (links) und Prof. Scheld (rechts).

Solche Begeisterung und Faszination gibt es bei den Medizin-Vorlesungen an der Universität Münster nicht alle Tage: Gebannt verfolgte ein großer Ansturm Interessierter zum Teil stehend oder auf dem Fußboden sitzend im überfüllten Hörsaal des Universitätsklinikums Münster (UKM) die Gastvorlesung des inzwischen 92-jährigen Prof. Dr. Michael E. DeBakey. Der ehemalige Chef der Herzchirurgie am Baylor College of Medicine in Hourston/Texas gilt als Pionier auf dem Gebiet der Herzchirurgie und hat dieses Fach entscheidend mitgeprägt.


Der Gast aus den USA, der auf Einladung der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie des UKM nach Münster gekommen war, hat vor allem richtungsweisende Impulse im Bereich der Aortenchirurgie sowie bei der Entwicklung von Herz-Lungen-Maschinen und von linksventrikulären Unterstützungsystemen (Kunstherzen) gegeben. In Zusammenarbeit mit der NASA hat er ein innovatives Kunstherzsystem zur Behandlung von Patienten mit schwerer, medikamentös nicht beherrschbarer Pumpschwäche des Herzens entwickelt, das im Gegensatz zu den bisher benutzten, zirka 900 Gramm schweren pulsatilen Systemen eine Turbinenpumpe besitzt, die einen kontinuierlichem Fluss erzeugt und durch diese technische Neuerung in drastischer Weise auf ein Gewicht von 93 Gramm reduziert werden konnte.

Das von Prof. DeBakey entwickelte und nach ihm benannte Kunstherzsystem, das sogenannte "DeBakey VADÔ", wird seit Februar 2000 in Münster eingesetzt. Mittlerweile hat die Herzchirurgie des UKM unter der Leitung von Prof. Dr. Hans H. Scheld 27 dieser Linksherzunterstützungssysteme eingepflanzt und weist damit die weltweit größte Erfahrung mit diesem System auf. Bei seinem Besuch in Münster hatte Prof. DeBakey die Gelegenheit, Patienten zu begegnen, die aktuell mit dem von ihm entwickelten Linksherzunterstützungssystem behandelt werden, sowie auch solchen Patienten, die mit diesem Kunstherzen erfolgreich bis zur Herztransplantation überbrückt wurden. Anschließend konnten Scheld und seine Mitarbeiter mit dem Experten aus Texas über ihre aktuellen Erfahrungen in Münster mit dem "DeBakey VADÔ" diskutieren.

In seiner Gastvorlesung schilderte der amerikanische Herzspezialist aus der Perspektive seiner jahrzehntelangen Erfahrung eindrucksvoll die Entwicklung der linksventrikulären Unterstützungssyteme von den Anfängen bis hin zum "DeBakey
VADÔ". Gleichzeitig dankte er Prof. Scheld und seinen Mitarbeitern dafür, dass durch die große klinische Erfahrung, die mit dem Einsatz des DeBakey-Kunstherzen in Münster gemacht wurde, richtungsweisende Erkenntnisse gewonnen wurden, die eine entscheidende Grundlage für die Weiterentwicklung dieses Systems bildeten. Das Auditorium bedankte sich mit einem langanhaltenden Applaus für den Besuch DeBakeys in Münster und drückte damit seine Anerkennung für dessen beeindruckendes Lebenswerk aus.

Weitere Informationen:


Norbert Frie, Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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