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Universität zu Köln, 03.11.03

Den Patienten zuhören

Den Patienten zuhören
Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation

Ein Drittel der Patienten, die zu einem Allgemeinarzt kommen, leiden unter psychischen und psychosomatischen Störungen. Leider wird dies nur in gut der Hälfte und meist erst nach mehreren Jahren erkannt. Das ist frustrierend für die Ärzte und schädlich für die Patienten, deren seelisches Leiden ohne Therapie chronisch werden kann. Entscheidende Weichenstellungen für Diagnostik und Therapie werden bereits im Erstgespräch zwischen Arzt und Patient gesetzt. Wie genaues ärztliches Zuhören beim diesem ersten Kontakt mit dem Patienten zu früheren und treffsicheren Diagnosen führen könnte, untersuchte Dr. Stefan Zwernemann in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität zu Köln.


,,Was führt Sie zu mir?" stellt häufig die ärztliche Anfangsfrage dar, deren Beantwortungsmöglichkeiten erheblichen Einfluß auf den weiteren Gesprächsverlauf haben - und damit auch auf die Früherkennung psychischer Störungen. Kann der Patient bei der Beantwortung dieser ersten Frage sein Anliegen hinreichend darstellen? Wie schnell wird er unterbrochen? Was kann der Arzt beim ersten Mal erfahren?

Internationale Studien haben gezeigt, dass der Patient im Durchschnitt nach ungefähr 20 Sekunden unterbrochen wird, z. T. mit gezieltem Nachhaken, sobald ein als relevant erscheinendes Symptom erwähnt wird. Was als relevant erachtet wird, wird häufig von einem vorrangig organisch-orientierten Krankheitsverständnis des Arztes diktiert, das die psycho-soziale Lebensseite des Patienten eher nur peripher beachtet. Wenn Patienten über ihre Emotionen oder ihre allgemeinen Lebensumstände reden, auch gerade wenn es sich um emotionale belastende Dinge handelt, werden sie nicht selten durch ungeduldige Unterbrechungen und geschlossene Fragen zum Krankheitsbild abgeblockt. Angesichts knapper Zeitressourcen werden besonders Patientenberichte gefürchtet, die den Arzt mit Emotionen und belastenden Lebensgeschichten zu überfluten drohen. Dabei würden die Patienten selber, wenn sie nicht unterbrochen würden, - auch das haben internationale Studien gezeigt - nach rund 1,5 Minuten ihren ersten Beschwerdebericht selber beenden. Darüber hinaus dauern ärztliche Erstgespräche bei Hausärzten, die derartige Patientenberichte zulassen und diagnostisch kompetent verwerten können, nicht länger als konventionelle Erstgespräche: 12 - 14 Minuten.

Die dafür notwendige Gesprächskompetenz wird in der Fortbildung zur Psychosomatischen Grundversorgung vermittelt, in denen Ärzte Patientengespräche reflektieren und Gesprächstechniken üben. Dr. Zwernemanns Arbeit weist nach, dass sich nach einem derartigen ärztlichen Gesprächstraining die Kommunikationschancen für Patienten verbessern. Die Ärzte lassen ihren Patienten im Durchschnitt 75 Prozent länger Zeit, ihre Anliegen am Gesprächsbeginn zu äußern (bei unveränderter Dauer des Gesamtgespräches). Die sich anschließenden ärztlichen Folgefragen fördern die Fortführung des Gespräches besser als zuvor (von 21 Prozent auf 50 Prozent) - sie haben weniger Unterbrechungscharakter (von 71 Prozent auf 38 Prozent). Die Patienten trauen sich, mehr Anliegen im Erstgespräch zu formulieren, was auch der früheren Erkennung psychischer und psychosomatischer Störungen dient. Ärztliches Zuhören und das Wissen, das Gehörte auch diagnostisch und therapeutisch zum Wohle der Patienten verwerten zu können, sind entscheidende Bedingungen für die Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Rainer Obliers unter der Telefonnummer 0221/478-5824 und 0221/478-4103, der Fax-Nr. 0221/478-3103 und der Emailadresse rainer.obliers@medizin.uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
(http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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