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Universitätsklinikum Heidelberg, 17.02.03

Mit der Niere eines anderen weiterleben

200. Lebendspende am Universitätsklinikum Heidelberg / Geringes Risiko für den Spender / 85 Prozent der Transplantate funktionieren nach fünf Jahren

Versagen die Nieren, muss der Patient dreimal in der Woche an die Dialyse / Foto: Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg

Wenn die Nieren nicht mehr funktionieren, dann gibt es zwei Möglichkeiten, das Leben des Betroffenen zu retten: die Blutwäsche oder eine Transplantation. Bessere Lebensqualität bringt fast immer die Transplantation. Doch im Durchschnitt muss ein Patient heute fünf Jahre auf die Niere eines verstorbenen Spenders warten. Eine Alternative, die immer häufiger in Betracht gezogen wird, ist die Lebendspende eines Angehörigen oder engen Freundes.

Das Transplantationszentrum Heidelberg ist eines der führenden deutschen Zentren in der Lebendspende von Nieren: Im Dezember 2002 konnte die 200. Transplantation vorgenommen werden. Mit dem Lebendspendeprogramm wurde bereits 1967 begonnen, dreizehn Jahre nach der weltweit ersten Nierentransplantation überhaupt, die der amerikanische Chirurg Joseph Murray nach einer Lebendspende an männlichen Zwillingen vorgenommen hatte.


Heute ist die Lebendspende in Deutschland fest etabliert, auch wenn sie in geringerem Umfang als in den USA oder Skandinavien erfolgt, wo etwa die Hälfte aller Nierentransplantationen auf einer Lebendspende beruhen. In Deutschland sind es derzeit 16 Prozent von rund 1.800 Nierentransplantationen im Jahr. Zur Zeit warten ca. 9.000 Dialysepatienten auf eine Niere; 400 davon werden im Heidelberger Zentrum betreut.

Medizinische und psychologische Risiken werden vorab geklärt

"Der Anteil der Lebendspenden in unserem Zentrum hat sich in den letzten zehn Jahren von 11 auf 21 Prozent aller Nierentransplantationen nahezu verdoppelt", erklärt Prof. Dr. Manfred Wiesel, Leiter der Sektion Nierentransplantation in der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg. In der Zeitschrift "Nephrology, Dialysis and Transplantation" beschreibt Prof. Wiesel gemeinsam mit dem internistischen Heidelberger Nierenspezialisten-Team um Prof. Dr. Martin Zeier, welche hohen Anforderungen erfüllt sein müssen, um eine Lebendspende vornehmen zu können - letztlich ein Eingriff bei einem gesunden Menschen, ausschließlich zum Wohle eines anderen.

"Die Risiken für den Spender sind sehr gering, da vor medizinische Probleme vorab identifiziert werden und Spender, für die der Eingriff ein Risiko darstellen würde, ausgeschlossen werden", sagt Prof. Wiesel. Sehr selten kann die verbliebene Niere des Empfängers versagen, häufiger sind Komplikationen unmittelbar nach der Operation wie Blutungen oder Infektionen. Todesfälle kamen bei 0,03 Prozent der Lebendspenden, jedoch nie in Heidelberg, vor.

Nicht nur medizinische, sondern auch schwerwiegende psychologische Probleme werden vor einer Lebendspende ausgeschlossen. Nach dem Transplantationsgesetz muss sichergestellt werden, dass die Spende freiwillig und ohne finanzielle Kompensation erfolgt, insbesondere wenn Spender und Empfänger nicht verwandt sind. Dies wird durch eine unabhängige Kommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg überprüft. Zusätzlich werden all Heidelberger Lebendspende-Kandidaten von Psychologen begutachtet. "Bei etwa 15 Prozent raten wir dazu, die Lebendspende zu überdenken", sagt Prof. Dr. Jochen Schweitzer von der Abteilung für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Die mühsame Vorbereitung, die Monate in Anspruch nehmen kann, lohnt sich, denn die Ergebnisse der Lebendspende sind außerordentlich gut - besser als nach der Verpflanzung von Nieren verstorbener Patienten. Etwa 85 Prozent der Transplantate funktionieren noch nach fünf Jahren, selbst wenn die Gewebeübereinstimmung nicht optimal ist. "Dies wird durch die hervorragende Qualität des Organs ausgeglichen, das unmittelbar nach der Entnahme übertragen wird und nur kurze Zeit nicht durchblutet ist", erklärt Prof. Wiesel. Abstoßungen können heute fast immer durch den gezielten, frühzeitigen Einsatz immunsuppressiver Medikamente, die die Körperabwehr unterdrücken, verhindert werden.

Literaturangabe:
Claudia Sommerer, Manfred Wiesel, Jochen Schweitzer-Rothers, Eberhard Ritz, Martin Zeier: The living kidney donor: giving life, avoiding harm, Nephrology Dialysis Transplant. (2003) 18: 23-26


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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