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Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 12.02.03

Neues in-vitro-Modell vorgestellt (BfR PD 2/2003)

BfR - Pressedienst
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 01888/412-4300, Telefax: 01888/412-4970 Presserechtlich verantwortlich: Dr. Irene Lukassowitz

02/2003, 12. Februar 2003

Neues in-vitro-Modell zur Abschätzung des augenreizenden Potentials chemischer Stoffe vorgestellt

Tierversuchsfreie Methode könnte Aussagekraft vorhandener Testsysteme deutlich erhöhen

Nach der gerade verabschiedeten 7. Änderungsrichtlinie zur EU-Kosmetikverordnung dürfen ab dem Jahr 2009 in Europa keine Kosmetischen Mittel mehr vermarktet werden, deren Inhaltsstoffe in Tierversuchen getestet wurden. Eine Ausnahmeregelung bis zum Jahr 2013 gibt es nur für drei Tests, für die bis 2009 voraussichtlich keine Alternativmethoden zur Verfügung stehen werden. Auch die sicherheitstoxikologischen Basisinformationen von Chemikalien mit geringem Produktionsvolumen sollen (gemäß Weißbuch zur EU-Chemikalienpolitik) in Zukunft tierversuchsfrei ermittelt werden. Diese politischen Entscheidungen sind nicht nur als große Erfolge für den Tierschutz zu werten, sie stellen auch hohe Anforderungen an alle an der Entwicklung und Validierung tierversuchsfreier Alternativmethoden beteiligten Wissenschaftler. Ein erfolgversprechendes neues tierversuchsfreies Modell wurde heute im Rahmen des 57. ZEBET-Seminars im Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin vorgestellt. Es könnte die Aussagekraft vorhandener Testsysteme deutlich erhöhen oder diese sogar ersetzen.


Das neue in-vitro-Modell soll zur Abschätzung des augenreizenden Potentials von chemischen Stoffen eingesetzt werden. Ob ein Stoff das Auge reizt oder schädigt gehört, neben Aussagen zur akuten Giftigkeit und zum kontaktallergenen Potential, zu den wichtigen toxikologischen Grundinformationen, die vorliegen müssen, wenn ein Stoff, z.B. in Kosmetika, eingesetzt werden soll. Informationen zum augenreizenden Potential können bis heute nicht bzw. nicht vollständig ohne Tierversuch gewonnen werden. Noch immer wird deshalb der für das Versuchstier stark belastende "Draize-Test" am Kaninchenauge durchgeführt. Die in der Europäischen Union derzeit anerkannten Ersatzmethoden zum Draize-Test (bebrütetes Hühnerei, Kornea (Hornhaut) des Rinderauges, isoliertes Hühnerauge und isoliertes Kaninchenauge) ermöglichen nur eine Aussage über das stark augenreizende Potential von Stoffen. Kleinere (aber unter Umständen dauerhafte) Hornhaut-Schäden beispielsweise können mit diesen Tests nicht vorhergesagt werden. Das liegt daran, dass es sich, mit Ausnahme des bebrüteten Hühnereis, nicht um lebendes Gewebe handelt und dass keiner der Tests organspezifisch ist. Das jetzt im BfR vorgestellte humane Hornhaut-Modell erfüllt beide Kriterien; ihm liegen lebende, menschliche korneale Zelllinien zugrunde.

Erarbeitet wurde das Modell von Wissenschaftlern des Instituts für Biophysik der Universität Bremen mit Forschungsmitteln der Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET). In nur einem Jahr ist es den Wissenschaftlern Maria Engelke, Jens Patzke, Svitlana Tykhonova und Michaela Zorn-Kruppa gelungen, ein menschliches dreidimensionales in-vitro-Modell der Kornea des Auges zu rekonstruieren. Es besteht aus einem mehrschichtigen Kornea-Epithel, einem einschichtigen Endothel sowie einer Kollagenmatrix mit eingelagerten Keratozyten. Ob das Modell geeignet ist, die Vorhersagekraft der vorhandenen Alternativmethoden zu erhöhen oder ob es diese längerfristig sogar ersetzen kann, wird die Validierung zeigen.

Seit ihrer Gründung 1989 am ehemaligen Bundesgesundheitsamt hat sich ZEBET aktiv an der Entwicklung und Validierung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden beteiligt und einige davon bis zur weltweiten Anerkennung durch die OECD Mitgliedsstaaten gebracht. Daneben fördert ZEBET seit 1990 mit einem jährlichen Etat von derzeit 350 000 Euro ca. acht bis zehn Forschungsvorhaben mit neuen, erfolgversprechenden Ansätzen zur Entwicklung von Alternativmethoden.

ende bfr-p


Dr. Irene Lukassowitz, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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