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Justus-Liebig-Universität Gießen, 29.07.04

Neuer Stuhltest zum Screening von Darmkrebs

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Industrienationen. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 57.000 Menschen, von denen mehr als die Hälfte sterben. Dabei sind die Heilungschancen bei frühzeitiger Diagnose sehr gut, und die rechtzeitige Entdeckung der Erkrankung kann das Sterberisiko deutlich reduzieren. Zur Diagnose von Darmkrebs stehen derzeit verschiedene Methoden bereit. Diese sind jedoch, wie die Dickdarmspiegelung, entweder unangenehm für den Patienten oder nicht genau bzw. nicht empfindlich genug, wie die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl, so dass Bedarf an verbesserten Möglichkeiten besteht.


Die Arbeitsgruppe um den kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Erich Eigenbrodt und Priv.-Doz. Dr. Sybille Mazurek, beide aus dem Institut für Biochemie am Fachbereich Veterinärmedizin der Universität Gießen, hatte in grundlegenden Arbeiten bereits gezeigt, dass Tumorzellen im Rahmen der Entwicklung von Darmkrebs die normale Regulation der Zellteilung verlieren. Charakteristisch für die Tumorzellen ist ein extrem ausgeprägtes Bestreben, sich schnell und unkontrolliert zu vermehren. Damit diese Teilung möglichst effektiv und energiesparend abläuft, ist der Energie-Stoffwechselschalter dieser Zellen - vergleichbar mit einem Dimm-Lichtschalter - in Richtung "Schalterstellung Tumor/vermehrte Zellteilung" reguliert. Diese "Schalterstellung Tumor" bzw. die geänderte Energieversorgung der Zellen lässt sich anhand des Enzyms Tumor M2-PK nachweisen und in Stuhlproben quantifizieren.

Prof. Klör, Dr. Hardt und deren Mit-Autoren von der Universität Gießen untersuchten in ihrer Arbeit den Tumor M2-PK-Marker bei einer Patientengruppe mit Darmkrebs und einer gesunden Kontrollgruppe, insgesamt an 204 Personen. Bei allen Teilnehmern wurde eine Darmspiegelung durchgeführt. Die Sensitivität des neuen Tests, also die Wahrscheinlichkeit, den Tumor mit dem Test zu erkennen, lag dabei zwischen 60% und 90%, je nach Tumorstadium. Die bisher verfügbaren Tests (Blut-im-Stuhl-Tests) besitzen eine deutlich schlechtere Sensitivität (ca. 24-50%).

"Im Gegensatz zu den Blut-im-Stuhl-Tests entdeckt dieser Test auch Tumoren, die nicht bluten," so Prof. Hans-Ulrich Klör, der Leiter der Studie. "Der Stuhlmarker Tumor M2-PK hat mit seiner einfachen Analytik sowohl hinsichtlich der Durchführbarkeit als auch der Testcharakteristika sehr gute Voraussetzungen für ein bevölkerungsweites Screening. Zusammen mit der bei nicht-invasiven Verfahren generell höheren Teilnahmebereitschaft stellt dieser Stuhltest in Kombination mit der koloskopischen Abklärung positiver Befunde ein viel versprechendes Mittel zur Verbesserung der Früherkennung kolorektaler Karzinome dar."

Dr. Philip Hardt erklärt zu dem Verfahren: "Die Tumor M2-PK kann mit Hilfe eines einfach durchzuführenden Labortests in jedem Labor gemessen werden. Mit dem neuen Verfahren lassen sich Karzinome des Dickdarms deutlich besser erkennen als mit den bisher zur Verfügung stehenden Nachweismethoden für okkultes Blut und genetische Veränderungen. Die Koloskopie ist nach wie vor der Goldstandard, jedoch scheuen viele Menschen leider davor zurück, diese Untersuchung durchführen zu lassen. Zudem würden die derzeitigen Kapazitäten für ein bevölkerungsweites Screening mit Koloskopien bei weitem nicht aus reichen."

Die vorgestellte Arbeit ist in der Fachzeitschrift British Journal of Cancer zu finden unter: P.D. Hardt, S. Mazurek, M. Toepler, P. Schlierbach, R.G. Bretzel, E. Eigenbrodt und H.-U. Klör. Faecal tumour M2 pyruvate kinase: a new, sensitive screening tool for colorectal cancer. British Journal of Cancer advance online publication, 13 July 2004; doi: 10.1038/sj.bjc6602033, www.bjcancer.com .

Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Klör
Med. Klinik III und Poliklinik
Universitätsklinikum Gießen
Tel: 0641/99-42756
Fax: 0641/99-42779
E-Mail: hans-ulrich.kloer@innere.med.uni-giessen.de

Dr. Philip D. Hardt
Med. Klinik III und Poliklinik
Universitätsklinikum Gießen
Tel: 0641/99-42830
Fax: 0641/99-42759
E-Mail: philip.d.hardt@innere.med.uni-giessen.de

Weitere Informationen:


Christel Lauterbach, Justus-Liebig-Universität Gießen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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