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GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, 17.12.07

Neuer Entstehungsmechanismus der Glasknochenkrankheit entdeckt: Mutation treibt knochenbildende Zellen in den Selbstmord

"Wir konnten durch chemisch ausgelöste Mutationen eine Mauslinie erzeugen, deren Kollagensynthese durch einen Defekt im Gen für das Prokollagen proa1(I) gestört ist", erzählt Prof. Martin Hrabé de Angelis, der Leiter des GSF-Instituts für Experimentelle Genetik. Kollagen ist das häufigste Strukturprotein des Bindegewebes und das wichtigste Baumaterial der Knochen - bei der Maus ebenso wie beim Menschen. Normalerweise winden sich in der Zelle drei proa1(I)-Ketten umeinander und bilden so einen Dreifachstrang, der an die Zelloberfläche transportiert wird. "Durch die Mutation ist die Proteinfaltung so gestört, dass sich dieser Dreifachstrang nicht bilden kann, und das Kollagen bleibt quasi in der Zelle stecken", erklärt Hrabé de Angelis.


Zur Überraschung der Wissenschaftler wirkte sich dieser Defekt nicht nur direkt negativ auf die Knochenbildung aus, weil weniger funktionsfähiges Kollagen gebildet wird, sondern es wird noch ein anderer Mechanismus ausgelöst: Die missgefalteten Proteine reichern sich im endoplasmatischen Reticulum (ER) der Zelle an und setzen dort eine hoch komplexe zelluläre Stressreaktion in Gang, die sogenannte "unfolded protein response" (UPR). Durch die UPR werden Enzyme aktiviert, die den programmierten Zelltod der knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) verursachen - was brüchige Knochen zur Folge hat. Die Wissenschaftler schätzen, dass dieser Prozess zu etwa 30 Prozent an der Glasknochenkrankheit beteiligt ist.

"Diese Ergebnisse sind hochinteressant, weil sie ein völlig neues Fenster für Therapien öffnen", betont Hrabé de Angelis, "man könnte sich für die Zukunft beispielsweise vorstellen, anti-apoptotische Stoffe zu entwickeln und einzusetzen". Zudem ist die neu gewonnene systemische Einsicht wichtig, um die Krankheit besser zu verstehen, denn Osteogenesis imperfecta ist keine reine Knochenkrankheit: bei den Mausmutanten sind auch Lunge, Herz und Stoffwechsel betroffen. Um diese Aspekte näher zu untersuchen, sind weitere Studien geplant.

Veröffentlichung:

ER stress-mediated apoptosis in a new mouse model of osteogenesis imperfecta;
Thomas S. Lisse, Frank Thiele, Helmut Fuchs, Wolfgang Hans, Gerhard K. H. Przemeck, Koichiro Abe, Birgit Rathkolb, Leticia Quintanilla-Martinez, Gabriele Hoelzlwimmer, Miep Helfrich, Eckhard Wolf, Stuart Ralston, Martin Hrabé de Angelis;
PLoS Genetics, e7.eor doi:10.1371/journal.pgen.0040007.eor

Kontakt zur GSF- Pressestelle:

GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Kommunikation
Tel: 089/3187-2460
Fax 089/3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de

Neuherberg, 17. Dezember 2007

Weitere Informationen:


Michael van den Heuvel, GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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Osteogenesis imperfecta (OI, von griechisch Osteo (οστέον, οστούν) „Knochen“ und Genese (γένεσις) „Entstehung“ sowie lateinisch imperfecta „unvollkommen“), umgangssprachlich fälschlicherweise auch als Glasknochenkrankheit bezeichnet, ist eine seltene Erbkrankheit, deren Hauptmerkmal eine unvollständige Knochenbildung ist. Daraus entstehen unterschiedliche Krankheitsbilder, deren gemeinsames Merkmal eine extrem hohe Knochenbrüchigkeit ist - der Knochen bricht ähnlich leicht "wie Glas". Da das Gros der Betroffenen sich selbst aufgrund der OI nicht krank, sondern behindert fühlt, lehnen die meisten Betroffenen den Begriff Glasknochenkrankheit ab. Sie sprechen im Zusammenhang lediglich von "Glasknochen haben". Wikipedia


 
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Eine Mutation (v. lat. mutatio „Veränderung“, „Wechsel“) ist eine Veränderung des Erbgutes eines Organismus durch Veränderung der Abfolge der Nukleinbasen oder durch Veränderung der Chromosomenzahl, die nicht auf Rekombination oder Segregation beruht. Dieser Begriff wird daher nur für einen Teilbereich aller möglichen Chromosomenaberrationen verwendet. Durch eine Mutation wird die in der DNA gespeicherte Information verändert und dadurch können einzelne Merkmale (der Phänotyp) verändert werden. Wikipedia


 

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