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Universität des Saarlandes, 17.10.02

Neue Erfolge aus Homburg: Neues Ultraschallverfahren zur Diagnose von Prostatakrebs

Ob ein Verdacht auf Prostatakrebs vorliegt, kann heute in einer Blutuntersuchung ermittelt werden. Gemessen wird hier die Konzentration des "prostataspezifischen Antigens" im Blut-Serum, der PSA-Wert. Allerdings hat dieser Marker seine Tücken: Ein erhöhter Wert kann auch durch eine gutartige Erkrankung verursacht sein. Außerdem gibt es Tumoren, die auf den PSA-Wert keinen Einfluss haben. Das Abtasten der Prostata und der Ultraschall als weitere diagnostische Methoden liefern oft nur ungenaue Ergebnisse. Erst die Gewebeprobe, die Biopsie, kann einen bestehenden Krebsverdacht beweisen, damit eine möglichst frühzeitige Therapie eingeleitet werden kann.


Der Homburger Urologe und Privatdozent Dr. Tillmann Loch hat in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Forschergruppen ein weiteres Vorsorgeinstrument entwickelt. Die Arbeit an der "Artifiziellen neuronalen Netzwerkanalyse", kurz ANNA, einem Erkennungssystem für Prostatatumoren, begann noch in Kiel, von wo aus Loch dem jetzigen Klinikdirektor Stöckle nach Homburg folgte. "Die neue Methode ist eine Weiterentwicklung des konventionellen Ultraschallverfahrens", erläutert Dr. Loch, der für seine 'innovative experimentelle Arbeit', mit der er sich auch habilitierte, den Bard-Preis der Deutschen Gesellschaft für Urologie erhalten hat. Nachteil des herkömmlichen Ultraschalls ist, dass die Grautöne des Bildes kaum spezifische Aussagen zulassen. "Unser Verfahren ermöglicht es nun, mithilfe des Computers die mit bloßem Auge nicht erkennbaren zusätzlichen Informationen aus den Aufnahmen herauszufiltern und auszuwerten", erklärt Loch. Hierfür wurde ANNA regelrecht trainiert. Die Bildpunkte der Ultraschallaufnahmen wurden mit histopathologischen Auswertungen von später operativ entferntem Prostatagewebe genau verglichen und verrechnet. Die Prostatapräparate, Großflächenschnitte, wurden hierzu eingescannt und mittels Computertechnik exakt über die Ultraschallaufnahme gelegt. "Mit den komplexen Daten, die wir hieraus erhielten, wurde ANNA gefüttert; das System hat die Informationen erlernt und erkennt nun bei anderen Ultraschallbildern Formationen wieder, kann sie korrekt klassifizieren und projiziert seine Auswertung durch rote Markierungen auf die Aufnahme", so der Urologe.

ANNAs diagnostische Treffsicherheit haben die Forscher in einer Studie bereits belegt: "ANNA erhöht die Treffsicherheit der Ultraschallauswertung signifikant", betont Loch. Das Computersystem kann bereits exakter als bisher gut- und bösartige Veränderungen des Gewebes erkennen. Auch spürt es die Stellen in der Prostata auf, die am verdächtigsten sind, und macht es dadurch möglich, gezielt zu biopsieren. "Unser Verfahren ermöglicht, Tumoren zuverlässiger in Stadien einzuteilen und zu erkennen, ob der Krebs noch auf die Prostata begrenzt, oder schon darüber hinaus gewachsen ist." PSA-Wert, Tastbefund und konventioneller Ultraschall sind hier nicht ausreichend genau genug. Bislang wird oft erst nach der Operation festgestellt, ob der Krebs die Prostatakapsel schon verlassen hat. Die Krux dabei: Mit diesem Wissen hätte man sich unter Umständen für ein anderes Therapiekonzept entschieden.

Derzeit wird ANNAs klinische Anwendbarkeit überprüft. Die Mediziner entwickeln das System weiter, trainieren es mit neuen Daten. "ANNA könnte möglicherweise künftig viele Biopsien überflüssig machen - und das bei besseren diagnostischen Ergebnissen", resümiert Dr. Loch.

Fragen beantwortet Ihnen Privatdoznet Dr. med. Tillmann Loch: Tel. 06841/162 4702.


Saar - Uni - Presseteam, Universität des Saarlandes
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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