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Universitätsklinikum Tübingen, 30.08.01

Neue Einsichten bei einer Form der erblichen Erblindung im Kindesalter

Online publiziert in Nature Genetics ** am 20. 8. 2001

Eine Forschergruppe der Universitäts-Augenklinik Tübingen (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Eberhard Zrenner) hat überraschende Ergebnisse bei der Leber'schen kongenitalen Amaurose (LCA), einer schwerwiegenden erblichen Netzhauterkrankung im Kindesalter, gewonnen. In der September-Ausgabe von Nature Genetics wird der vollständige Artikel von Dr. Mathias Seeliger und Mitarbeitern veröffentlicht werden.

Im Auge gibt es zwei Arten von lichtempfindlichen Zellen: Die Stäbchen vermitteln das Sehen bei Dunkelheit, während die Zapfen dagegen das Sehen bei Tage ermöglichen. Eine Art "Belichtungsautomatik" sorgt dafür, dass die empfindlicheren Stäbchen bei zuviel Licht quasi abgeschaltet werden und den Zapfen das Feld überlassen. Die eigentliche lichtempfindliche Komponente ist in beiden Typen eine Vitamin A-Verbindung, die beim Sehvorgang verbraucht wird.


Bisher war man davon ausgegangen, dass bei der LCA ein Verlust von einem dringend für die Wiederaufbereitung der beim Sehen verbrauchten Vitamin A-Verbindung benötigten Stoff (RPE65), zu einem vollständigen Verlust der Stäbchenfunktion führt. In der Tat sind die betroffenen Patienten nachtblind und haben nur bei viel Licht ein Restsehvermögen, was auf die Zapfen zurückgeführt wurde.

Wissenschaftlern der Universitäts-Augenklinik Tübingen ist jetzt der Nachweis gelungen, dass durch den Mangel an aktivierbarem Vitamin A eine so große Reduktion der Lichtempfindlichkeit eintritt, dass die Stäbchen auch bei Tageslicht nicht abgeschaltet werden und den Seheindruck vermitteln. Ein mindestens genauso starker Empfindlichkeitsverlust der Zapfen verhindert, dass diese überhaupt am Sehen der Patienten beteiligt sind.

Die Aufklärung dieser grundlegenden Zusammenhänge ist eine wichtige Voraussetzung für die künftige Diagnostik und Behandlung der LCA, denn kürzlich ist einer amerikanischen Arbeitsgruppe erstmals eine lokale Gentherapie in einem Tiermodell (Hund) dieser Erkrankung gelungen. In der vielbeachteten Arbeit war allerdings nicht zwischen Stäbchen- und Zapfenfunktion unterschieden worden. Da aber nur mit Zapfen eine gute Sehschärfe und ein Farbeindruck möglich ist, muss vor dem Einsatz der analogen Gentherapie beim Menschen nun zunächst geprüft werden, ob damit tatsächlich die Zapfenfunktion verbessert werden kann, oder ob neue Therapieansätze entwickelt werden müssen.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Augenklinik, Schleichstr. 12, 72076 Tübingen
Abt. für Pathophysiologie des Sehens und Neuroophthalmologie
Dr. Mathias Seeliger, Arbeitgruppe Retinale Elektrodiagnostik
Tel. 0 70 71 / 29-8 07 18 , Fax 0 70 71 / 29- 47 89
E-Mail: see@uni-tuebingen.de

** New views on RPE65 deficiency: the rod system is the source of vision in a mouse model of Leber congenital amaurosis. Mathias W. Seeliger, Christian Grimm, Fredrik Ståhlberg, Christoph Friedburg, Gesine Jaissle, Eberhart Zrenner, Hao Guo, Charlotte E. Remé, Peter Humphries, Franz Hofmann, Martin Biel, Robert N. Fariss, T. Michael Redmond & Andreas Wenzel
Published online: 20 August 2001 in Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng712


Dr. Ellen Katz, Universitätsklinikum Tübingen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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