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Medizinische Hochschule Hannover, 26.03.02

Neue Behandlungsverfahren bei der Osteoporose

Minimal-invasive Zementierungstechniken lindern deutlich die Schmerzen

Dank wachsender medizinischer Möglichkeiten und besserer Lebensumstände werden immer mehr Menschen immer älter. Die Kehrseite: Auch eine Reihe von Krankheiten nimmt mit steigendem Alter zu. Eine davon ist die Osteoporose, bei der im Laufe der Jahre Knochensubstanz abgebaut wird. Sie gilt als die häufigste chronische Erkrankung des Skeletts, bleibt oft unbehandelt, in vielen Fällen sogar unerkannt. In Deutschland leiden etwa sechs Millionen Menschen daran; die Folgekosten werden derzeit mit 5 Milliarden Euro pro Jahr angegeben. Durch den osteoporotischen Abbau treten vermehrt Brüche des Oberschenkelhalses auf, vor allem aber ist die Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen: Die einzelnen Wirbelkörper sintern, sie sacken zusammen oder brechen ein - ein schmerzhafter Prozess. Annähernd jede dritte Frau über 60 Jahre ist betroffen. Schon heute werden in der Europäischen Union (EU) jährlich rund 41.000 Patienten aufgrund solcher Veränderungen der Wirbelkörper durchschnittlich zehn bis dreißig Tage stationär im Krankenhaus behandelt.


Im Langzeitverlauf einer Osteoporose kann sich die Wirbelsäule verkürzen und verbiegen - die Ärzte sprechen von Kyphose. Dies ist teilweise mit erheblichen Schmerzen verbunden und mit erhöhter Sterblichkeit beispielsweise durch Lungenerkrankungen. Entsprechend nachdrücklich werden verbesserte Vorsorgemaßnahmen gefordert und gleichzeitig Anstrengungen unternommen, um den Folgen der Krankheit effektiver zu begegnen.

Wenn Wirbelkörper sintern und einbrechen, können zwei minimal-invasive Zementierungstechniken helfen: Ein mittlerweile etabliertes Verfahren ist die Vertebroplastik, bei der osteoporotische Wirbelkörper perkutan, also durch die Haut, unter Röntgenkontrolle mit Knochenzement gefüllt und auf diese Weise stabilisiert werden. Der Eingriff lässt sich überwiegend unter lokaler Betäubung ambulant vornehmen. Verblüffendes Ergebnis: Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten sind die Schmerzen kurz danach deutlich gelindert. Noch größeren Erfolg verspricht eine weitergehende, relativ neue Technik: die Kyphoplastik. Hier wird mit Hilfe eines Ballons zunächst versucht, zusammengesackte Wirbelkörper wieder aufzurichten, bevor sie mit Zement gefüllt werden.

Die Vorteile der perkutanen Zementierungstechniken scheinen offenkundig: Lange Krankenhaus- und Rehabilitations-Aufenthalte erübrigen sich, auf orthopädische Hilfsmittel und Medikamente kann weitgehend verzichtet werden. Ungeklärt ist allerdings bisher der genaue Mechanismus, der die meist drastische Verringerung der Schmerzen bewirkt. Ebenfalls unbeantwortet die Frage, wie nichttherapierte Nachbarwirbel langfristig reagieren. Außerdem: Wie ist die Langzeitreaktion des Knochens auf den injizierten Zement und wie sieht das ideale Material aus? Es sollte nicht nur einfach durch die Haut applizierbar sein und sofort wirken, sondern auch mit der Zeit im Körper abgebaut oder integriert werden.

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind die neuen Therapieverfahren seit August 2001 bei 20 Patientinnen und Patienten eingesetzt worden. "Erste klinische Ergebnisse", sagt Professor Dr. Christian Krettek, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik, "sind sehr positiv." Ob die Patienten tatsächlich über die reine Schmerzlinderung hinaus von den Verfahren profitieren, sollen größer angelegte Studien zeigen. Dr. Ulrich Berlemann von der Unfallchirurgischen Klinik hat zuvor am Inselspital in Bern Erfahrungen mit den Zementierungstechniken gesammelt. Er will künftig insbesondere die Wertigkeit der Verfahren überprüfen und das Indikationsspektrum klarer definieren. In Vorbereitung einer europaweiten Multicenter-Studie führt Dr. Berlemann gegenwärtig an der MHH einen Lehrgang zur Kyphoplastik durch.

Weitere Informationen geben gern Professor Dr. Christian Krettek unter E-Mail: Krettek@compuserve.com sowie Dr. Ulrich Berlemann, E-Mail: uberlemann@hotmail.com


Christa Möller, Medizinische Hochschule Hannover
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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