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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 14.02.02

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 14.02.02

Neuartiges Hüftgelenk verhindert Hinken

Angeborene Fehlbildungen, Infektionen oder schlecht verheilte Brüche im Hüftbereich bedeuten für die Betroffenen häufig ein lebenslanges Martyrium mit Schmerzen und eingeschränktem Bewegungsspielraum. Deutschlandweit erstmalig implantieren nun die Unfallchirurgen am Universitätsklinikum Bonn einer 30jährigen Patientin eine neuartige individuell gefertigte Hüftprothese. Durch den Eingriff hoffen die Mediziner, die Funktion des Gelenks weitgehend wiederherstellen zu können.

"Problemhüfte" vor und nach Einsatz der neuen individuell gefertigten Gelenkprothesen. Bilder zu dieser Pressemitteilung können unter http://www.verwaltung.uni-bonn.de/presse/Bildgalerie/huefte/huefte.htm aus dem Internet abgerufen werden.

Bei herkömmlichen künstlichen Hüftgelenken wird allenfalls die Verankerung im Oberschenkelschaft individuell gefertigt, der künstliche Gelenkkopf dagegen ist standardisiert. Viele Deformationen des Gelenks lassen sich auf diese Weise nicht auffangen - Folge: die Patienten sind nach der Operation zwar weitgehend schmerzfrei, hinken aber mehr oder weniger stark. "Bei der neuartigen Prothese, die in der Forschungsabteilung für Hüftprothesen an der Universität Trondheim in Norwegen entwickelt wurde, ist dagegen auch der Hüftkopf individuell gefertigt, also beispielsweise nach oben abgeknickt oder nach hinten oder vorne gedreht", erklärt Oberarzt Dr. Christian Paul, der die Operation zusammen mit einem Trondheimer Kollegen durchführen wird. Insgesamt sind in Norwegen bereits 250 Hüftgelenke dieses Modells implantiert worden. "Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend, gerade bei Patienten mit Problemhüften, bei denen eine Standardprothese kein gutes Ergebnis erwarten lässt."


Mit den neuartigen Implantaten können Beinlänge, Drehung, Schenkelhalswinkel und Seitverschiebung des Oberschenkels korrigiert werden. Ist die zweite Hüfte gesund, nehmen die Mediziner diese als Vorlage, ansonsten werden die Daten von gesunden Vergleichspersonen verwendet. Dadurch werden eine gute Balance der Muskeln und Bänder erreicht und dem Patienten optimale Voraussetzungen für ein normales Gangbild ohne Hinken gegeben. Besonders wichtig für die Lebensdauer einer Prothese ist ihr stabiler Sitz. Meist fräsen daher OP-Roboter den Oberschenkel des Patienten für die Standard-Prothese zurecht. Das neue Implantat wird dagegen nach den Gegebenheiten des Patienten jeweils einzeln hergestellt. Damit ist die optimale Passform garantiert und eine lange Lebenszeit der Prothese zu erwarten.

Die Planung des Kunstgelenkes erfolgt anhand der Daten, die bei einer Computertomografie der Hüft- und Oberschenkelregion gewonnen werden. Mit Hilfe spezieller Computerprogramme legen die Hersteller die Korrekturparameter fest und fräsen die Prothese aus einem Metallblock. Danach wird das Implantat zur verbesserten Einheilung mit künstlichem Knochengewebe überzogen. Zur Prothese gehören auch spezielle Knochenfräsen, die ebenfalls nach den Vorgaben des Patienten angefertigt werden. Die Herstellungsdauer beträgt aktuell 4-6 Wochen; die Mehrkosten für die individuelle Anfertigung werden bisher noch nicht von den Krankenkassen übernommen.

In einem gemeinsam Forschungsprojekt wollen nun die Mediziner aus Trondheim und Bonn weitere Verbesserungsmöglichkeiten untersuchen und umsetzen.

Weitere Informationen: Dr. Christian Paul, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn, Tel. 0228/287-5477, E-Mail: paul@uch.uni-bonn.de

Weitere Informationen:


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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