Hilfe: Sie befinden sich auf...

Ruhr-Universität Bochum, 10.02.03

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Ruhr-Universität Bochum, 10.02.03

Nervenzellen schützen - Hirnschäden vermeiden: Doppelpromotion für RUB-Mediziner

Vom "Zappelphilipp-Syndrom" bis hin zu schweren Behinderungen reichen die Folgen von Sauerstoffmangel bei Kindern während der Geburt. Um dieses Schicksal abzuwenden, prüfte Dr. Yves Garnier (Unifrauenklinik der RUB) verschiedene Substanzen und Techniken, die, während oder kurz nach der Geburt angewandt, Gehirnnervenzellen schützen können. Für seine Studien verlieh ihm die Universität Maastricht (NL) die internationale Doktorwürde PhD.

Dr. Yves Garnier (m.) nahm in Maastricht seine Urkunde entgegen. Mit im Bild: Prof. Jensen (l.), Prof. Jelte de Haan (Uni Maastricht, r.).

Bochum, 10.02.2003
Nr. 35

Nervenzellen schützen - Hirnschäden vermeiden
Therapien bei Sauerstoffmangel während der Geburt
Doppelpromotion für Bochumer Forscher in Maastricht

Vom "Zappelphilipp-Syndrom" bis hin zu schweren Behinderungen reichen die Folgen von Sauerstoffmangel bei Kindern während der Geburt. Um dieses Schicksal abzuwenden, prüfte Dr. Yves Garnier (Universitätsfrauenklinik der RUB im Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, Direktor: Prof. Dr. Arne Jensen) verschiedene Substanzen und Techniken, die, während oder kurz nach der Geburt angewandt, Gehirnnervenzellen schützen können. Für seine insgesamt sechs Studien, die er gebündelt in seinem Buch "Perinatal Brain Damage" veröffentlichte, verlieh ihm die Universität Maastricht (NL) die internationale Doktorwürde PhD.


Jedes Jahr erleiden 1.000 Neugeborene Hirnschäden

Auf Grund schwerer Geburtsverläufe mit Sauerstoffmangel des Kindes im Mutterleib erleiden in Deutschland jährlich ca. 1.000 Neugeborene einen Hirnschaden. Betroffen sind überwiegend frühgeborene Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g. Je nach Ausmaß und Lokalisation der Hirnschädigung entwickeln diese Kinder körperliche und geistige Behinderungen. Nicht selten sind auch Hör- und Sehstörungen sowie Beeinträchtigungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit zu beobachten.

Nervensterben in zwei Wellen

Grund für diese lebenslangen Beeinträchtigungen ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn in zwei Wellen: Durch die mangelnde Durchblutung bricht der Zellstoffwechsel im Gehirn zusammen und es wird als Reaktion darauf vermehrt Glutamat produziert, einer der wichtigsten aktivierenden Stoffe im Gehirn. Er bewirkt die Ausschüttung von Calcium, das wiederum die Herstellung von Stoffen anregt, welche die Zellstrukturen zerstören. Wenn der akute Sauerstoffmangel vorbei ist, normalisiert sich der Zellstoffwechsel in einigen Hirnbereichen zwar wieder, in anderen jedoch bleibt er gestört. Die zweite Welle des Absterbens von Nervenzellen setzt ein, wenn die Durchblutung wiederhergestellt wird. Als Gründe dafür vermuten die Forscher u.a. entzündliche Prozesse und ein Ungleichgewicht zwischen hemmenden und aktivierenden Substanzen im Gehirn, wodurch möglicherweise der programmierte Zelltod (Apoptosis) in Gang gebracht wird.

Strategien im "therapeutischen Fenster"

Da ein beträchtlicher Teil der Zellschäden erst Stunden oder sogar Tage nach der Sauerstoffmangelsituation zustande kommt, versuchen die Wissenschaftler, während dieses "therapeutischen Fensters" einzugreifen. Besonders vielversprechend sind unterschiedliche medikamentöse Strategien, die Hirnschäden durch Sauerstoffmangel vermindern können. Dr. Garnier richtete sein Augenmerk in seinen Studien besonders auf sog. neuroprotektive (die Nervenzellen schützende) Substanzen und erzielte mit Flunarizin erste Erfolge. Darüber hinaus konnte er zeigen, dass auch das in der Geburtshilfe vielfach zur Wehenhemmung angewandte Magnesium das kindliche Gehirn vor Sauerstoffmangel schützt.

Forschungsschwerpunkt

An der Universitätsfrauenklinik beschäftigt sich die Forschergruppe um Prof. Jensen und Oberarzt PD Dr. Richard Berger seit vielen Jahren mit der Früherkennung und Vermeidung von Hirnschäden vor und während der Geburt. Die "Perinatale Neuroprotektion" ist ein Forschungsschwerpunkt der Ruhr-Universität.

Weitere Informationen

Dr. Yves Garnier, Universitäts-Frauenklinik im Knappschaftskrankenhaus Bochum Langendreer - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, In der Schornau 23-25, 44892 Bochum, Tel. 0234/299-3300, Fax: 0234/299-3309, E-Mail: yves.garnier@ruhr-uni-bochum.de


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Neues in-vitro-Modell vorgestellt (BfR PD 2/2003) 
 Gen-Baumwolle bringt erheblich höhere Erträge