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Universitätsklinikum Heidelberg, 25.08.03

Können Naturheilmittel die Nebenwirkungen einer Chemotherapie bei Brustkrebs lindern?

Universitäts-Frauenklinik sucht Patientinnen für Studie / Zusatzbehandlung mit Selen und Präparaten aus Mariendistel, Goldrute und Ananas

Sind naturkundliche Mittel in der Lage, die unerwünschten Wirkungen einer Chemotherapie zu lindern oder gar zu verhindern? Die Ambulanz für Naturheilkunde der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg führt dazu eine Studie bei Patientinnen durch, die an Brustkrebs in unterschiedlichem Stadium erkrankt sind und sich zum ersten Mal oder erneut nach mehr als 12 Monaten einer Chemotherapie unterziehen. Dafür werden Teilnehmerinnen gesucht. Das Projekt wird von der H.W & J. Hectorstiftung, Weinheim, gefördert.


"Es gibt Hinweise darauf, dass das Spurenelement Selen sowie Inhaltsstoffe der Mariendistel, Goldrute und der Ananas vor Nebenwirkungen der Chemotherapie an Leber, Niere, Blase und anderen Organen schützen," erklärt Dr. Cornelia von Hagens, Oberärztin in der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie der Universitäts-Frauenklinik (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Thomas Strowitzki), und Leiterin der Ambulanz für Naturheilkunde und integrative Medizin. Bislang gibt es dafür jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise.

Deshalb hat die Frauenklinik eine sogenannte "prospektive, randomisierte" Studie begonnen, die eine Wirksamkeit dieser pflanzlichen Präparate wissenschaftlich untersucht. Rund 150 Patientinnen werden vor Beginn der Chemotherapie einer von drei Gruppen zugeordnet: Eine Gruppe erhält vor Beginn der drei ersten Zyklen Chemotherapie eine einstündige Beratung zu Ernährung und Lebensführung sowie Präparate mit den Inhaltsstoffen Selen, Silimarit, Solidago und Bromelain. Die zweite Gruppe wird nur beraten und eine dritte Gruppe erhält das Merkblatt der Aktion "Fünf-amTag", die eine gesunde vitaminreiche Ernährung empfiehlt.

"Nicht alle Patientinnen mit Brustkrebs können an der Studie teilnehmen", schränkt Dr. von Hagens ein. Wer bereits eine Chemotherapie innerhalb des vergangenen Jahres durchgemacht hat, sich einer sogenannten "neo-adjuvanten" oder Hochdosis-Chemotherapie unterzieht oder eine andere naturheilkundliche Therapie, Vitaminpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig oder bis zu vier Wochen vor Studienbeginn anwendet, ist von einer Teilnahme ausgeschlossen. Auch die Teilnahme an einer anderen Studie, etwa zur Chemotherapie, ist ein Ausschlussgrund.

Die Patientinnen werden gebeten, ein Tagebuch über ihr Befinden, ihre Aktivitäten und die Medikamenteneinnahme zu führen und werden bei ihren regelmäßigen Aufenthalten in der Universitätsfrauenklinik zur Durchführung der Chemotherapie untersucht und befragt.

Das Brustkrebszentrum der Universitäts-Frauenklinik betreut jährlich ca. 500 neuerkrankte Patientinnen und ist damit eines der größten in Deutschland. Die Ambulanz für Naturheilkunde und integrative Medizin bietet ergänzende Beratungen zu Ernährung, Lebensführung und Naturheilverfahren an und führt wissenschaftliche Untersuchungen zur Anwendung naturheilkundlicher Methoden in der Frauenheilkunde durch. Ursprünglich durch die Karl und Veronica Carstens-Stiftung gefördert, konnte die Ambulanz für Naturheilkunde seit 1999 nur durch eine großzügige finanzielle Anschlussförderung der von den Eheleuten Josefine und Hans-Werner Hector gegründete Stiftung ihre Arbeit zur Integration der Naturheilverfahren in die Frauenheilkunde fortsetzen.

Interessierte Patientinnen und Ärzte wenden sich bitte an die Ambulanz für Naturheilkunde und integrative Medizin unter 06221 / 56 83 21.

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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