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Fraunhofer-Gesellschaft, 23.10.02

Nachwuchs in Life Sciences

Drei Diplomarbeiten werden mit dem Hugo-Geiger-Preis ausgezeichnet: Gehemmte Proteine bremsen das Wachstum des Pilzes Candida albicans. Ein Enzym aus marinen Bakterien baut Chitin aus Krebsschalen ab. Spuren beweglicher Zellen verraten ihre Urheber.

Pilzinfektionen sind Krankheiten, die besonders immungeschwächte Patienten fürchten müssen. Daher sind Intensivpatienten am anfälligsten für verschiedene Mykosen. Zum häufigsten Erreger avancierte in den vergangenen Jahren Candida albicans - Tendenz steigend. Dieser zu den Hefen gehörende Pilz ist bereits mehrfach gegen die bisher verwendeten Antimykotika resistent geworden. Therapeutika, die ihn nicht abtöten, sondern nur verhindern, dass er in das Gewebe eindringt, sollten hingegen keine Resistenzen hervorrufen können. Ein Ansatz dafür: Gefährliche Varianten des Pilzes bilden Hyphen. Ähnlich wie das Mycel von Waldpilzen wachsen fadenförmige Fortsätze in das Gewebe des Wirts hinein. Wenn es gelänge, dieses zu verhindern, würde die Pilzausbreitung gehemmt. Vier für das Wachstum wesentliche, bislang unbekannte Proteine der virulenten hyphalen Form des Pilzes untersuchte Marc Röhm, Träger des ersten Hugo-Geiger-Preises. Im Stuttgarter Labor überprüfte er, inwieweit sie sich als Angriffsziel für neu zu entwickelnde Antimykotika eignen. Dies sind Voraussetzungen, um dafür zukünftig Schutzrechte beanspruchen zu können.


Eine Diplomarbeit, die ebenfalls am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entstand, wird mit einem zweiten Preis gewürdigt. Christian Schmalz hat während seiner Arbeit in Hannover erstmals aus Bakterien ein Enzym isoliert, mit dessen Hilfe sie im Meer Chitin abbauen. Dieses bei Insekten weit verbreitete Biopolymer kommt auch in Krebsschalen vor und lässt sich enzymatisch zu Chitosan umsetzen. Das biotechnologisch gewonnene Abbauprodukt wird bereits im großen Umfang als Verdickungsmittel in diätetischen Lebensmitteln, Kosmetika, Pharmaka und Farben eingesetzt. Mit dem inzwischen zum Patent angemeldeten Verfahren ließe sich Chitosan in besserer Qualität als bisher herstellen.

Einen zweiten Preis erhielt auch Ines Westphal, die sich in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT für ein junges Forschungsgebiet entschied: molekulare Spuren, die Zellen hinterlassen, wenn sie sich über eine künstliche oder biologische Oberfläche bewegen. Die Biotechnologin konnte zeigen, dass die meisten adhärent wachsenden tierischen Zellen bisher wenig erforschte Nanostrukturen hinterlassen. Solche membranumhüllten Biotubes und Patches eignen sich analog zu einem Fingerabdruck dazu, die Membran ihrer Urheberzelle zu charakterisieren, ohne die Spenderzelle anzutasten oder gar zu schädigen. Dies eröffnet neue Ansätze für viele diagnostische Methoden.

Ansprechpartner:
Dipl.-Biol. Marc Röhm
Telefon 07 11 / 9 70-40 01, marc.roehm@web.de, rup6@igb.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart

Dipl.-Biochem. Christian Schmalz
Telefon 05 11 / 53 50-5 63 und -5 60, ch.schmalz@web.de
Fraunhofer IGB
Nicolai-Fuchs-Straße 1
30625 Hannover

Dipl.-Ing. Biotechnol. Ines Westphal
Telefon 0 30 / 20 93-87 66, ines.westphal@ibmt.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Institut für Biologie der Humboldt-Universität
Invalidenstraße 42
10115 Berlin

Hugo-Geiger-Preis - Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern
Das 50-jährige Jubiläum der Fraunhofer-Gesellschaft veranlasste die Bayerische Staatsregierung vor zwei Jahren, diesen Preis zu stiften. Namensgeber ist Staatssekretär Hugo Geiger, der Schirmherr der Gründungsversammlung der Fraunhofer-Gesellschaft am 26. März 1949. Mit diesem Preis werden hervorragende und anwendungsorientierte Diplomarbeiten oder Dissertationen auf dem Gebiet der Biowissenschaften (Life Sciences) ausgezeichnet. Kriterien der Beurteilung sind: wissenschaftliche Qualität, wirtschaftliche Relevanz, Neuartigkeit und Interdisziplinarität der Ansätze. Die Arbeiten müssen in unmittelbarer Beziehung zu einem Fraunhofer-Institut stehen oder dort entstanden sein. In diesem Jahr erhält der erste Preisträger einen Betrag von 3 000 Euro und die beiden zweiten jeweils 2 000 Euro.

Weitere Informationen:


Dr. Johannes Ehrlenspiel, Fraunhofer-Gesellschaft
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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