Hilfe: Sie befinden sich auf...

Charité-Universitätsmedizin Berlin, 08.02.02

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Charité-Universitätsmedizin Berlin, 08.02.02

Die Multiple Sklerose ist keineinheitliches Krankheitsbild

Die Multiple Sklerose (MS) ist weltweit die häufigste neurologische Erkrankung junger Erwachsener. Wahrscheinlich ist das Krankheitsbild, das durch ganz unterschiedliche Verläufe gekennzeichnet ist, auch auf verschiedene Ursachen zurückzuführen und das Erscheinungsbild der MS nur das phänomenologische Endprodukt dieser Vielfalt. Zu dieser Einschätzung kommt Professor Wolfgang Brück vom "Institut für Neuropathologie" der Charité. Er hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Wien und Rochester/USA zeigen können, dass die durch MS verursachten Gewebeschäden verschiedener Patienten unter dem Mikroskop ganz unterschiedlich aussehen, was auf unterschiedliche Krankheitsarten hinweist. Insbesondere sind die Zerstörung der Markscheiden (die den zentralen Prozeß der Erkrankung ausmacht) und die Zerstörung der Nervenzellfortsätze (die die Signale von einer Nervenzelle auf die andere weiterleiten) zwei von einander unabhängige Prozesse.

Bis vor kurzem nahm man an, dass der entscheidende Vorgang bei der MS eine Autoimmunreaktion körpereigener Abwehrzellen ist, bei der das Immunsystems sich gegen Bestandteile der Umhüllung (Markscheide) von Nervenzellen richtet und die Hüllsubstanz mehr oder weniger großflächig zerstört. Die Wissenschaftler um Brück fanden nun heraus, daß Immunphänomene allein die Multiple Sklerose nicht in ihrem ganzen Ausmaß erklären können, vielmehr nur für einen Teil der Fälle verantwortlich sind. Die Zerstörung der Gehirnzellen (Oligodendrozyten), die die Markscheiden bilden, beruht in weiteren Gruppe von MS-Fällen auf Schäden oder Störungen im Stoffwechsel dieser Zellen und das Immunsystem ist daran vermutlich nur sekundär beteiligt. Diese Stoffwechselstörungen sind vermutlich auf Gendefekte zurückzuführen. Die Forscher haben an Hand histo-pathologischer Untersuchungen auch nachweisen können, daß bei einer größeren Gruppe von Patienten die Zerstörungen an den Achsenzylindern der Nervenzellen, die in bildgebenden Verfahren wie der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) als "schwarze Löcher" dargestellt werden und eine schlechte Prognose anzeigen, als degenerative Vorgänge einzustufen sind.
Zur Zeit sind die Wissenschaftler dabei, die pathologisch-histologischen Befunde mit den klinischen Erscheinungen der MS, den Bildern des MRT und mit bestimmten für die MS typischen Markern im Blut und im Nervenwasser (Liquor) der Erkrankten in Beziehung zu setzen und somit die Untergruppen der Multiplen Sklerose zu umreißen.
Mit der Kenntnis unterschiedlicher Arten der MS kommen auch gezieltere Therapien in den Blick, die den zugrundeliegenen Krankheitsmechanismus berücksichtigen. Zumal das bekannteste Mittel gegen MS, Interferon, nur bei etwa einem Drittel der Patienten wirksam ist und sich offenbar nur gegen Immunphänomene richtet. Bei den degenerativen Vorgängen, die anti-entzündlich nicht zu beeinflussen sind, wird man vermutlich versuchen, den Stoffwechsel der Oligodendrozyten, etwa mit Wachstumsfaktoren, zu verändern. Es gibt auch Hinweise darauf, daß mit Copaxone, einem Gemisch aus drei Aminosäuren, das jetzt auch in Deutschland zugelassen ist, die Entstehung "schwarzer Löcher" zu verhindern ist, sofern das Mittel frühzeitig und langfristig eingesetzt wird.

Professor Brück hat für seine Arbeiten in jüngster Zeit zwei Preise erhalten: Am 12. Januar wurde ihm der mit 5000 Euro dotierte Queckenstaedt-Preis 2002 des Landesverbands Mecklenburg Vorpommern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft verliehen und am 16. Januar wurde er mit dem Langheinrich-Preis 2000 der gleichnamigen Stiftung für "die beste Arbeit aus den Jahren 1999/2000 auf dem Gebiet der Multiple Sklerose Forschung" ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 DM ausgestattet. ( MRT- Bilder auf Anfrage per e-mail verfügbar). Silvia Schattenfroh


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Wichtiges Brustkrebs-Gen entdeckt 
 Pflanzenforschung: Wer Feinde abwehrt, gedeiht schlechter