Hilfe: Sie befinden sich auf...

Universitätsklinikum Heidelberg, 21.07.05

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Universitätsklinikum Heidelberg, 21.07.05

Mukoviszidose: Von der Genmutation zum Lungenleiden

Neues Tiermodell erlaubt erstmals Studien zu Krankheitsentstehung und möglichen Therapien / Erfolgreiche Forschung wird am Universitätsklinikum Heidelberg mit 1,37 Millionen Euro gefördert

Dr. Marcus Mall, Leiter der Forschungsgruppe Zystische Fibrose/Chronische Atemwegserkrankungen an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg.
Foto: Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg

Mit einem neuen Mausmodell ist es jetzt erstmals möglich, am lebenden Organismus Studien zu Entstehung und Krankheitsverlauf von Mukoviszidose, auch Zystische Fibrose genannt, durchzuführen. Das Tiermodell soll auch dazu beitragen, mögliche Therapieansätze für die unheilbare Atemwegserkrankung zu entwickeln.

Das Projekt von Dr. Marcus Mall, Arzt und Wissenschaftler an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, wird mit rund 1,37 Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren von einem Förderprogramm der Europäischen Union, den so genannten Marie Curie Excellence Grants, unterstützt. Dr. Marcus Mall, der das Mausmodell in den USA entwickelt hatte, führt seit Mai 2005 seine wissenschaftliche Arbeit als Leiter der neuen Forschungsgruppe "Zystische Fibrose/Chronische Atemwegserkrankungen" in der Abteilung von Professor Dr. Andreas Kulozik fort.


Fehlerhaftes Gen führt zu gestörter Atmung und Verdauung

In Deutschland leben rund 8.000 Menschen mit der Erbkrankheit Mukoviszidose. Fünf Prozent der Bevölkerung, also rund vier Millionen Menschen, sind gesunde Merkmalsträger, die diese Erkrankung weitervererben können - meist ohne es zu wissen.

Bei der Mukosviszidose führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass die Salz- und Flüssigkeitszusammensetzung von Sekreten in Lunge und Darm, aber auch in anderen Organen (z.B. in der Leber) verändert wird. Der zähe Schleim verklumpt und kann nicht abtransportiert werden. Schwere Störungen von Atmung und Verdauung sind die Folge. Dank Krankengymnastik, Inhalationen und Medikamenten hat sich die Prognose der Betroffenen in den letzten Jahren erheblich verbessert. 80 Prozent der Erkrankten erreichen mindestens das 19. Lebensjahr.

Mäuse mit veränderten Zellkanälen entwickeln Lungenentzündung

Bisher war nicht genau bekannt, wie die Mutation im so genannten CFTR-Gen ("Cystis Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator"-Gen) den Salz- und Wassertransport in den Organen beeinflusst. Mit Hilfe des neuen Mausmodells gelang es Dr. Marcus Mall, den direkten Zusammenhang zwischen fehlerhaftem Gen und Krankheitsentstehung nachzuweisen: Bestimmte Kanäle in den Zelloberflächen spielen eine Schlüsselrolle. Sie transportieren Natrium-Ionen und kontrollieren damit den Salz- und Flüssigkeitsgehalt von Zellen und Sekreten in den Atemwegen. Mäuse, deren Natrium-Kanäle verändert waren, entwickelten die Mukoviszidose-typische Lungenentzündung.

"Mit weiteren Studien wollen wir die Krankheitsentstehung noch genauer verstehen und neue Angriffspunkte für mögliche Therapien aufdecken", erklärt Dr. Marcus Mall. Die Ergebnisse sollen außerdem dazu beitragen, Mukoviszidose bei betroffenen Kindern früher festzustellen und den Krankheitsverlauf abhängig von der Genveränderung besser vorhersagen zu können. "Je früher spezifische Therapiemöglichkeiten bei den Patienten angewendet werden, desto höher ist die Lebenserwartung und Lebensqualität der Betroffenen."

Aufbau der Arbeitsgruppe in Heidelberg wird mit weiteren Fördergeldern unterstützt

Der junge Mediziner mit den Schwerpunkten Kinderpneumologie und Mukoviszidose arbeitet seit August 2004 an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendmedizin Heidelberg. "Ich habe mich bewusst für Heidelberg entschieden, da ich hier sowohl als Arzt als auch als Wissenschaftler in einem hervorragenden Umfeld arbeiten kann", begründet Dr. Marcus Mall seine Entscheidung. "Mit Hilfe der EU-Förderung kann ich hier eine unabhängige Arbeitsgruppe aufbauen." Damit hat das Programm sein Ziel, junge Spitzenkräfte aus dem Ausland nach Europa zu holen und hier zu unterstützen, erreicht.

Die erfolgreichen Arbeiten von Dr. Marcus Mall wurden von der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. mit dem mit 5.000 Euro dotierten Johannes Wenner-Preis 2005 ausgezeichnet und werden - neben dem Marie Curie Excellence Grant - auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der North American Cystic Fibrosis Foundation (CFF) und der Mukosviszidose e.V. gefördert.

Kontakt:
Dr. Marcus Mall
Tel.: 06221/56 88 40
E-Mail: Marcus.Mall@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=7334

Literatur:
Mall M, Grubb BR, Harkema JR, O'Neal WK, Boucher RC. Increased airway epithelial Na(+) absorption produces cystic fibrosis-like lung disease in mice. Nat Med 2004;10:487-493.

Kommentar in: Frizzell RA, Pilewski JM. Finally, mice with CF lung disease. Nat Med 2004;10:452-454.

(Die Originalartikel könnnen bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Wie machen Androgene den Mann zum Mann? 
 Forschung und Lehre in privater Hand bestens aufgehoben