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Universitätsklinikum Gießen, 04.10.05

Modernes Krebsmedikament wirksam bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen

Zukunftsweisender Einsatz von modernem Krebsmedikament gegen chronische Herz- und Lungenkrankheiten
"Die molekularen Mechanismen, die zur Zellvermehrung in einem Tumor führen, spielen auch bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen eine Schlüsselrolle," erklärt Professor Friedrich Grimminger, Leiter der Abteilung Medizinische Klinik V "Pulmologische Onkologie" des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. Bei vielen chronischen Volkserkrankungen, wie z.B. der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), dem Bluthochdruck im großen Kreislauf, aber auch dem Lungenhochruck, dem Lungenemphysem und der Lungenfibrose kommt es zu gutartigen Gewebewucherungen. Dabei vermehren sich die Zellen in den Wänden der Blutgefäße oder der Atemwege. Sie verengen sich schleichend und behindern Blutfluss und Atmung. Ein Abbau der einmal entstandenen Wandschichten war bislang nicht möglich, mit der Folge, daß diese degenerativen Veränderungen noch vor den Krebserkrankungen weltweit als die häufigste Todesursache gelten.

Umso bedeutsamer sind die Ergebnisse der ersten klinischen Fallbeschreibungen der Lungenärzte Prof. Friedrich Grimminger und Dr. Ardeschir Ghofrani mit der jüngsten Generation von Tumormedikamenten speziell bei den gutartigen Gewebewucherungen bei chronischen Lungenerkrankungen, wie z.B. dem Lungenhochdruck, der Lungenfibrose und der chronischen Bronchitis (COPD): Mit dem Wirkstoff "Imatinib", einem Tyrosinkinasehemmer, gelingt es gezielt den unkontrolliert wachsenden Zellen das Signal zum Absterben zu geben. Ein Absterben von Zellen konnte bisher nur durch die Vergiftung des gesamten Körpers mit aggressiven Chemotherapien erreicht werden. Durch die modernen Krebsmedikamente werden die Gefäße wieder dünner und dehnbarer. Diese zukunftsweisenden Beobachtungen wurden jüngst in Amerika vorgestellt und jetzt im renommiertesten Medizinjournal, dem New England Journal of Medicine (NEJM), publiziert.

Erneuter Erfolg der "Translationalen Medizin" innerhalb von 18 Monaten
In der zeitgleich durchgeführten wissenschaftlichen Grundlagenuntersuchung gelang es der Arbeitsgruppe des Sonderforschungsbereiches 547 "Kardiopulmonales Gefäßsystem" unter der Leitung von Priv.-Doz. Ralph Schermuly erstmals die erfolgreiche Behandlung des Lungenhochdrucks mit "Imatinib" in präklinischen Studien beschreiben und zu publizieren.
Die wechselseitige Kooperation zwischen den Giessener Grundlagenforschern und Klinikern liefert zum zweiten Mal innerhalb von 18 Monaten die maßgeblichen Vorraussetzungen für eine weltweite klinische Studie, in der die Wirksamkeit der neuen Therapie an einer großen Zahl von Patienten untersucht wird. Das erste Erfolgsbeispiel der hier praktizierten translationalen Medizin ist die "Giessener Everest Studie". Die Höhenstudie, und die daraufhin erfolgte Zulassung des Viagra Wirkstoffes gegen Lungenhochdruck in Amerika im Juni 2005, hatte weltweite Aufmerksamkeit ausgelöst.

Lungenmedizin am Standort Gießen: "vom Labor zum Krankenbett und zurück"
Prof. Werner Seeger, Mitglied des Wissenschaftsrates und gegenwärtiger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin freut sich über den weiteren Erfolg des modernen Konzeptes und lobt dieses Projekt als neuerliches Beispiel für translationale Forschung oder den "From Bench To Bedside"- Ansatz.

Weitere Informationen:


Petra Stein, Universitätsklinikum Gießen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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