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Charité-Universitätsmedizin Berlin, 16.05.00

Meilenstein in der Herzklappen-Chirurgie

AUS DER MEDIZIN FÜR DIE MEDIEN 16 -2000

Schäden an den Herzklappen, ob angeboren oder erworben, können in vielen Fällen nicht durch Reparatur oder Rekonstruktion behoben werden. Vielmehr benötigt der Betroffene dann eine neue Klappe. Verwendung finden humane (von Verstorbenen stammende) Klappen oder andere biologische, meist vom Schwein, sowie mechanische Konstruktionen.

An der "Klinik für kardiovaskuläre Chirurgie" der Charité hat Professor Wolfgang Konertz am 20. April dieses Jahres weltweit erstmals einem Patienten eine humane Klappe implantiert, deren Oberfläche mit patienteneigenen Zellen vollständig besiedelt war, wodurch gewissermaßen ein körpereigenes Reparaturmaterial enstanden ist. Dieses Ergebnis der Gewebezüchtung (Tissue engineering) ist ein Erfolg der klinikeigenen Labors. Für die Besiedelung der in Ausssicht genommenen humanen Klappe wurden sogenannte Endothelzellen verwendet. Das sind jene Zellen, die sowohl das Innere von Gefäßen (Arterien und Venen) als auch die Innenwand des Herzens auskleiden und aus denen auch die Herzklappen gebildet sind.
Die benötigten Endothelzellen wurden dem Patienten drei Wochen vor der Operation aus einer Vene des Unterarms entnommen und im Labor auf die Oberfläche der Klappe, die ihm implantiert werden sollte, aufgebracht, wo sie im Laufe der folgenden Wochen anwuchsen und sich ausbreiteten.

Der Patient war 44 Jahre alt und hatte irraparable Schäden an seiner Aortenklappe, jener Klappe, durch die das Blut aus dem linken Herzen in die Aorta, die Körperschlagader, gelangt. Konertz und sein Team führten bei dem Mann eine sogenannte Ross-Operation durch. Dabei wird die gesunde Pulmonalisklappe an die Stelle der zerstörten Aortenklappe gepflanzt und in der Pulmonalis-Position eine neue, in diesem Fall die per Gewebezüchtung individualisierte Klappe, implantiert. Der Empfänger konnte nach 13 Tagen die Klinik verlassen. Die Ultraschalluntersuchung hatte die einwandfreie Funktion der Klappen erwiesen.
Auf Grund entsprechender experimenteller Erfahrungen (Tierversuch) erwartet Konertz, daß der Endothel-Rasen auf der Klappenoberfläche im Laufe der Zeit immer stärker in ihre Grundstruktur einwachsen und dieses Fremdgewebe allmählich, etwa innerhalb eines Jahres, ersetzen wird. Dann besäße der Patient wiederum eine vollkommen körpereigene Herzklappe.
Silvia Schattenfroh
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Charité
MEDIZINISCHE FAKULTÄT DER HUMBOLDT - UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Dekanat
Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13 353 Berlin

FON:(030) 450-70-400
FAX: (030) 450-70-940
e-mail: silvia.schattenfroh@charite.de


Dr. med. Silvia Schattenfroh, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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