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Stiftung Kindergesundheit, 18.05.06

Masern - die unterschätzte Gefahr

Masern sind eine hoch ansteckende, nicht harmlose Kinderkrankheit. Die aktuelle Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass noch immer Menschen an dieser Krankheit sterben, im Jahr 2004 waren es weltweit 454.000. In Deutschland gibt es heute in etwa ein bis vier Masernerkrankungen mit tödlichem Ausgang.

Die WHO hat es sich 1984 zum Ziel gesetzt, neben Kinderlähmung und Diphtherie auch die Masern bis zum Jahr 2010 vollständig auszurotten. Demnach müssten 95 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eines Landes gegen Masern geimpft sein. Die Einführung der Masernimpfung hierzulande (1973 in den alten Bundesländern, 1967 in der ehemaligen DDR) hat zwar zu einem Rückgang der Masernerkrankungen geführt, jedoch nicht zu einer Ausrottung der Masernviren, da die Impfraten noch immer suboptimal sind.

Bundesweit erhalten zurzeit etwa 93,5 Prozent aller Kleinkinder die empfohlene Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Schon bei der zweiten MMR-Impfung, die 4 Wochen nach der ersten erfolgen sollte, sinkt die Impfrate auf 65,7 Prozent ab.
Ausgelöst durch den großen Masernausbruch in Nordrhein-Westfalen fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erneut eine gesetzliche Impfpflicht.
Masern sind eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung, die in zwei Phasen verläuft. Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 12 Tage. Der Beginn ist untypisch: Das Kind fühlt sich unwohl, hat Schnupfen und Reizhusten, verquollene, rote Augen und Halsschmerzen, das Fieber steigt leicht an. Zu diesem Zeitpunkt besteht für etwa eine Woche Ansteckungsgefahr. Zwei bis drei Tage später zeigen sich auf der Mundschleimhaut gegenüber den Backenzähnen kalkspritzähnliche grauweiße Flecken. Wenn die Flecken da sind, folgt mit großer Sicherheit ein bis drei Tage später auch der Hautausschlag, der sich - beginnend mit kleinen roten Flecken - über den ganzen Körper ausdehnen kann und sich nach der Ausbreitung innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder zurückbildet. Dies ist die zweite Phase der Erkrankung.
Bei jedem siebten Kind führt diese Krankheit zu Komplikationen. Durch das Masernvirus werden die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers geschwächt, was das Kind für Infektionen aller Art anfällig macht. Es kann beispielsweise zu Lungen- oder Mittelohrentzündungen kommen. In besonders schweren Fällen kann es auch zu einer Masern-Enzephalitis (Hirnhautentzündung) kommen, gegen die es noch kein wirksames Medikament gibt. Experten des Robert-Koch-Instituts rechnen auf 500 bis 2000 Masernerkrankungen einmal mit einer Masern-Enzephalitis. Die Sterblichkeit bei dieser schweren Komplikation ist mit 10 bis 20 Prozent relativ hoch.
Eine weitere Komplikation, die in jedem Fall tödlich verläuft, jedoch äußerst selten auftritt, ist die so genannte subakute sklerorierende Panenzephalitis (SSPE). Diese Krankheit setzt schleichend, oft erst Jahre nach der Masernerkrankung ein und führt zur Zerstörung des Gehirns. Von den 14 SSPE-Fällen, die in dem Zeitraum von Januar 2003 bis Februar 2006 registriert wurden, erkrankten 8 Kinder im ersten Lebensjahr an Masern, also zu einem Zeitpunkt, als sie noch gar nicht gegen Masern geimpft sein konnten.
So lange nicht alle Kinder gegen Masern geimpft sind, wird es immer wieder Erkrankungen geben. Menschen, die nach ihrem 10. Geburtstag oder erst als Erwachsene Masern bekommen, erkranken zwei- bis dreimal häufiger an einer Enzephalitis als Kinder unter fünf Jahren.

Vorbeugen ist besser als heilen.
Deshalb setzt sich die Stiftung Kindergesundheit, unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital München, für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Weiter Informationen unter: http://www.kindergesundheit.de


Dipl. oec. troph. Hildegard Debe, Stiftung Kindergesundheit
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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