Hilfe: Sie befinden sich auf...

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 15.10.04

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 15.10.04

Mainzer Psychiater leistet wegweisenden Beitrag zur Klärung der schizophrenen Hirnfunktionsstörung

Verminderter Signal-Rausch-Abstand der Nervenfunktionen in Stirnhirn festgestellt - Dopamin Stoffwechselstörung - Therapie als Ziel

(Mainz, 15. Oktober 2004) "Was die Welt im Innersten zusammenhält" (Goethe, Faust) ist bei Schizophrenie gestört. In der aktuellen November-Ausgabe des hochrangigen Wissenschaftsjournals Trends in Neurosciences (TINS, Vol. 27: 683-690) berichten Priv.-Doz. Dr. med. Georg Winterer von der Psychiatrischen Klinik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie sein Kooperationspartner Dr. Daniel R. Weinberger vom Nationalen Institut für Seelische Gesundheit (Bethesda, USA) über ihre jüngsten Forschungsergebnisse zu den molekulargenetischen Grundlagen gestörter Hirnfunktion bei Schizophrenie. Gleichzeitig wird auf der Basis früherer Forschung eine komplett revidierte Theorie zur schizophrenen Pathophysiologie vorgeschlagen. Die Forscher gehen dabei das medizinische Problem der schizophrenen Erkrankung von zwei Seiten an: mittels Phänotypisierung und mittels Genotypisierung.


Die Phänotypisierung, d.h. die Charakterisierung und Quantifizierung abnormer Hirnfunktion, erfolgte hierbei durch die Anwendung elektrophysiologischer Verfahren (EEG) sowie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Entsprechende Untersuchungen ergaben, dass bei schizophrenen Patienten und einem Teil ihrer
nicht-erkrankten Angehörigen ein verminderter Signal-Rausch-Abstand der Nervenfunktion in der Hirnrinde und vor allem im Stirnhirn besteht. Dieses Funktionsdefizit führt zu einer Entfokussierung bzw. zu einem Zusammenbruch von Reizrepräsentationen in der Rinde des Gehirns und damit zu einer instabilen Abbildung äußerer und innerer Erlebnisinhalte sowie einer nachhaltig gestörten Aufmerksamkeit und Arbeitszeitgedächtnisleistung. Maßgeblichen Anteil am Erfolg dieser Forschungsarbeiten hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die bereits in den 90er Jahren ein entsprechendes Forschungsprojekt von Winterer in Berlin unterstützte und damit einen essentiellen Grundstein legte.

Die sich anschließende Genotypisierungsarbeiten in Bethesda, Berlin und zuletzt in Mainz ergaben, dass der verminderte kortikale Signal-Rausch-Abstand durch eine Stoffwechselstörung des Neurotransmitters Dopamin, d.h. durch eine genetisch-bedingte, nur beim Menschen vorkommende Variante des Enzyms Catechol-O-Methyltransferase (COMT), verursacht wird. Allerdings betonen die Forscher, dass dieser genetische Mechanismus nur einen Teil der bei Schizophrenie zu beobachtenden Hirnfunktionsstörung erkläre. Weitere genetische Variationen sowie Umwelteinflüsse (z.B. Drogenkonsum, Geburtskomplikationen) würden gemeinsam zu einer "ungünstigen Konstellation" und in der Folge zum Krankheitsausbruch führen.

Die nach vielen Jahren vergeblicher Arbeit nun letztlich doch erfolgreiche Entschlüsselung der molekulargenetischen Mechanismen der Schizophrenie durch mehrere Forschungszentren weltweit wurde im vergangenen Jahr durch das renommierte Wissenschaftsjournal Science als die zweitwichtigste Entdeckung des Jahres gewürdigt. Entscheidend hierbei ist weniger die genetische Identifizierung von Hoch-Risikopersonen, sondern die sich dadurch eröffnende Möglichkeit der Entwicklung völlig neuartiger Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie. Dieser Herausforderung will sich Winterer in den kommenden Jahren stellen, wobei eine enge Zusammenarbeit zwischen Universitätsklinik sowie Industrie - auch mit einem lokalen privatwirtschaftlichen Partner - etabliert wurde. Im Zentrum des Interesses stehen hierbei Pharmaka mit schützender Wirkung auf sogenannte "neurodegenerative" Vorgänge bei jungen Patienten, da sich hier auch Möglichkeiten für die sehr frühe prophylaktische Behandlung von Risiko-Personen für die Alzheimer Erkrankung ergeben könnten.

Kontakt und Informationen:
PD Dr. med. Georg Winterer
Psychiatrische Klinik und Poliklinik
Tel. 06131 17-2488
Fax 06131 17-6690
E-Mail: winterer@psychiatrie.klinik.uni-mainz.de


Petra Giegerich, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Hintergrundinformation Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien) 
 Krebserregender Brauch: Das Kauen von Betelblättern und Areca-Nuss