Hilfe: Sie befinden sich auf...

Universität Potsdam, 05.03.08

Ergänzend zum Artikel

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die Schlagworte zum Artikel klicken, um (andere) Artikel zu den jeweiligen Schlagworten anzuzeigen.
Auf der rechten Seite finden Sie ebenfalls Artikelinks und weitere Informationen zu den Schlagworten dieses Artikels.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Universität Potsdam, 05.03.08

Männliche Partnerwahl und die stabile Koexistenz sexueller und asexueller Fischarten

Warum gibt es Sex? Natürlich ist damit nicht die Frage gemeint, warum es zwischen einigen Menschen zu weitreichenden Kontakten kommt, zwischen anderen dagegen nicht. In der Biologie ist es eine wesentliche Frage, zu erklären, warum es sexuelle Rekombination in der Natur gibt. Dr. Martin Plath von der Arbeitsgruppe Tierökologie der Universität Potsdam untersucht gemeinsam mit seinen amerikanischen Kollegen Rüdiger Riesch und Prof. Ingo Schlupp vom Department of Zoology in Norman, Oklahoma (USA) die Koexistenz sexueller und asexueller Fischarten der Gattung Poecilia (lebendgebärende Zahnkärpflinge) in Südtexas und Nordmexiko.


Nicht selten kommt es vor, dass in einer Population spontan eine Mutante, ein genetisch verändertes Lebewesen, auftritt, die keinen Sex braucht, um Nachkommen hervorzubringen. Was passiert nun in solchen "gemischten" Populationen? Die asexuelle Art besteht nur aus Weibchen und erzeugt in der nächsten Generation erneut nur weibliche Nachkommen, die mit der Mutter genetisch identisch sind. Man spricht hier von natürlichen Klonen. Anders hingegen ist es bei der sexuellen Art. Hier entstehen zu gleichen Anteilen Männchen und Weibchen. Diese Männchen erzeugen selber keine Jungtiere, sondern liefern lediglich Spermien, so dass theoretisch sehr wenige Männchen ausreichen würden, um eine sexuelle Population "am Leben" zu erhalten. Theoretische Überlegungen zeigen, dass sexuelle Arten einen Nachteil gegenüber asexuellen haben, weil das Populationswachstum asexueller Arten das der sexuellen bei weitem übertrifft. Längerfristig führt dies zum lokalen Aussterben sexueller Arten.

In Texas bilden asexuelle Amazonenkärpflinge (Poecilia formosa) mit sexuellen Breitflossenkärpflingen (P. latipinna) gemischte Populationen. Die Besonderheit in diesem System liegt darin, dass die asexuellen Amazonenkärpflinge spermienabhängig sind. Das heißt, sie erzeugen zwar klonale Nachkommen, benötigen aber Spermien der sexuellen Art, um die Embryonalentwicklung ihrer Eier auszulösen. In solchen Systemen, so sagen es theoretische Modelle voraus, wird langfristig zuerst die sexuelle Art verdrängt, und kurz darauf stirbt die asexuelle Art aus, da sie nicht ohne die Männchen der sexuellen Art existieren kann. Es ergibt sich die Frage, warum beide Arten stabil miteinander koexistieren können. Aus Studien ist bekannt, dass Breitflossenkärpflingsmännchen im Labor Paarungspräferenzen für arteigene Weibchen zeigen. Theoretisch könnte die "Verhaltensregulation" tatsächlich eine wichtige Rolle für die Koexistenz sexueller und asexueller Poecilia-Arten spielen, wenn die Partnerwahl der Männchen den asexuellen Weibchen einen Nachteil in Form von geringeren Nachkommenszahlen verschafft. Bislang war es jedoch völlig unklar, ob männliche Partnerwahl unter natürlichen Bedingungen stattfindet und ob dies Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der zwei Weibchentypen im Freiland hat. Männchen gelten als weniger wählerisch im Vergleich zu den Weibchen, da die Spermienproduktion als wenig energieaufwendig angesehen wird. In einer Feldstudie wurden gemischte Populationen im Verlauf eines Jahres mehrfach beprobt. Weibchen beider Arten wurden untersucht. Es stellte sich heraus, dass ein wesentlich höherer Anteil sexueller Weibchen Spermien in ihrem Genitaltrakt hatte. Unter diesen Weibchen war die Anzahl der Spermien im Genitaltrakt bei den sexuellen Weibchen höher. Weitere Untersuchungen zeigen, dass asexuelle Weibchen eine größere Anzahl unbefruchtete Eier haben als sexuelle. Es scheint also, dass die männliche Partnerwahl in der Tat der Schlüssel zum Verständnis der stabilen Koexistenz sexueller und asexueller Poecilia-Arten darstellt.

Ihre neuesten Forschungsergebnisse veröffentlichen die Biologen aus Potsdam und Norman in der Zeitschrift Biology Letters der Proceedings of the Royal Society London.

Hinweis an die Redaktionen:
Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Martin Plath von der Universität Potsdam telefonisch unter 0331/977-5586, E-Mail: mplath@uni-potsdam.de oder martin_plath@web.de zur Verfügung.

Riesch, R.; Schlupp, I.; Plath, M. (2008) Female sperm-limitation in natural populations of a sexual/asexual mating-complex (Poecilia latipinna, Poecilia formosa). Proceedings of the Royal Society London: Biology Letters, online 5. März 2008

Weitere Informationen:


Andrea Benthien, Universität Potsdam
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Neue Studien zeigen: Salmonellen auch bei Mastschweinen und Mastputen ein Problem 
 Novo Nordisk fördert internationale Zusammenarbeit von Diabetesexperten - Ärzteaustausch mit Indien "Step by Step" erfolgreich

Klicken Sie auf die Schlagworte um weitere Links oder Infos dazu angezeigt zu bekommen

Wikipedia Logo
Asexualität ist eine sexuelle Orientierung. Als „asexueller Mensch“ kann ein Mensch verstanden werden, der − unabhängig von seinem Geschlecht − kein Bedürfnis nach sexueller Interaktion mit einer anderen Person hat („sexuelle Lustlosigkeit“). Eine wissenschaftliche Definition von Asexualität speziell für den Menschen gibt es noch nicht. Die Kurzdefinition eines asexuellen Menschen der Official Asexual Society in den Niederlanden lautet: „Geboren ohne sexuelle Gefühle“ („Born without sexual feelings“)[1]. Wikipedia


 

Wikipedia Logo
Fische (Pisces) sind wechselwarme, fast ausschließlich im Wasser lebende Wirbeltiere mit Kiemen. Etwa die Hälfte aller Wirbeltierarten sind Fische, die ältesten bekannten Fossilien sind rund 450 Millionen Jahre alt. Man unterscheidet Knorpelfische (Chondrichthyes), zu denen unter anderem die Haie und Rochen zählen, und Knochenfische (Osteichthyes), die alle anderen Fische umfassen. Zwei weitere Fischtaxa, die Panzerfische (Placodermi) und die Stachelhaie (Acanthodii), sind ausgestorben. Wikipedia


 
Weitere Artikel zu "Partnerwahl"

Wikipedia Logo
Die Partnerwahl ist der Vorgang für eine kürzere oder langfristigere Zeitdauer einen Beziehungspartner zu bestimmen. Beim Prozess der Partnerwahl spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Menschen treffen ihre Wahl für oder gegen einen Partner nicht allein auf Basis sexueller Anziehungskraft, sondern auch aufgrund von lebensplanerischen Erwägungen, Gefühlen, Erfahrungen und habitueller Ähnlichkeiten. Die Partnerwahl ist auch bei mehrjährigen Partnerbindungen (Lebensgefährten, Ehe- oder Lebenspartner) nicht zwangsläufig mit einer Fortpflanzung oder dem Wunsch zur Fortpflanzung verbunden. Wikipedia


 

Archiv

Themen

Schlagworte

Anzeigen