Hilfe: Sie befinden sich auf...

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 03.11.05

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 03.11.05

Legasthenie: Risikogen identifiziert

Etwa fünf Millionen Deutsche haben große Schwierigkeiten, lesen und schreiben zu lernen. Häufig sind gleich mehrere Mitgliedern einer Familie betroffen. Den Erbanlagen scheint daher eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Legasthenie zuzukommen. Wissenschaftler der Universitäten Marburg, Würzburg und Bonn haben jetzt zusammen mit schwedischen Kollegen bei deutschen Kindern mit einer schweren Lese-Rechtschreibschwäche erstmals den Beitrag eines spezifischen Gens nachweisen können. Wie es genau zur Störung beiträgt, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise spielt die Erbanlage bei der Wanderung von Nervenzellen im sich entwickelnden Gehirn eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse werden in der Januar-Ausgabe des "American Journal of Human Genetics" erscheinen, sind aber bereits online abrufbar (http://www.journals.uchicago.edu/AJHG).

Über mehrere Jahre hatten Kinder- und Jugendpsychiater an den Universitäten Marburg und Würzburg nach Familien gefahndet, bei denen mindestens ein Kind von einer Lese-Rechtschreibschwäche betroffen war. "In Blutproben der Familien suchten wir dann nach Kandidatengenen - und wurden schließlich fündig", erklärt der Marburger Privatdozent Dr. Gerd Schulte-Körne, der diesen Teil der Studie leitete.

Das Gen liegt in einer Region von Chromosom 6, die auch schon von Wissenschaftlern aus den USA und England in Zusammenhang mit der Lese-Rechtschreibschwäche gebracht wurde. Dem deutsch-schwedischen Team gelang in dieser Region die Identifizierung eines einzelnen Gens, welches bei deutschen Kindern einen wichtigen Beitrag zur Entstehung einer Legasthenie zu leisten scheint. "Dieses so genannte DCDC2-Gen spielt anscheinend bei der Wanderung von Nervenzellen im sich entwickelnden Gehirn eine Rolle", sagt Professor Dr. Markus Nöthen vom Life & Brain Zentrum der Universität Bonn, der mit seiner Arbeitsgruppe für die molekularen Arbeiten verantwortlich war.


Bei Legasthenikern ist das DCDC2-Gen häufig verändert. Besonders oft fand sich die veränderte Genvariante bei Kindern mit einer schweren Rechtschreibschwäche. Die Erbanlage scheint daher vor allem für die Verarbeitung von Sprachinformation beim Schreiben wichtig zu sein. Die Forscher wollen nun die Funktion von DCDC2 noch besser verstehen und im Detail aufklären, warum Kinder, bei denen dieses Gen verändert ist, ein höheres Risiko für Rechtschreibprobleme haben.

Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt. Nöthen ist Inhaber des Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Lehrstuhls für Genetische Medizin. Das Life & Brain Zentrum ist ein neues Forschungszentrum des Universitätsklinikums Bonn, das sich mit modernsten Technologien der anwendungsnahen Ursachenforschung von Krankheiten widmet.

Etwa fünf Prozent aller Deutschen sind Legastheniker. Trotz guter Intelligenz und regelmäßigem Schulbesuch scheitern sie daran, Texte zu lesen und sich schriftlich mitzuteilen. Bei vielen Kindern wird die Lese-Rechtschreibschwäche zu spät erkannt - meist erst dann, wenn sie aufgrund der ausgeprägten Schulschwierigkeiten psychische Störungen entwickeln. Schulängste und Depressionen, sogar Selbstmordgedanken können die Folge sein.

Kontakt:
PD Dr. Gerd Schulte-Körne
Arbeitsgruppe Lese-Rechtschreibstörung
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und
-psychotherapie der Universität Marburg
Telefon: 06421/28 66467
E-mail: schulte1@med.uni-marburg.de

Prof. Dr. Markus Nöthen
Life & Brain Zentrum der Universität Bonn
Telefon: 0228/6885-404
E-Mail: markus.noethen@uni-bonn.de

Weitere Informationen:


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Impfen gegen Krebs 
 Sofort die 112 wählen!