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Universität zu Köln, 05.07.04

Krebs und Bildungsniveau

Krebs und Bildungsniveau
Über die Auswirkungen von Sozialstatus und Lebensgewohnheiten auf das Krebsrisiko

Das Risiko an Mundhöhlenkrebs zu erkranken ist im hohen Maße vom sozialen Status der Menschen abhängig: Patienten mit Tumor im Mundraum haben im Vergleich zu Durchschnittsbürgern ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau, waren längere Zeit arbeitslos und sind in größerer Zahl alleinstehend. Mundhöhlenkrebs zählt weltweit zu den am häufigsten vorkommenden Krebsarten. Dabei ist diese Erkrankung auch eine der gefährlichsten und tödlichsten: Für circa die Hälfte aller Betroffenen kommt trotz medizinischer Fortschritte jede Hilfe zu spät. Um so wichtiger ist es, Ursachenforschung zu betreiben, damit krebsfördernde Umstände frühzeitig erkannt und nach Möglichkeit beseitigt werden können. Dr. Birgit Imping vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität zu Köln widmet sich genau dieser Aufgabe und kommt dabei in ihrer Studie zu erstaunlichen Ergebnissen.


Neunzig Prozent der von ihr untersuchten Tumorpatienten haben nur eine niedrige Schulbildung (Hauptschulabschluss oder ähnliches). Einen Abschluss mit Abitur können dagegen nur weniger als sechs Prozent der Untersuchungsteilnehmer vorweisen. Ebenfalls auffällig ist die im Vergleich zur Durchschnittsquote doppelt so hohe Arbeitslosigkeit bei den betroffenen Patienten sowie der mit einem Fünftel bemessene Anteil an Personen im Vorruhestand.

Die Kölner Medizinerin sieht in diesen Ergebnissen die These bestätigt, dass eine angemessene berufliche Betätigung die Wertschätzung der eigenen Person steigert, was sich wiederum positiv auf das Gesundheitsverhalten der Menschen auswirkt. Bleibt der soziale und berufliche Erfolg versagt, sinkt das Selbstvertrauen und damit auch häufig die Sorge um die eigene Gesundheit. Ein höheres Krebsrisiko ist die Folge. Im Falle des Mundhöhlenkrebses spiegelt sich dies vor allem in einer mehr als mangelhaften Mundhygiene wider: Regelmäßige Zahnarztbesuche werden genauso vernachlässigt wie tägliches Zähneputzen. Nur ein Fünftel der Untersuchten erfüllte die Kriterien für gute Mundhygiene.

Ein niedriges Selbstwertgefühl geht oft auch einher mit Alkoholmissbrauch und starkem Tabakkonsum. Die übermäßige Einnahme der beiden Substanzen fördert die Ausbreitung bösartiger Tumore im Mundraum. So ist es kein Wunder, dass die von Dr. Imping untersuchten Patienten häufiger und mehr zum Glimmstengel greifen als Durchschnittsdeutsche. Alkohol begünstigt noch zusätzlich die schädliche Wirkung des Rauchens, kann - im Überfluss genossen - aber auch bei Nichtrauchern zu Mundhöhlenkrebs führen: Zwei Drittel aller derartigen Tumore entstehen allein aufgrund von exzessivem Alkoholkonsum.

Mit der Verdeutlichung der Ursachen von Mundhöhlenkrebs glaubt die Kölner Medizinerin Zahnärzten eine nützliche Hilfe für die frühzeitige Erkennung von gefährdeten Personen gegeben zu haben. Ein niedriger sozialer Status verbunden mit schlechter Gesundheitsvorsorge und damit einhergehender mangelhafter Mundhygiene sind erste Alarmzeichen. Gesellen sich noch Alkohol und Tabak hinzu, ist es höchste Zeit zum Handeln.

Verantwortlich: Martin Fritz

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Martin Scheer unter der Telefonnummer (0221)478-5791, der Fax-Nummer (0221)478-7360 und der E-Mail Adresse m.scheer@uni-koeln.de zur Verfügung. Unsere Presseinformationen finden sie auch im Internet unter: http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dank-bar.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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