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Universitätsklinikum Heidelberg, 10.08.05

Intakte Schleimbarriere im Darm

Lecithin lindert Beschwerden und heilt Geschwüre bei chronischer Darmentzündung / Klinische Studie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg veröffentlicht

Ein viel versprechendes Medikament gegen die chronische Dickdarmentzündung "Colitis ulcerosa" haben Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg erstmals erfolgreich bei Patienten getestet: Das im Fettgemisch Lecithin enthaltene und darin speziell aufbereitete Fett Phosphatidylcholin konnte die Beschwerden deutlich lindern und sogar eine vollständige Gesundung herbeiführen. Die Arbeit des Teams von Professor Dr. Wolfgang Stremmel, dem Ärztlichen Direktor der Abteilung Gastroenterologie, wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift "Gut" veröffentlicht.


An Colitis ulcerosa leiden rund 200.000 Menschen in Deutschland. Meist beginnt die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter; blutige Durchfälle und heftige Schmerzen durch Geschwüre im Dickdarm prägen das Krankheitsbild - oft ein Leben lang. Die Ursache der Erkrankung, die das Risiko für Darmkrebs vervielfacht, ist nicht bekannt. Medikamente können nur die Beschwerden lindern; dabei müssen jedoch erhebliche Nebenwirkungen in Kauf genommen werden, etwa bei der Einnahme des entzündungshemmenden Kortisons.

Seit Jahren beschäftigen sich die Heidelberger Wissenschaftler mit der Hypothese, dass bei Colitis ulcerosa die Schleimschicht auf den Darmzellen nicht mehr ausreichend Schutz vor Bakterien oder anderen Entzündungsauslösern bietet. So entdeckten Professor Stremmel und sein Team, dass Phosphatidylcholin ein wesentlicher Bestandteil der intakten Schleimbarriere im Darm ist. Patienten mit Colitis ulcerosa haben weniger von diesem speziellen Fett.

So effektiv wie Kortison, aber ohne Nebenwirkungen

In der Heidelberger Studie wurden 60 Patienten mit fortgeschrittener Colitis ulcerosa behandelt. Sie erhielten entweder Lecithin oder ein Scheinpräparat (Placebo). Das Fett wurde dafür künstlich verpackt, so dass es von Verdauungsenzymen nicht angegriffen werden konnte und langsam im unteren Dünndarm freigesetzt wird. Dort wurde es in den Schleim eingewoben und bot einen effektiven Schutz in hoher Konzentration.

Die Ergebnisse der Studie waren überzeugend: Bei rund 90 Prozent der mit Lecithin behandelten Patienten besserten sich innerhalb von drei Monaten die Beschwerden deutlich, rund 60 Prozent (Placebo-Gruppe: 10 Prozent) gesundeten sogar unter der Therapie, ohne dass Nebenwirkungen auftraten. "Diese Heilungsrate ist vergleichbar mit der Kortisontherapie, die allerdings erhebliche Komplikationen mit sich bringen kann", erklärt Professor Stremmel.

Umfangreiche Studie geplant / Wirksam auch bei anderen Darmerkrankungen?

Das verpackte und verzögert freigesetzte Fett kann voraussichtlich als nebenwirkungsfreies Medikament zur Behandlung von Darmentzündungen eingesetzt werden. Zunächst wird das Heidelberger Forscherteam die Ergebnisse jedoch an einer größeren Zahl von Patienten in einer klinischen Studie überprüfen, die von der Dietmar-Hopp-Stiftung gefördert wird. Möglicherweise können die Schleimhaut schützenden Fette ebenfalls segensreich bei anderen Darmerkrankungen wirken und vielleicht sogar zur Vorbeugung gegen Darmkrebs eingesetzt werden.

Bei Rückfragen:
Professor Dr. Wolfgang Stremmel
Ärztlicher Direktor, Abt. Innere Medizin IV Gastroenterologie
Telefon: 06221 / 56 87 05 ( Sekretariat)
E-Mail: wolfgang_stremmel@med.uni-heidelberg.de

Weitere Information zur Lecithinstudie im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=4386

Literatur:
W Stremmel, U Merle, A Zahn, F Autschbach, U Hinz, R Ehehalt:
Retarded release phosphatidylcholine benefits patients with chronic active ulcerative colitis.
GUT 2005, Band 54, Seite 966-971

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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