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Universität Hohenheim, 06.09.07

Auf ins All: Weltraumabenteuer für Hohenheimer Forschungsfische

Buntbarsche mit Prof. Dr. Hilbig(re) und Dr. Ralf Anken(li)
Universität Hohenheim

Warten auf den Flug ins All
Universität Hohenheim

Am 1. Februar 2003 verglühte mit der Raumfähre Columbia auch ein Experiment der Universität Hohenheim. Die Wissenschaftler PD Dr. Ralf Anken und Prof. Dr. Reinhard Hilbig wollten an 50 Fischen die Entwicklung der Gleichgewichtsorgane in der Schwerelosigkeit untersuchen. Nach diesem Misserfolg haben die Forscher eine Vielzahl gravitationsbiologischer Experimente (z.B. im Parabelflug) durchgeführt und beantragten auf der Grundlage vertiefter Erkenntnisse, den Raumflug zu wiederholen. In diesem September ist es soweit und es heißt für 30 Buntbarsch-Larven: Auf ins All! Als Lebenserhaltungssystem haben die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Ökophysiologie der Pflanzen in Erlangen sowie der Firma Kayser-Threde in München ein neues aquatisches Lebenserhaltungssystem (Spezialaquarium) entwickelt. Darin befinden sich neben den Fischen noch Algen, die den lebensnotwendigen Sauerstoff für die Fische produzieren sollen.


Ziel der Forschung sind neue Erkenntnisse, die unter anderem das Phänomen von Gleichgewichtsstörungen einer Klärung näher bringen sollen. Damit ließen sich möglicherweise Therapiemöglichkeiten für bisher weitgehend unerklärbare Krankheiten wie dem Menière?schen Syndrom liefern, von dem laut Schätzungen mehr als ein Prozent der Menschen betroffen sind. Bei dieser Krankheit leiden die Patienten unter schlagartig auftretendem Schwindel und Orientierungslosigkeit. Verantwortlich dafür sind vermutlich winzige Steinchen im Innenohr, die sogenannten Otolithen.

"Für unsere Grundlagenforschung am Innenohr führen wir die Untersuchungen allerdings an Fischen durch", erklärt Reinhard Hilbig. "Grund dafür ist, dass der Bereich im Ohr, der für die Schwerkraftwahrnehmung verantwortlich ist, bei Fischen genau wie beim Menschen funktioniert - nur dass Ohrsteinchen beim Fisch wesentlich größer sind, da er sich unter Wasser orientieren muss".

Im Weltraum-Experiment wollen die Forscher nun klären, welche Prozesse für die Entwicklung der Otolithen zuständig sein könnten: "Wir nehmen an, dass sich die Steine in der Schwerelosigkeit unkontrolliert vergrößern und asymmetrisch wachsen und wenn wir nachweisen könnten, dass das Gehirn diesen Wachstumsprozess steuert, wäre dies der Ansatz für ganz neue Therapiemöglichkeiten", so Ralf Anken.

Anken hat den Weltraumflug bereits im Jahr 1998 beantragt und so sind nun nach der langen Vorbereitungs- und Wartezeit sowie dem Columbia-Absturz die Erwartungen an diesen Flug ins All besonders hoch. Am 8. September 2007 machen sich die Wissenschaftler in Richtung Baikonur auf, um - nach diversen Sicherheitskontrollen und einem Umweg über Holland - ihre Fische per "Baikonurexpress" der ESA pünktlich am 14. September 2007 am Weltraumbahnhof verabschieden zu können. Da bleibt nur noch, den Fischen einen guten Flug sowie eine glückliche Landung zurück auf der Erde zu wünschen.

Kontaktadresse:
apl. Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Hilbig, Universität Hohenheim, Fachgebiet Zoologie - Bereich Neuro- und Entwicklungsbiologie
Tel. 0711 459-23349, E-Mail: rhilbig@uni-hohenheim.de

Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Ralf Anken, Universität Hohenheim, Fachgebiet Zoologie - Bereich Neuro- und Entwicklungsbiologie
Tel. 0711 459-24020, E-Mail: anken@uni-hohenheim.de


Florian Klebs, Universität Hohenheim
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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