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Universitätsklinikum Heidelberg, 19.08.05

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Universitätsklinikum Heidelberg, 19.08.05

Mehr Information aus dem Ultraschall

Exakte Diagnostik von Herzrhythmusstörungen für gezielte Schrittmachertherapie / Medizinische Universitätsklinik Heidelberg entwickelt neues Verfahren und startet klinische Studie

Links: "Im Takt schlagendes" Herz eines Gesunden (Synchronie). Rechts: Herz eines Patienten mit Rhythmusstörungen (Asynchronie, erkennbar an den roten Bereichen in der Herzwand).
Foto: Medizinische Universitätsklinik Heidelberg

Vision oder Utopie? Ein Herzspezialist untersucht einen Patienten, der an Herzschwäche und Rhythmusstörungen leidet, mit dem Ultraschallgerät. Wenige Knopfdrücke genügen, und der Computer zeigt an, ob der Patient einen Schrittmacher braucht, der seinen Herzschlag stabilisiert.

Schon in den nächsten Jahren könnte dieses Szenario zum klinischen Alltag gehören, denn ein neues Ultraschallverfahren, das derzeit an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg zur klinischen Reife gebracht wird, könnte die Behandlung von Patienten mit Herzschwäche und Rhythmusstörungen revolutionieren: Eine komplexe mathematische Funktion (Algorithmus) rechnet die Daten des bewegten Ultraschallbildes (Echokardiographie) um und stellt fest, ob und wo genau sich der Herzmuskel unregelmäßig kontrahiert.


Professor Dr. Helmuth Kücherer, Leitender Oberarzt der Abteilung Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, erforscht seit mehr als zehn Jahren die Perspektiven der Echokardiographie. Gemeinsam mit Kollegen an der Universität von San Francisco hat seine Arbeitsgruppe das neue Verfahren entwickelt, das eine objektive Auswertung von Ultraschallbildern des Herzens erlaubt und nun von der Firma Siemens Medical Solutions in die kommende Generation der Herz-Ultraschallgeräte aufgenommen werden soll.

Objektive Daten ergänzen Erfahrung des Arztes mit Ultraschall

"Derzeit ist die Qualität der Begutachtung stark vom Erfahrungsschatz des Arztes abhängig", erklärt Professor Kücherer. Dringend werden deshalb hieb- und stichfeste Daten benötigt, die eine sichere Therapieentscheidung - soll der Patienten einen Schrittmacher erhalten und wenn ja welchen Typ? - ermöglichen. Der sehr effektive Elektrostimulator, der das Herz wieder im Gleichklang schlagen lässt, sollten wegen hoher Kosten aber auch medizinischer Risiken nur implantiert werden, wenn dies tatsächlich erforderlich ist.

Dann allerdings profitieren die Patienten in hohem Maße von der neuen Technologie. "Klinische Studien haben kürzlich gezeigt, dass nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung der Patienten durch einen Schrittmacher, der beide Herzkammern stimuliert, verbessert werden kann", so Professor Kücherer.

Grauwerte im Ultraschallbild umgerechnet und mit Normwerten verglichen

Die Wissenschaftler machen sich dabei eine Technik zunutze, die bereits bei anderen bildgebenden Verfahren in der Medizin, z.B. in der nuklearmedizinischen Diagnostik, erfolgreich angewendet wird, die so genannte Fourier Phasenanalyse. Damit gelingt es, die unterschiedlichen Grauwerte eines Ultraschallbildes, die durch die Bewegungen der Herzmuskulatur hervorgerufen wird, objektiv zu messen.

"Mit dieser Methode können wir nicht nur Rhythmusstörungen sehr genau feststellen. Wir können auch sehen, ob die spezielle Schrittmachertherapie erfolgreich den Herzmuskel stabilisiert", sagt Dr. Grigorios Korosoglou, der sich in der Arbeitsgruppe intensiv mit der Weiterentwicklung der diagnostischen Methode befasst. "Eine noch genauere Erfassung des unregelmäßigen Herzschlages der linken Herzkammer wird mit Hilfe einer drei-dimensionalen Erfassung der Kontraktionsasynchronie erhofft", fügt Dr. Arthur Filusch hinzu, der sich ebenfalls in der Heidelberger Arbeitsgruppe mit der klinischen Prüfung der Methode befasst.

Eine klinische Studie mit 100 Patienten, die an ungleichmäßig schlagenden Herzkammern leiden, soll nun ermitteln, wie aussagekräftig das Ultraschallverfahren tatsächlich ist. Die Durchführung der Studie wird unter anderem durch das mit 25.000 Euro dotierte Max-Schaldach-Forschungsstipendium der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ermöglicht, das Dr. Korosoglou 2005 zugesprochen wurde.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Helmut Kücherer
Telefon: 06221 / 56 89 00
E-Mail: helmut.kuecherer@med.uni-heidelberg.de

Dr. Grigorios Korosoglou
Telefon: 06221 / 56 38 677
E-Mail: grigorios.korosoglou@med.uni-heidelberg.de

Dr. Arthur Filusch
Telefon: 06221 / 56 39595
E-Mail: arthur.filusch@med.uni-heidelberg.de

Weitere Information im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=3678
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=3701

Literatur:
Bekeredjian R, Hilbel T, Filusch A, Hansen A, Benz A, Zehelein J, Kuecherer HF: Fourier phase and amplitude analysis for automated objective evaluation of myocardial contrast echocardiograms. Int J Cardiovasc Imaging. 2003 Apr;19(2):117-28.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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