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Universitätsklinikum Heidelberg, 09.06.05

Hörschäden bei Kindern oft zu spät erkannt

Kein flächendeckendes Neugeborenen-Screening trotz einfachen Tests / Jubiläums-Symposium in der HNO-Universitätsklinik Heidelberg am 11. Juni

Mit einem schnellen und schmerzfreien Hörtest können Hörstörungen bei Babys erkannt werden.
Foto: HNO-Universitätsklinik Heidelberg

Wenn ein Kind nicht hört, lernt es nicht sprechen. Ist sein Hörvermögen beeinträchtigt, entwickeln sich Sprache und Leistungsfähigkeit nur teilweise und mit Verzögerung. In Deutschland sind von 1.000 Neugeborenen ein bis zwei betroffen. Doch in vielen Bundesländern, auch in Baden-Württemberg, werden Hörstörungen oft sehr spät erkannt, so dass die Entwicklung des Kindes bereits Schaden gelitten hat. Dabei stehen Screening-Tests für Neugeborene zur Verfügung; allerdings werden diese derzeit nur in wenigen Bundesländern wie Hamburg oder dem Saarland flächendeckend durchgeführt.


Auf diesen Missstand weist die Ärztliche Direktorin der Abteilung für Stimm- und Sprachstörungen sowie Pädaudiologie, Professor Dr. Ute Pröschel, hin. Bei einer Jubiläumsfeier am 11. Juni 2005 in der Kopfklinik des Universitätsklinikums Heidelberg ist die Früherkennung von Hörstörungen ein zentrales Thema, denn sie stellt den Schlüssel zu einer optimalen Behandlung der Sprachentwicklung dar.

30 Jahre Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie / 50 Jahre Logopädenschule

Gleich drei Jubiläen kann die Heidelberger Klinik an diesem Tag begehen:
* Vor 30 Jahren hat die Medizinische Fakultät Heidelberg eine Professur für Phoniatrie und Pädaudiologie eingerichtet.
* Seit 50 Jahren werden Logopäden (Sprach- und Stimmtherapeuten) am Universitätsklinikum Heidelberg ausgebildet.
* Insgesamt 60 Jahre besteht am Klinikum eine phoniatrische Ambulanz

Hörgeschädigte Kinder werden meist erst im dritten Lebensjahr behandelt

"Kinder mit Hörstörungen werden im Mittel erst im dritten Lebensjahr entdeckt", berichtet Frau Professor Pröschel. Dann fallen sie durch eine verzögerte Entwicklung der Sprache oder durch gestörtes Verhalten auf. Nervenbahnen im Gehirn, die das Innenohr mit dem Hör- und Sprachzentrum verbinden, sollten jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits weiterentwickelt sein. Diese Ausbildung kann der späte Einsatz von Hörgeräten nicht wieder aufholen.

Das Neugeborenen-Screening kann als schneller, schmerzfreier Test auf der Geburtsstation vorgenommen werden. Dabei wird eine kleine Sonde in das Ohr des Kindes eingeführt und ein kurzer Schallreiz erzeugt. Ob das Kind richtig hört, kann an der Schallantwort aus dem Innenohr oder an den Hirnströmen abgelesen werden.

Erfolgreiches Screening in Österreich und den USA

"Um den Test durchführen zu können, müssten die Geburtskliniken ausgestattet und die Mitarbeiter entsprechend geschult sein", beschreibt Frau Professor Pröschel das Defizit. Dass hier Erfolge erzielt werden können, zeigen Erfahrungen aus Österreich und den USA, wo die Mehrzahl der Neugeborenen mit Hörschäden bereits in den ersten sechs Monaten behandelt wird.

Ursachen angeborener Hörschäden können z.B. genetische Erkrankungen, Röteln während der Schwangerschaft, Unreife durch Frühgeburt sowie starker Sauerstoffmangel während der Geburt sein. Kindern mit Hörstörungen stehen heute sehr gute Behandlungsmöglichkeiten offen. Durch den Einsatz von Hörgeräten, Cochlea-Implantaten sowie anderen Hörprothesen können gute Erfolge in der Sprachentwicklung und der allgemeinen Entwicklung erzielt werden.

Logopädische Behandlung trainiert Eltern und Kinder

Die zusätzliche Behandlung durch eine Logopädin trägt dazu bei, die Sprachentwicklung zu fördern. Seit 50 Jahren werden Therapeuten an der Logopädieschule des Heidelberger Klinikums ausgebildet - jährlich treten zehn neue Schülerinnen und Schüler den dreijährigen Ausbildungsgang an. Die Schule wird von Frau Professor Pröschel geleitet.

Mit den Fachärzten für Phoniatrie und Pädaudiologie arbeiten die Logopädinnen (überwiegend sind es Frauen) Hand in Hand. Nach der umfassenden ärztlichen Diagnostik und der Therapieentscheidung übernehmen sie die Behandlung des Kindes. "Im Vordergrund steht die Anleitung und Beratung der Eltern. Die logopädischen Übungen werden den Kindern während der Therapie spielerisch angeboten, diese werden von den Eltern zuhause gefestigt", erklärt Barbara Strate, leitende Lehrkraft der Heidelberger Logopädenschule.

Rund 20 Prozent der Schulanfänger zeigen Auffälligkeiten in der Sprache

Die Nachfrage nach logopädischer Behandlung ist in den letzten Jahren gestiegen. Knapp 20 Prozent aller Schulanfänger zeigen Sprachauffälligkeiten. Die Ärzte und Logopäden haben zudem noch einen weiteren großen Kreis von Patienten, den sie betreuen: Patienten mit Stimmstörungen, z.B. Lehrer und Mitglieder anderer Berufsgruppen, die viel sprechen müssen, stotternde Kinder und Jugendliche, Patienten, die nach Entfernung eines Kehlkopftumors oder nach einem Schlaganfall unter Stimm-, Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen leiden.

Bei Rückfragen:
Professor Dr. Ute Pröschel
Telefon: 06221 / 56 72 38 (Sekretariat)
E-Mail: Ute_Proeschel@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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